Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur gehen Ende Juni in Klagenfurt über die Bühne. Aus Österreich lesen Wolfgang Popp, Magdalena Schrefel und Christoph Szalay. Eröffnet wird das Jubiläumsjahr von Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert.

Klagenfurt – Facebook gilt mit gutem Grund als soziales Netzwerk der gesetzteren Jahrgänge. Daran mag es liegen, dass dort auch der heimische Literaturbetrieb recht aktiv ist. Im Vorfeld der Bekanntgabe der diesjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb beklagte Tex Rubinowitz mit dem für ihn typischen ironischen Ernst, dass ihm ein neuerliches Antreten beim gewichtigsten Wettlesen des deutschen Sprachraums verwehrt bleiben müsse, weil er es 2014 gewonnen hat.

Juryvorsitzender Klaus Kastberger kommentierte, es gebe im Statut kein Verbot, ein zweites Mal anzutreten. Daraufhin schaltete sich Horst L. Ebner, der Organisator der Klagenfurter Tage der deutschsprachigen Literatur, wie der Wettbewerb offiziell heißt, ein – und präsentierte Schrödingers Statut: Sowohl Kastberger als auch Rubinowitz liegen richtig. Eine zweite Nominierung ist möglich, außer man hat schon einmal gewonnen. Tex Rubinowitz kann also nicht der Johnny Logan des Wörthersees werden. Nach Klagenfurt will er Ende Juni trotzdem fahren.

Hören kann er dort noch unveröffentlichte Texte von 14 Autorinnen und Autoren. Drei davon – Wolfgang Popp, Magdalena Schrefel und Christoph Szalay – kommen aus Österreich.

Helga Schubert gewann 2020 die Corona-Auflage. Heuer kommt sie als Eröffnungsrednerin.

© JOHANNES PUCH

Eröffnungsrede von Helga Schubert

Eröffnet werden die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur von Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert. Der Titel ihrer Klagenfurter Rede zur Literatur lautet „Und führe uns nicht in Versuchung“.

Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist heuer mit 30.000 Euro dotiert. Zusätzlich werden wie immer weitere Preise vergeben: der Kelag-Preis, der Deutschlandfunk-Preis, der 3sat-Preis und der Publikumspreis. Letzterer ist mit einem Aufenthaltsstipendium des Carinthischen Sommers verbunden, das heuer zum zweiten Mal vergeben wird. Auch bei den Nebenpreisen wurde mehr Geld in die Hand genommen: Insgesamt werden Preise im Wert von 75.000 Euro vergeben.

Die Österreicher im ÜberblickWolfgang Popp, Jahrgang 1970, ist Journalist und Schriftsteller. In Wien geboren und auch lebend, debütierte der Ö1-Kulturredakteur und Fernost-Spezialist 2013 mit dem Roman „Ich müsste lügen“ als Schriftsteller. Weitere drei Romane folgten. Der jüngste davon, „Die Ahnungslosen“, schaffte es auf die Shortlist des Literaturpreises der Europäischen Union.1984 in Korneuburg geboren, hat sich Magdalena Schrefel in erster Linie als Dramatikerin einen Namen gemacht. Nach Auslandsaufenthalten in Kroatien und Schweden sowie einem Ethnologie-Studium in Wien, studierte sie von 2011 bis 2016 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig Literarisches Schreiben. Seit 2013 veröffentlichte sie mehrere Theaterstücke und Hörspiele. 2024 wurde ihr gemeinsam mit ihrem Bruder Valentin Schuster geschriebene Text „Die vielen Stimmen meines Bruders“ beim Nestroy-Preis als bestes Stück ausgezeichnet. Anfang 2026 erschien ihr Debütroman „Das Blaue vom Himmel“.Christoph Szalay, Jahrgang 1987, geboren in Graz, wiederum ist hauptsächlich im lyrischen Fach aktiv. Seit seiner Jugend, in der er als Nordischer Kombinierer aktiv war, ist er auch dem Sport zugewandt. Er studierte in Graz Germanistik und Art in Context in Berlin. Neben mehreren Lyrikbänden veröffentlichte Szalay seine Texte auch in Zeitschriften, Anthologien und im Rundfunk. Er arbeitet auch kulturspartenübergreifend, etwa im Kontext von Performances.Neun Bewerber aus Deutschland, eine Schweizerin und eine Ungarin

