Wegen eines Protestbriefs hat der französische Bezahlsender Canal+ Hunderten Künstlerinnen und Künstlern mit einem Ende der Zusammenarbeit gedroht. Der Chef des Senders, Maxime Saada, sagte während der Filmfestspiele in
Cannes, dass er nicht mehr möchte, dass sein Sender mit den
Unterzeichnern eines offenen Briefes gegen einen der wichtigsten Geldgeber des Senders zusammenarbeitet. Mehr als 600 Filmschaffende hatten zuvor einen offenen Brief in der linksliberalen Zeitung Libération veröffentlicht, in dem sie vor einem wachsenden Einfluss des rechtskonservativen Medienmoguls Vincent Bolloré auf die Branche warnten.

»Der Kulturkampf, von dem überall die Rede ist, bezeichnet nicht bloß
eine Auseinandersetzung zwischen Ideen«, schrieben die Filmschaffenden
in ihrem Aufruf. »Indem wir das französische Kino in die Hände eines
rechtsextremen Unternehmers geben, riskieren wir nicht nur eine
Vereinheitlichung der Filme
, sondern auch eine faschistische
Vereinnahmung der kollektiven Vorstellungswelt.« Das Kollektiv »Zapper Bolloré« (»Überspringt Bolloré«) stelle sich gegen die Vereinnahmung der Filmwelt durch einen solchen Milliardären.

Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem die Schauspielerinnen Juliette Binoche und Adèle
Haenel oder die Regisseure Raymond Depardon und Dominik Moll. Das Kollektiv gab in der Nacht zum Dienstag zudem bekannt, dass sich weitere 1.000 Personen nach der Drohung durch Canal+ der Initiative angeschlossen hätten, darunter Robin Campillo und Nahuel Pérez Biscayart, berichtete LeMonde.

Medienunternehmer mit viel Einfluss

Der Milliardär Bolloré hält einen Anteil von gut 30 Prozent an Canal+
und hat angekündigt, die Kinokette UGC erwerben zu wollen. Damit könnte er in die Lage geraten,
die gesamte Filmproduktionskette zu kontrollieren, von der Finanzierung
bis zur Ausstrahlung im Fernsehen und im Kino, kritisierten die Unterzeichnenden. Bolloré ist in Frankreich umstritten. Teils wird von
einer »Bollorisation« der von ihm übernommenen Medien gesprochen: Die redaktionelle Linie verschiebe sich nach rechts und
rechts außen
.

Die französische Kulturszene stellt sich in teilen bereits seit Längerem gegen Bollorés wachsenden Einfluss. Bolloré kontrolliert neben Canal+ bereits den Nachrichtensender CNews, die Zeitung Journal du Dimanche und den Verlagskonzern Louis Hachette. Im April verließen etwa mehr als 100 Autoren den Verlag Grasset, der zu Louis Hachette gehört, nachdem der Geschäftsführer des Verlags zurückgetreten war. Französische Medien berichteten damals, sein Rücktritt hänge mit einem Streit darüber zusammen, ob und wann ein Buch des französisch-algerischen Schriftstellers Boualem Sansal über seine Inhaftierung in Algerien veröffentlicht werden solle.

Auch damals schrieben die Autoren in einem offenen Brief, sie weigerten sich, »Geiseln in einem ideologischen Krieg zu sein, der darauf abzielt, überall in Kultur und Medien Autoritarismus durchzusetzen«.

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