Mariahilf ist einer der kleinsten Bezirke Wiens, seine politische Bedeutung reicht allerdings weit über die Bezirksgrenzen hinaus. Das Gebiet südlich der Mariahilfer Straße, die eine der bekanntesten Einkaufsmeilen Österreichs ist, steht symbolisch für den politischen Kampf zwischen SPÖ und Grünen um die (meist) jung-urbane Bevölkerung innerhalb des Gürtels.

Gerne wird Mariahilf deshalb vor Wahlen als „Battleground-Bezirk“ bezeichnet – zuletzt konnte sich die SPÖ dort mit nur mehr rund 150 Stimmen Vorsprung ins Ziel retten. Und nun hat dieser Bezirk eine neue Führung, nachdem der bisherige SPÖ-Bezirkschef Markus Rumelhart aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste.

Julia Lessacher, die bisherige Stellvertreterin Rumelharts, steht nun an der Spitze des urbanen, liberalen Bezirks. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Lessacher durch ihre politische Funktion bisher nicht bekannt, allerdings tauchte ihr Name im Zuge der Wiener Kleingarten-Affäre auf.

Zur Erinnerung: Im Herbst 2023 wurde bekannt, dass der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) im Jahr 2020 ein Grundstück in einem Kleingarten in der Donaustadt gekauft hatte. Das wäre nicht weiter berichtenswert, wenn es nicht kurz darauf eine Umwidmung gegeben hätte, wodurch der Wert der dortigen Grundstücke enorm gestiegen war. Die Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln.

Nevrivy, der derzeit wegen der Causa Wienwert vor Gericht steht, hatte immer betont, er habe keinerlei Einfluss auf die Umwidmung genommen. Im Zuge der Causa Kleingärten wurde bekannt, dass in dem betreffenden Kleingarten auch drei SPÖ-Politikerinnen Grundstücke besitzen, die durch die Umwidmung enorm an Wert zugelegt haben. Eine davon war Lessacher.

Laut den damaligen Recherchen des Ö1-Morgenjournals und der Wiener Zeitung hatte der dortige Obmann des Kleingartenvereins 2018 zu Protokoll gegeben: „Durch die Mithilfe unserer neuen Eigentümerin Frau Julia Lessacher hat ein Treffen mit dem Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy in unserer Anlage stattgefunden.“ Das Hauptthema soll (laut den Medienberichten) die Umwidmung gewesen sein.

Was sagt die neue Bezirkschefin Lessacher heute dazu? „Ich habe vor zehn Jahren mit meiner Familie ein Grundstück gekauft, das am freien Markt erhältlich war, das jeder kaufen hätte können.“ Sie habe keinerlei Einfluss auf eine Umwidmung gehabt, auch weil sie politisch in Mariahilf tätig sei „und in keinster Weise in einem anderen Bezirk irgendwelche Zuständigkeiten“ habe.

Und was ist mit der außergewöhnlich hohen Dichte von Personen mit SPÖ-Zugehörigkeit oder SPÖ-Nähe in dem Kleingartenverein, in dem umgewidmet wurde? „Ich habe und hatte keinen Einfluss darauf, wer vor mir, nach mir, oder in Zukunft in der Nachbarschaft ein Grundstück kauft“, erklärt Lessacher der „Presse“. Allerdings hatte die SPÖ bei der gesamten Causa rund um Nevrivy selbst eine „nicht optimale Optik“ eingeräumt.

Festzuhalten ist: Gegen Lessacher gibt es in der Causa Kleingarten keine Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Das gilt allerdings nicht für Nevrivy, der derzeit in der Causa Wienwert angeklagt ist. Für ihn ist die Causa Kleingarten nicht ausgestanden, unbemerkt von der Öffentlichkeit wird weiterhin gegen den SPÖ-Politiker ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Wien auf „Presse“-Anfrage erklärt: „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Zurück nach Mariahilf. Dort setzt die SPÖ große Hoffnungen in Lessacher, nachdem man bei der Wien-Wahl 2025 unter Markus Rumelhart den Bezirk nur äußerst knapp halten konnte. Die 51-Jährige wird in der Partei als umgänglich und volksnah beschrieben, ist seit 2002 in verschiedenen Positionen in der SPÖ Mariahilf aktiv und war (bis zu ihrer Angelobung als Bezirksvorsteherin am Donnerstag) im Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV) für die Kommunikation und Werbung zuständig.

Wie wird sich der innerstädtische, urbane Raum südlich der Mariahilfer Straße durch den Antritt von Lessacher verändern? Auffallend ist, dass sie eine striktere Linie fährt als Rumelhart. Der Fritz Imhoff-Park soll umzäunt und in der Nacht gesperrt werden, um die Lärmbelästigung für die Anrainer zu senken, das Drogenproblem beim Gürtel möchte sie „in den Griff bekommen“ – selbst wenn der Bezirk hier kein Durchgriffsrecht hat, sondern die Zuständigkeit bei der Stadt liegt. Das werde sie nicht aufhalten, kündigt Lessacher entsprechende Gespräche mit der Stadt an: „Es ist mein Beitrag für die Bewohnerinnen und Bewohner, dass ich lästig bin.“