
AUDIO: Cannes: Premiere von „Vaterland“ begeistert Fans (4 Min)
Stand: 19.05.2026 12:26 Uhr
Hanns Zischler und Sandra Hüller spielen eindrucksvoll im Roadmovie „Vaterland“ über Thomas Manns erste Deutschlandreise nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Nicht alles von Paweł Pawlikowskis Film über den Lübecker Autor beim Filmfest Cannes ist historisch akkurat. Mit Absicht.
Pawlikowskis Spielfilm „Vaterland“ hat vor wenigen Tagen umjubelte Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes gefeiert. Es ist der erste deutschsprachige Film im diesjährigen Wettbewerb des Festivals, bei dem 22 Produktionen um die Goldene Palme konkurrieren.
Der Film über den Lübecker Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Thomas Mann ist komplett in Polen gedreht – eine Koproduktion der Länder Polen, Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien.
Roadmovie handelt von der Familie Mann – und von Liebe

Erika Mann (Sandra Hüller) dolmetscht in Frankfurt am Main die Fragen der internationalen Presse für Thomas Mann (Hanns Zischler).
Er handelt von Liebe und Trauer innerhalb der Familie – und die Liebe zum eigenen Land. Doch: Wo genau ist „Heimat“, wenn man nicht mehr in der eigenen Sprache schreiben will?
Es sei ein Film wie ein Bajonett über das „Exil und Verrat“, lobt der britische „Guardian“. Ein „eleganter Film, der fasziniert“, schreibt die US-Zeitung Filmzeitschrift „Variety“. Der Historienfilm wird international in der Branchenpresse gefeiert.

Für seinen Debütroman „Buddenbrooks“ bekam er den Literaturnobelpreis. Am 12. August 1955 starb Thomas Mann in Zürich.
Historische Reise von Thomas Mann ins Nachkriegsdeutschland
Im Mittelpunkt seines siebten Spielfilms – wie immer, in Schwarzweiß gedreht – steht eine historische Reise des damals 74-jährigen Thomas Mann ins Nachkriegsdeutschland. Es ist das erste Mal, dass der Lübecker Autor und Literaturnobelpreisträger nach dem Zweiten Weltkrieg deutschen Boden betritt. Zu der Zeit lebt er im US-amerikanischen Exil und hat auch die US-Staatsbürgerschaft erhalten.
Anlass für die historische Reise sind die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe. Der Film begleitet Mann nach Frankfurt am Main – und ins ostdeutsche Weimar. In beiden Städten hält der damals bedeutendste lebende deutschsprachige Schriftsteller historische Reden und wird Schritt auf Tritt genau beobachtet.
Erika Mann begleitet Thomas Mann nach Frankfurt und Weimar
All das zeigt Pawlikowski, dem aber genau bewusst ist, dass sein Film nicht historisch korrekt ist. Denn, so der 68-jährige polnische Drehbuchautor und Drehbuchautor („Ida“) bei der Pressekonferenz des Festivals in Cannes, er wollte „auf keinen Fall ein Biopic“ machen. Das interessiere ihn nicht. Auf die Idee zum Film gekommen ist er durch Colm Tóibíns Buch „Der Zauberer“ über Thomas Mann.
Vertauschte Ereignisse im Jahr 1949

Pawel Pawlikowski (l-r, Sandra Hüller und August Diehl kommen zur Premiere des Films «Fatherland
Pawlikowski hat vielmehr die intensive Beziehung der Mann-Geschwister Erika und Klaus interessiert – und deren jeweiliges Verhältnis zum Vater, der „nicht besonders expressiv“ bei Emotionen war, so Pawlikowski. Weder in dessen Büchern noch im echten Leben. Ihn hat das „Liebesdreieck“ zwischen den drei Personen interessiert.
Daher reist im Film Thomas Manns Tochter Erika Mann, jeweils beeindruckend gespielt von Hanns Zischler und Sandra Hüller, 1949 mit ihrem Vater nach Deutschland. Und nicht die Ehefrau Katia Mann. Im Film nimmt sich der Sohn Klaus Mann, gespielt von August Diehl, parallel zur Deutschlandreise seines Vaters in Cannes das Leben. Im südfranzösischen Ort liegt bis heute sein Grab.
Der Tod von Klaus Mann lag bei der Reise jedoch bereits Monate zurück. „Aber weder Thomas noch Erika Mann sind je zur Beerdigung nach Cannes gereist“, erklärt Pawlikowski.
Unvergessliche Ohrfeigen-Szene mit Joachim Meyerhoff als Gustaf Gründgens
Bis in die kleinsten Rollen ist „Vaterland“ fabelhaft besetzt: So hat Joachim Meyerhoff eine unvergessliche Ohrfeigen-Szene mit Sandra Hüller. Er spielt den Theater-Giganten Gustaf Gründgens. Devid Striesow verkörpert Johannes Becher, Milan Peschel und Fritzi Haberlandt sind in Mini-Rollen zu erleben.
Drei von Pawlikowskis Filmen enden mit erhebender Musik von Johann Sebastian Bach. Auch dieser hat eine ergreifende Szene in einer zerbombten Kirche, in der ein Kantor auf der ramponierten Orgel „Jesu, meine Freude“ spielt. Und nach nicht einmal 82 Minuten ist der beeindruckende Film zu schnell vorbei. Er dürfte bis zur Preisverleihung noch große Kreise ziehen – und eine der Palmen des Festivals ergattern. Der bundesweite Kinostart steht noch nicht fest. Das Festival geht noch bis zum 23. Mai.

60 Jahre nach seinem Debüt in Cannes liefert der Regisseur mit der Verfilmung von Jenny Erpenbecks „Heimsuchung“ eine Sternstunde des deutschen Kinos.

Joachim Triers Drama hat die Auszeichnung als bester Film erhalten – und fünf weitere Preise. Eine nominierte NDR Koproduktion ging leer aus.

Hanns Zischler und Sandra Hüller spielen eindrucksvoll im Roadmovie über Manns erste Deutschlandreise im Jahr 1949. Nicht alles an Paweł Pawlikowskis Historienfilm ist akkurat. Mit Absicht.

Stichtag 07. Juni 1910: Der Geburtstag der Schriftstellerin Monika Mann

Am 21. Mai 1949 nimmt sich Klaus Mann das Leben. Sein Leben lang hatte er darum gekämpft, als Autor neben dem übermächtigen Vater Thomas Mann wahrgenommen zu werden.

Das Festival läuft seit Dienstag – mit deutscher Beteiligung. Sandra Hüller spielt in einem Thomas-Mann-Drama, Volker Schlöndorff zeigt sein Drama „Heimsuchung“.