Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist die Mortalität bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) deutlich erhöht. Zu den wichtigsten Todesursachen zählen kardiovaskuläre Ereignisse. Gleichzeitig sind Vitamin-D-Insuffizienz und -Mangel bei SLE weit verbreitet.
Calcidiol als möglicher Risikomarker bei SLE
Vitamin D ist nicht nur für den Knochenstoffwechsel relevant, sondern beeinflusst auch immunologische und inflammatorische Prozesse. In der Allgemeinbevölkerung wurde ein niedriger Serumspiegel von 25-Hydroxyvitamin D (Calcidiol, 25(OH)D) in mehreren Analysen mit erhöhter Mortalität und kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung gebracht. Für Patienten mit SLE war jedoch bislang unklar, ob auch bei ihnen ein Zusammenhang zwischen Calcidiol-Spiegeln und Mortalität, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder weiteren kardiovaskulären Ereignissen besteht.
Calcidiol-Spiegel und kardiovaskuläre Endpunkte untersucht
Das Ziel einer Studie war es daher, den Zusammenhang zwischen Calcidiol-Spiegeln und Mortalität sowie kardiovaskulären Ereignissen bei Patienten mit SLE zu untersuchen. Dabei wurden Schlaganfall, Myokardinfarkt, Angina pectoris und Bypassoperationen berücksichtigt.
Grundlage der Studie waren Daten der Hopkins Lupus Cohort, in der Calcidiol-Spiegel seit 2009 regelmäßig bestimmt werden. Die Autoren analysierten den jeweils ersten verfügbaren Calcidiol-Spiegel, den mittleren Spiegel des vorangegangenen Jahres sowie den zuletzt gemessenen Spiegel. In einer prospektiven Analyse betrachteten sie Ereignisse nach der ersten Calcidiol-Messung. Eine Lebenszeitanalyse berücksichtigte auch kardiovaskuläre Ereignisse vor dem Kohorteneintritt. Die Modelle wurden für Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und Body-Mass-Index adjustiert.
Kardiovaskuläre Risikofaktoren in der Kohorte häufig vertreten
In die prospektive Analyse wurden 1.768 Patienten mit insgesamt 11.302 Personenjahren Nachbeobachtung einbezogen. Das mittlere Alter bei Kohorteneintritt lag bei 42 Jahren, die Kohorte war überwiegend weiblich. Kardiovaskuläre Risikofaktoren waren weit verbreitet, darunter Hypertonie bei etwa der Hälfte der Patienten, Hyperlipidämie bei mehr als der Hälfte und Adipositas bei 42,6 %.
Ein Diabetes mellitus lag bei 9,4 % der Patienten vor, 12,3 % rauchten zum Zeitpunkt der Erhebung. Auch SLE-typische Manifestationen wie Arthritis, kutane Beteiligung, Lupusnephritis, neurologische Beteiligung, erniedrigte Komplementspiegel und Antiphospholipid-Antikörper waren häufig.
Initial niedrige Calcidiol-Spiegel mit höherem Risiko assoziiert
Während der prospektiven Nachbeobachtung kam es bei 67 Patienten zu kardiovaskulären Ereignissen. Die Ereignisrate lag insgesamt bei 5,9 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre. Am höchsten war sie bei Patienten mit initialen 25(OH)D-Spiegeln unter 20 ng/ml.
Nach Adjustierung waren initiale 25(OH)D-Spiegel unter 20 ng/ml mit erhöhter Mortalität sowie einem höheren Risiko für den kombinierten kardiovaskulären Endpunkt assoziiert. Auch für Schlaganfälle zeigte sich in dieser Gruppe ein erhöhtes prospektives Risiko. Für Myokardinfarkte allein war der Zusammenhang in der prospektiven Analyse hingegen nicht statistisch gesichert.
Spätere Calcidiol-Werte weniger aussagekräftig
Zusätzlich prüften die Autoren, ob spätere 25(OH)D-Werte das Risiko ähnlich abbildeten. Der mittlere Spiegel des Vorjahres sowie der zuletzt gemessene Spiegel zeigten jedoch keinen konsistenten Zusammenhang mit Mortalität oder kardiovaskulären Ereignissen. Auch ein Anstieg zuvor niedriger Werte auf mindestens 30 ng/ml war in einer explorativen Analyse nicht mit einer niedrigeren Rate kardiovaskulärer Ereignisse verbunden.
U-förmiger Zusammenhang beim Myokardinfarktrisiko
In der Lebenszeitanalyse war ein Calcidiol-Spiegel unter 20 ng/ml ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für den kombinierten Endpunkt aus Schlaganfall, Myokardinfarkt, Angina pectoris oder Bypassoperation verbunden. Bei Myokardinfarkten zeigte sich ein U-förmiger Zusammenhang: Sowohl Werte unter 20 ng/ml als auch Werte ab 50 ng/ml waren mit einem erhöhten Risiko assoziiert. Die niedrigste Risikogruppe lag bei 30 bis 39 ng/ml.
Risikomarker ohne gesicherten Supplementationsnutzen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der frühe Calcidiol-Status bei Patienten mit SLE als möglicher Risikomarker in die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung einbezogen werden sollte. Aus den Daten lässt sich jedoch kein kausaler Nutzen einer Vitamin-D-Supplementation ableiten. Ob eine frühe oder langfristige Korrektur eines Vitamin-D-Mangels die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität bei SLE senken kann, muss in weiteren Studien geklärt werden.