Grundsätzlich sieht Bernehed Deutschland und Europa gut aufgestellt. „Das Know-how ist da, richtig gute Batterien hierzulande zu bauen. Woran es noch fehlt, ist der Silicon Valley Spirit, das Ganze richtig hochzuskalieren.“ Wobei es Bernehed zugleich wichtig ist, Schritt für Schritt zu denken. „Eine Gigafactory zu bauen, bevor wir nicht eine Megawattfabrik gebaut haben, macht keinen Sinn.“ In diesem Sinne habe gerade China in der Vergangenheit vieles richtig gemacht.

Woran es in Deutschland weiterhin mangele, sei die schnelle Verfügbarkeit von Kapital, kritisiert Bernehed. „Wenn ich ein staatliches Förderprogramm beantrage, werden die Finanzierungssummen oftmals davon abhängig gemacht, welche Auszahlungen ich bereits getätigt habe, heißt, ich muss in Vorkasse treten. Zwischen Antragsstellung staatlicher Fördergelder und Auszahlung vergehen im Schnitt 20 Monate.“ Bei Geldern privater Investoren dauere es aufgrund bürokratischer Verfahren bis zur Auszahlung oftmals rund drei Monate – auch das zu lange.

Zu viel Bürokratie auf der einen, zu wenig Regeln auf der anderen Seite

Ohnehin, die Bürokratie: Umweltschutz ist Bernehed ein Anliegen, aber wenn etwa Feuerschutzvorschriften in jedem deutschen Bundesland anders gelagert sind, sei niemanden geholfen. „Ich wünsche mir ein einheitliches Framework auf europäischer Ebene, in dem Start-Ups wie wir besser und freier agieren können. Vor allem, um unseren Kunden aus ganz Europa gerecht werden zu können.“ Es gelte, hohe Umweltschutzstandards und Industrialisierung unter einen Hut zu kriegen.

Für Winter sind Wettbewerbsregeln ein entscheidender Faktor, damit Deutschland und Europa im Batteriemarkt global aufschließen können. „Wir brauchen Regularien, dass die in der EU verkauften Batterien ethischen, energetischen und umweltrechtlichen Grundsätzen genügen. Und es muss überprüfbar sein, ob Batterien aus dem Ausland diese Regularien erfüllen. Dann hat die europäische Batterieproduktion eine Chance.“

Eine europäische Nachhaltigkeitsstruktur ist auf dem Weg. Die schrittweise eingeführte Batterieverordnung gibt vor, dass Unternehmen soziale und ökologische Risiken bei Rohstoffen wie Lithium, Kobalt, Nickel und Graphit identifizieren und mindern sollen. Es soll Pflichtangaben zum CO2-Fußabdruck geben. Jedoch wurde die Einführung entsprechender Sorgfaltspflichten erst kürzlich um weitere zwei Jahre verschoben. Und soll nun ab Mitte 2027 gelten.

Im Rahmen des Critical Raw Materials Act gibt die EU bis 2030 das Ziel von 10 Prozent heimischer Förderung aus, 40 Prozent heimischer Verarbeitung und 25 Prozent Recycling strategischer Rohstoffe. Zudem sollen nicht mehr als 65 Prozent des EU-Bedarfs an einem Rohstoff aus einem einzigen Drittland kommen.

In die Batterieforschung könnte bis 2030 EU-weit ein zweistelliger Milliardenbetrag privater und staatlicher Investitionen fließen. 2022 gab die EU das Ziel aus, 90 Prozent des Bedarfs durch heimische Produktion zu bewerkstelligen. Das erscheint utopisch. Immerhin hält das Fraunhofer ISI weiterhin eine Rate von 50 bis 60 Prozent für möglich. Von aktuell rund 500 Gigawattstunden auf über eine Terrawattstunde 2030 schätzt das Institut die steigende jährliche Nachfrage nach Batteriezellen in Europa. In diesem Markt will Alteva künftig tatkräftig mitmischen. Ob der Markteintritt glückt, wird sich im kommenden Jahr zeigen. Manuel Grisard

Der Artikel ist Teil des Printmagazins energiezukunft, mit dem Thema Innovationen für die Energiewende. Hier geht es zum Magazin.