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Los Angeles (USA) – Timothée Chalamet (30) gehört zu den meistgefeierten Schauspielern seiner Generation. Kritiker, Branchenkollegen und Fans überschlagen sich mit Lob für seine kompromisslose Rollenwahl und seine Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden. Sein neuer Film „Marty Supreme“, der jetzt in deutschen Kinos läuft, markiert für Chalamet einen Wendepunkt. Er zeigt ihn roh, ungeschützt und fern jeder Star-Aura – als Figur, die nicht glänzen will, sondern standhalten muss. Regisseur Josh Safdie (41) holte Chalamet für die Rolle vor die Kamera.

In „Marty Supreme“ spielt Timothée Chalamet (30) einen Tischtennis-Star. Der Film basiert lose auf dem Leben des Amerikaners Marty Reisman
Foto: action press
BILD: Timothée, was hat Sie ganz konkret zu diesem Film hingezogen?
Timothée Chalamet: „Ganz ehrlich: Josh (Safdie, Anm. d. Red.). Jeder junge Schauspieler in L.A. oder New York will gerade mit ihm arbeiten – da bin ich keine Ausnahme. Gwyneth (Paltrow, Anm. d. Red.) hat sechs Jahre lang keinen Film gedreht und für ihn ist sie zurückgekommen. Das sagt eigentlich alles. Es war unglaublich bewegend, dass sie für diesen Film aus dem Ruhestand zurückgekehrt ist – das hat dem Ganzen eine zusätzliche Tiefe gegeben.“

Gwyneth Paltrow (53) kehrte für den Film aus dem Ruhestand zurück
Foto: mauritius images/Landmark Media, LANDMARK MEDIA/Alamy/Alamy Stock Photos
Der Brillen-Trick in „Marty Supreme“
BILD: Die Brille und Ihr Look spielen im Film eine auffällige Rolle. Wie weit sind Sie dafür gegangen?
Chalamet: „Sehr weit. Josh wollte, dass meine Augen im Film ,schneller‘ und kleiner wirken – fast unangenehm. Dafür habe ich Kontaktlinsen mit minus vier bis minus sechs Dioptrien getragen, nur um meine Sicht absichtlich zu verschlechtern. Darüber kamen dann echte Brillengläser, um das wieder auszugleichen. Wir hatten täglich stundenlange Maskenarbeit mit Prothesen, Pockennarben, zusammengewachsenen Augenbrauen – Kiera Pachenko hat diesen Look großartig entworfen. Am Anfang wusste ich gar nicht, wie ich damit umgehen soll, und mir war total schwindlig. Ich wollte nicht der sein, der sagt: Das geht nicht. Also habe ich es durchgezogen – bis ich mir eine Augenentzündung eingefangen habe. Danach haben wir einen Rhythmus gefunden. Aber genau das war Teil von Joshs Weltbild: raus aus der Komfortzone, rein in etwas Unkontrollierbares. Und es hat die Figur komplett definiert. So absurd das klingt: Das war auch ein Moment, in dem ich gemerkt habe, wie weit ich bereit bin zu gehen – und wo meine Grenze ist.“

Josh Safdie (41, l.) und Timothée Chalamet bei der Premiere von „Marty Supreme“ Anfang Februar in Paris. Safdie ist ein angesagter New Yorker Regisseur, drehte zusammen mit seinem Bruder Erfolgsfilme wie „Uncut Gems“ (2019) und „Good Time“ (2017)
Foto: Geisler-Fotopress
Timothée Chalamet konnte das Star-Dasein ablegen
BILD: Sie wirken im Film bewusst nicht wie der klassische Star. War das Teil der Idee?
Chalamet: „Absolut. Josh wollte keinen Helden, der glänzt. Er wollte jemanden, der fast untergeht. Ich mag dieses Gefühl, der Underdog zu sein – selbst nach all den Jahren. Es hält dich wach. Sobald du dich zu sicher fühlst, wird es langweilig. Es war befreiend, nicht gefallen zu müssen. Nicht hübsch zu sein, nicht charmant, nicht sicher. Einfach roh.“

Im Film spielt Chalamet die Figur Marty Mauser, die Tischtennis-Weltmeister werden will
Foto: Christopher Peterson/SplashNews.com
BILD: Haben Sie manchmal Angst, sich selbst zu verlieren, je größer alles wird?
Chalamet: „Ja. Deshalb suche ich bewusst Projekte, die mich verunsichern. Sobald ich mich zu sicher fühle, weiß ich: Es ist Zeit, wieder Risiko einzugehen.“
BILD: Was hat Josh Safdies Blick auf Sie als Schauspieler mit Ihnen gemacht?
Chalamet: „Bei Josh verschwimmen Figur und echtes Leben komplett – das eine fließt ins andere. Genau das war so aufregend. Er hat ganz klar gesagt: Alles, was mich für Mode- oder Werbekampagnen interessant macht, interessiert ihn nicht. Er wollte das andere: den Typen, den er kennengelernt hat, als ich 22 war. Den Knicks-Fan (Basketballmannschaft New York Knicks, Anm. d. Red.). Und sogar Dinge, die er von mir auf YouTube gefunden hat, als ich 13 war. Das Unfertige, Ungeschützte. Das war unglaublich befreiend. Fast so, als würde man seine Seele einmal durch ein Sieb laufen lassen – und alles Überflüssige fällt weg.“

Timothée Chalamet ist für den Oscar in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ nominiert. Privat ist er mit Kylie Jenner (26) glücklich
Foto: BAFTA via Getty Images
BILD: New York spielt im Film fast eine eigene Rolle. Was bedeutet die Stadt für Sie persönlich?
Chalamet: „Für mich war es nicht der Film, sondern die Erfahrung. Es war pures New York. Ich liebe diese Stadt – ich wäre nicht der Mensch, der ich bin, ohne New York. Für mich ist die Stadt der schönste Ort der Welt.“