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Erfurt – Jetzt trifft die Krise der deutschen Industrie den nächsten Traditionsbetrieb. Der Thüringer Maschinenbau-Spezialist Eliog hat beim Amtsgericht Meiningen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Bitter: Das Unternehmen gilt als Weltmarktführer für Spezialöfen, die unter anderem in der Autoindustrie eingesetzt werden.
Sanierungsgeschäftsführer Stefan Mairiedl kämpft jetzt um die Zukunft des Herstellers. In einer Mitteilung erklärt er sein Ziel: „Die Substanz des Unternehmens erhalten.“ Und mithilfe eines Investors die Sanierung schaffen.
Unternehmen hat 102-jährige Tradition
Die Geschichte der insolventen Firma reicht weit zurück: Gegründet wurde Eliog bereits 1924 in Düsseldorf. Nach schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde die Produktion nach Römhild in Thüringen verlagert. In der DDR lief das Unternehmen als volkseigener Betrieb weiter. Nach der Wende rutschte das Unternehmen bereits einmal in die Insolvenz. 2011 übernahm dann die familiengeführte Rupprecht-Gruppe aus Bayern den Traditionsbetrieb.

Sanierungsgeschäftsführer Stefan Mairiedl will die Unternehmenssubstanz der Eliog erhalten
Foto: division one – internationale Personalberatung/YouTube
Bürokratie verhinderte Neubau
Im vergangenen Jahr sorgte Eliog-Eigentümerin Karlotta Rupprecht mit einem tränenreichen Video auf der Business-Plattform Linkedin für Aufsehen. Grund: Umfangreiche Planungen für einen Eliog-Neubau mussten gestoppt werden, weil die zuständige Behörde den Bau einer Zufahrtsstraße nicht genehmigen wollte. In einem F.A.Z.-Interview sagte die Unternehmerin: „Hier ist ein Unternehmen, das mit großer Anstrengung versucht, den Weg in die Zukunft zu gehen. Hier hängen Arbeitsplätze und ganze Familien dran. Und dann wird da beschieden: ‚Zufahrt nicht genehmigt‘, und dann liegt der Antrag erst mal auf Eis, erledigt.“

Im vergangenen September besuchte Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt das Unternehmen, spricht mit Geschäftsführerin Karlotta Rupprecht
Foto: picture alliance/dpa
Das sagt der Insolvenzverwalter zur Pleite
Nun ist nicht nur die Investition, sondern auch die Eliog-Zukunft ungewiss. Sanierungsgeschäftsführer Mairiedl weiß: Eliog könne offene Forderungen und Verbindlichkeiten „absehbar weder termingerecht noch vollständig begleichen.“ Besonders hart treffe die Firma die schwache Nachfrage: Kunden würden Aufträge kürzen, auf das kommende Jahr verschieben oder ganz streichen.
Für die 74 Beschäftigten gibt es nur wenig Sicherheit: Ihre Löhne und Gehälter werden bis zum kommenden Monat über das staatliche Insolvenzgeld bezahlt. Doch wie es danach weitergeht, ist völlig offen. Die Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.
Mehr zum ThemaTausende Arbeitsplätze bedroht
Insbesondere Autozulieferer und deren Zulieferer stecken in einer Krise, die oft von Kettenreaktionen geprägt ist. In Rheinland-Pfalz meldete gerade erst ein Maschinenbau-Spezialist für Antriebstechnik Insolvenz an. Dort sind 110 Mitarbeiter betroffen. Und in der Stadt Speyer stehen 1200 Arbeitsplätze auf der Kippe, weil dort zwei Autozulieferer ihre Produktion beenden. Beim Autozulieferer Bayrak in Niedersachsen und Hessen bangen aktuell 400 Menschen um ihre Jobs. Im Harz in Sachsen-Anhalt stehen derzeit 1000 Stellen auf dem Spiel, weil dort zwei Autozulieferer an einem Tag pleitegingen. Der deutsche Weltmarktführer für Industrieöfen reiht sich nun in diese Liste ein.