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Die belgische Polizei im Einsatz, nachdem die Synagoge in der Leon Fredericq-Straße von einer Explosion getroffen wurde. © JOHN THYS/afp
Nach Anschlägen auf jüdische Einrichtungen wurde ein Mann festgenommen. Die Ermittler vermuten eine Verbindung zu den iranischen Revolutionsgarden.
Die Festnahme sorgte für Aufsehen. Vor allem in den Niederlanden. „Es geht um Vergeltung und Einschüchterung“, sagte die Historikerin und Gewaltforscherin Beatrice de Graaf von der Universität in Utrecht am Sonntag dem niederländischen Sender NOS.
Zuvor war nach einer Serie von Anschlägen gegen jüdische Einrichtungen in den Niederlanden und anderen europäischen Staaten in der Türkei ein Verdächtiger festgenommen worden: Mohammad Baqer Dawoo al-Saadi, 32. Erste Ermittlungen weisen auf eine Verbindung zu den iranischen Revolutionsgarden hin. „Die von dieser Art des Terrorismus ausgehende Bedrohung ist äußerst gefährlich“, so de Graaf.
Die Attentatsserie in Europa begann im März, kurz nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran. Erst gab es im belgischen Lüttich an der Grenze zu Aachen einen Brandanschlag auf eine Synagoge. Es folgten Brandsätze gegen ein jüdisches Gotteshaus im niederländischen Rotterdam sowie auf eine jüdische Schule in Amsterdam.
Zudem gab es einen Angriff auf ein Zentrum des Vereins „Christen für Israel“ in den Niederlanden. In London gingen die Fahrzeuge einer jüdischen Hilfsorganisation in Flammen auf. Erst Ende April wurden zwei Menschen in London bei einem Messerangriff im jüdischen Viertel der britischen Hauptstadt verletzt. Al-Saadi kommentierte diese Angriffe im Netz oder postete vorab Bilder der Anschlagsziele.
Weil in Paris und Amsterdam auch Niederlassungen von US-Banken ins Visier der Anschläge gerieten, schaltete sich das FBI ein. Nach der Festnahme in der Türkei wurde al-Saadi in die USA überstellt. Dort erließ ein Gericht in New York Haftbefehl. Innerhalb drei Monaten soll Al-Saadi 18 Terroranschläge in ganz Europa gesteuert haben.
„Die Staatsanwaltschaft steht mit den USA in Kontakt bezüglich der Bedeutung dieser Festnahme für die laufenden Ermittlungen in den Niederlanden“, teilten die niederländischen Justizbehörden mit. Dort sind bislang fünf junge Männer im Zusammenhang mit der Attentatsserie aufgeflogen. Meist wurden sie für wenige hundert Euro im Netz angeworben, etwa auf Gaming-Plattformen. Von Wegwerf-Agenten sprechen Fachleute.
Al-Saadi sprach in ersten Vernehmungen laut FBI von „mehreren Terrorzellen“ in Europa. Er ist im Irak geboren und gilt als Hintermann der Attentatsserie, zu der sich eine Gruppe namens Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (Hayi) bekannte. Sie war den Behörden in Europa bislang nicht bekannt, soll ihr Zentrum im Irak haben und mit dem Iran in Verbindung stehen. Expertin Beatrice de Graaf sprach im Sender NOS von „staatlichem Terrorismus“. Die Forscherin warnte: „Man erkennt, dass der Iran eine Regionalmacht ist, die kontinuierlich in derartige Netzwerke investiert.“
Der niederländische Justizminister David van Weel hatte früh von möglichen Verbindungen in den Iran gesprochen. Das Antiterrornetzwerk ICCT in Den Haag hielt Vermutungen „hinsichtlich einer möglichen Beteiligung Teherans an der jüngsten Angriffswelle angesichts der langen Geschichte Irans bei der der Durchführung hybrider Operationen im Ausland nicht unbegründet.“ Demnach steht der Iran seit dem Sturz des Schahs 1979 mit 102 Anschlägen allein in Europa in Verbindung.