Mit Fiona Sironic, die es mit ihrem Debütroman „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ im Vorjahr überraschend ins Finale für den Deutschen Buchpreis schaffte, lebt auch eine deutsche Kandidatin in Wien.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im ÜberblickGesche Heumann, Deutschland – eingeladen von Philipp Tingler.Ozan Zakariya Keskinkılıç, Deutschland – eingeladen von Mara Delius.Seraina Kobler, Schweiz – eingeladen von Philipp Tingler.Wolfgang Popp, Österreich – eingeladen von Klaus Kastberger.Kurt Prödel, Deutschland – eingeladen von Thomas Strässle.Jovana Reisinger, Deutschland – eingeladen von Mara Delius.Caroline Rosales, Deutschland – eingeladen von Mithu Sanyal.Slata Roschal, Russland/Deutschland – eingeladen von Klaus Kastberger.Lena Schätte, Deutschland – eingeladen von Thomas Strässle.Magdalena Schrefel, Österreich – eingeladen von Laura de Weck.Fiona Sironic, Deutschland/Österreich – eingeladen von Laura de Weck.Christoph Szalay, Österreich – eingeladen von Brigitte Schwens-Harrant.Kinga Tóth, Ungarn – eingeladen von Brigitte Schwens-Harrant.Derya Uzun, Deutschland – eingeladen von Mithu Sanyal.

Aus Deutschland kommen außerdem Gesche Heumann, Ozan Zakariya Keskinkılıç, Kurt Prödel, Jovana Reisinger, Caroline Rosales, Slata Roschal, Lena Schätte und Derya Uzun zum renommierten Wettlesen nach Klagenfurt. Aus der Schweiz ist Seraina Kobler mit von der Partie, aus Ungarn kommt die auch auf Deutsch schreibende Kinga Tóth.

Die Jury bildet das bewährte Team mit dem Vorsitzenden Klaus Kastberger sowie Mara Delius, Laura de Weck, Mithu Sanyal, Brigitte Schwens-Harrant, Thomas Strässle und Philipp Tingler.

3sat überträgt erstmals Eröffnung

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur werden am 24. Juni 2026 um 19 Uhr im ORF-Landesstudio Kärnten eröffnet. Schon am Abend davor wird die Lesereihenfolge ausgelost. Die Lesungen und Diskussionen zum Wettbewerb finden von 25. bis 27. Juni im ORF-Theater statt, die Preisvergabe erfolgt am 28. Juni um 11 Uhr.

Am 26. Juni gibt es im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann im und um das ehemalige Bachmann-Wohnhaus in der Klagenfurter Henselstraße ein Fest mit Musik und szenisch-literarischen Interventionen. Zur Feier des Jubiläums wird auch der Ingeborg-Bachmann-Park umgebaut.

Erstmals überträgt 3sat die Eröffnung am 24. Juni live. Deshalb wurde das Eröffnungsprogramm von bisher bis zu zweieinhalb Stunden auf 75 Minuten gekürzt. Insgesamt plant 3sat heuer rund 18 Stunden Bachmannpreis-Programm.

Literaturkurs gerettet

Der drohenden Einsparung entgangen ist der Klagenfurter Literaturkurs, der als Vorläufer des Wettbewerbs und Sprungbrett für junge Autorinnen und Autoren gilt. Heuer findet er als Literaturkurs Neu statt und bietet neun jungen Schreibenden Gelegenheit, gemeinsam an ihren Texten zu arbeiten und sich weiter zu professionalisieren.

Tex Rubinowitz übrigens wird im Klagenfurter Lendhafen am Vorabend der Preisverleihung das legendäre Bachmannpreis-Quiz moderieren.

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