Kurz vor Angriff auf seine Geschwister
Zwölfjähriger stoppt russische Drohne mit simplem Trick
15.05.2026 – 18:17 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine Drohne mit Glasfaserspule (Archivbild): Für gegnerische Störsender ist sie unempfänglich. (Quelle: IMAGO/Mykhaylo Palinchak / SOPA Images/imago)
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Ein ukrainischer Junge sieht eine russische Glasfaser-Drohne mit Kurs auf seine Familie. Dann erinnert er sich an den Rat eines ukrainischen Soldaten.
Die Begegnung war eher zufällig bei der Feldarbeit. So jedenfalls erzählte es Anatolij Prokhorenko der Zeitung „Washington Post“. Prokhorenko ist erst zwölf Jahre alt, aber in seinem Dorf in der Ukraine nahe Tscherniw unweit der Grenze zur Ukraine ein kleiner Held. Der Junge stoppte eine russische Drohne kurz vor dem Einschlag auf seine Familie.
Prokhorenko saß laut „Washington Post“ in einem Birnbaum als er das bekannte Surren einer russischen Drohne hörte. Um feindliche Störsender zu umgehen, setzt die Armee des russischen Staatschefs Wladimir Putin in unmittelbarer Nähe zur Front verstärkt auf sogenannte Glasfaser-Drohnen. Die tödlichen Fluggeräte sind ausgestattet mit einer Spule, auf der sich ein Glasfaserkabel abrollen lässt. Über das Kabel hält die Waffe Verbindung zur Basis-Station. Die Verbindung kann durch gegnerische Störsender nicht unterbrochen werden.
Sichtbar an Boden, Büschen und Bäumen bleibt allein das Glasfaser-Kabel. Wie ein Spinnennetz zieht sich die Verbindung über die Landschaft. „Im Winter ist es auf seine ganz eigene Weise tatsächlich wunderschön“, sagte Anatololijs Vater Wolodymyr Poltoratskyi. Die Glasfaser-Kabel „hängen wie Girlanden über der Straße und an den Bäumen, und der Frost legt sich auf die Leitungen“, erzählte Poltoratskyi der „Washington Post“.
Prokhorenko sah, wie die Drohne Kurs nahm auf ein Gebäude, in dem sich drei seiner Geschwister befanden. Und er erinnerte sich an die Lektion, die ihm ein ukrainischer Soldat mal nebenbei erteilte, als das Kind mit dem Vater auf dem Feld arbeitete.
Der Soldat hatte Prokhorenko geraten, die Drohne erst passieren zu lassen, um nicht selbst ins Visier zu geraten. Aus sicherer Entfernung zur Drohne sollte man das niedergesunkene Glasfaser-Kabel vom Boden aufgreifen, mit einem Trick um die Finger wickeln und dann einfach durchknicken. So machte es auch Prokhorenko.
Die Drohne verlor den Kontakt zum russischen Befehlsstand, verlor die Orientierung und trudelte weit abseits zu Boden. „Ich wartete auf eine Explosion, doch da war nichts“, sagte der Junge der „Washington Post“.

