Die US-Amerikanerin Michaela Kiersch hat sich im Zillertal die erste weibliche Begehung von »Dolby Surround« geholt. Nach 20 Sessions verteilt auf zwei Monate clippte sie am 8. Mai 2026 den Umlenker der 1998 eingebohrten Granitlinie und schlägt für die Route nach einem weiteren Griffausbruch die Bewertung 9a+ vor.

Malerische Linie mit kurzer Begehungsliste

»Dolby Surround« liegt im Breitlahner Wald im Zillertal, direkt am Bachbett: 18 Meter Granit, durchzogen von Gneisstreifen, im 45-Grad-Überhang. Den namensgebenden Klang liefert der nahegelegene Wasserfall – ein Einfall des Erstbegehers Kilian Fischhuber. Bereits 1998 hatte Gerhard Hörhager die Linie eingerichtet, doch erst zehn Jahre später, im Jahr 2008, gelang Fischhuber die Erstbegehung. Er schlug damals 8c+ als Bewertung vor. Nach einem ersten Griffausbruch wiederholte Jakob Schubert die Linie und stufte die Schwierigkeit auf 8c+/9a hoch. Trotz prominenter Versuche, unter anderem von Adam Ondra, blieb die Begehungsliste über die folgenden anderthalb Jahrzehnte erstaunlich kurz: weniger als zehn Wiederholungen in fast 30 Jahren.

Ein weiterer Griffausbruch in der Schlüsselstelle hat die Linie vor kurzem zusätzlich verschärft: Direkt nach der alten Crux folgt nun eine neue, harte Sequenz, die laut Kiersch in einem Sprung endet und für sich genommen 8B+ Boulderniveau erreichen dürfte. Nach Rücksprache mit anderen, die sich an der Linie versucht haben, und gestützt vor allem auf ihre eigene Erfahrung, hält sie 9a+ als Bewertung für angemessen. Ob sich der Vorschlag durchsetzt, hängt davon ab, ob überhaupt jemand zeitnah nachzieht – die bisherige Begehungsdichte lässt das offen.

Nachdem ich mich mit anderen ausgetauscht habe, die die Route probiert haben, und vor allem auf meine eigenen Erfahrungen vertrauend, erscheint mir 9a+ angemessen. Aber die Zeit wird es zeigen.

Michaela Kiersch

Zwei Monate + 1 Tag

Kiersch lebt in Innsbruck, das Zillertal liegt damit praktisch vor der Haustür. Sie nutzte die Nähe konsequent und arbeitete über zwei Monate hinweg an dem Projekt – ihr bislang längster Prozess an einer einzelnen Linie.

Zwei Monate plus ein Tag und 20 Sessions, bis ich den Umlenker klippen konnte! Das längste Projekt, das ich bisher hatte – eine Erfahrung für sich. Ich bin wirklich stolz auf meine Ausdauer und darauf, dass ich immer wieder zurückgekommen bin.

Michaela Kiersch

»Dolby Surround« zählt zu den schönsten Routen, an denen sie sich je versucht hat, so Kiersch: gestreifter Granit und Gneis, 45 Grad überhängend, mit den Zillertaler Alpen als Kulisse.

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Credits Titelbild: Michaela Kiersch Instagram