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Erlangen – Als die Stadt Würzburg 2022 „Layla“ verbot, setzte der Partyschlager zum Höhenflug an: Über 70 Millionen Klicks auf YouTube machten ihn zum Kult. Vier Jahre später dreht eine weitere Verwaltung an der Zensurschraube. Die Stadt Erlangen schickte den Wirten des Volksfestes „Bergkirchweih“ eine Liste mit Liedern, die dort „keinen Platz“ hätten. Vorwurf: „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“!

Wie zuerst die „Nürnberger Nachrichten“ berichteten, geht es um beliebte Mitgröl-Songs wie „Geh mal Bier holen“ von Mickie Krause, aber auch den 80er-Jahre-Klassiker „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang rund um die fiktive Prostituierte „Rosi“. Der Manager der Band, Jürgen Thürnau, zeigt sich gegenüber BILD fassungslos: „Es ist ein Skandal, dass man eine Liste mit Songs erstellt, die nicht gespielt werden sollen. Wir haben von der Stadt keine Begründung bekommen, gar nichts.“

Die Spider Murphy Gang um Sänger Günther Sigl (79, M.) bei einem Auftritt 2023

Die Spider Murphy Gang um Sänger Günther Sigl (79, M.) bei einem Auftritt 2023

Foto: picture alliance/SvenSimon

Sogar vor einem Erlanger Urgestein macht die Regulierungswut der Stadt keinen Halt: Schlagerstar Peter Wackel (49) steht mit „Joana“ auf der Schwarzen Liste. Begründung: „Problematische Zwischenrufe“, weil das Publikum auf den Namen „Joana“ traditionell mit „Du geile Sau“ antwortet. BILD erreichte Wackel in dessen zweiter Heimat Mallorca. Er ist „überhaupt nicht verwundert“ über das Vorgehen der Stadt: „Die Bergkirchweih war immer ein wunderbares Fest, ich habe dort über 20 Jahre gesungen. Doch seit fünf oder sechs Jahren hagelt es immer wieder Verbote“.

Schlagerstar Peter Wackel (49) bei einem früheren Besuch auf der „Bergkirchweih“: In diesem Jahr will er das Fest meiden

Schlagerstar Peter Wackel (49) bei einem früheren Besuch auf der „Bergkirchweih“: In diesem Jahr will er das Fest meiden

Foto: Peter Wackel

Gesprächsangebote oder Debatten würden von der Verwaltung aber immer wieder abgeblockt. Sein bitteres Fazit: „Unfassbar peinlich das Ganze. Kein Wunder, dass immer mehr Künstler maximal keine Lust auf Deutschland haben. Wir sind dann eben Urlaubssänger für Deutsche im Ausland, wo wir spielen dürfen, was wir möchten.“

Verwaltung schiebt Stadtrat die Schuld zu

Auf BILD-Anfrage verweist die städtische Pressestelle auf einen Stadtratsbeschluss von 2021. Damals stimmten CSU, Linke und SPD dafür, dass keine Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ gespielt werden dürfen. Es handele sich auch nicht um ein Verbot, sondern um eine „Sensibilisierung“ – wobei die Wirte wohl wenig Spielraum haben, da viele den Grund direkt von der Stadt mieten.

Immerhin kann man den Verwaltern nicht vorwerfen, sie hätten eine diskriminierte Gruppe außen vor gelassen: Der indizierte Song „20 Zentimeter“ von Mirja Boes (54) handelt von einem Mann mit kleinem Gemächt.

Die Schwarze Liste von Erlangen

Diese Songs sind auf der „Bergkirchweih“ verboten

1. Layla
DJ Robin & Schürze (2022)

2. Nein heißt ja
G.G. Anderson (2000)

3. Donaulied
Volkslied, verschiedene Versionen: u.a. Mickie Krause (2012)

4. Baby Bell
Breitner (2025)

5. Joana (du geile Sau)
Peter Wackel (2007)

6. Olé, wir fahr’n in’ Puff nach Barcelona
3 Besoffskis, Cover: Mickie Krause (1975; 1999)

7. 20 Zentimeter
Mirja Boes (2000)

8. Die Glöcknerin von Dingolfing
Dorfrocker (2015)

9. Skandal im Sperrbezirk
Spider Murphy Gang (1981)

10. Geh mal Bier hol’n
Mickie Krause (2014)

11. Deine Freundin
SDP (2015)

12. 10 nackte Friseusen
Mickie Krause (1999)