Papst Leo XIV. versuchte in Acerra Hoffnung zu geben und Trost zu spenden: „Ich bin vor allem gekommen, um die Tränen derer zu sammeln, die geliebte Menschen verloren haben; getötet durch Umweltverschmutzung, die von skrupellosen Menschen und Organisationen verursacht wurde, die viel zu lange ungestraft handeln konnten.“ Er verurteilte die „tödliche Mischung aus dunklen Interessen und Gleichgültigkeit gegenüber dem Gemeinwohl“. Sie habe das natürliche und soziale Umfeld vergiftet.
Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche besuchte das „Land der Feuer“ unweit von Neapel. Über Jahrzehnte vergrub und verbrannte die Mafia dort Millionen Tonnen gefährlicher Abfälle und verseuchte Böden, Luft und Grundwasser.
Die Menschen in dem etwa 11.000 Quadratkilometer großen Gebiet wehren sich und fordern Konsequenzen. Dafür zogen sie bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Sie bekamen recht: Der italienische Staat habe trotz langer Kenntnis nicht schnell und sorgfältig genug reagiert und müsse Maßnahmen zur Bewältigung ergreifen.
Der Name „Terra dei Fuochi“ (Land der Feuer). leitet sich von den Hunderten von brennenden Mülldeponien ab, wo die sogenannte Müll-Mafia riesige Mengen von Haushalts- und Industriemüll sowie Sonderabfall illegal lagert und verbrennt, und dies mit gravierenden gesundheitlichen Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Regionen. Das Geschäft mit der Abfallentsorgung wird von einigen einflussreichen Clans der Camorra, dem neapolitanischen Arm der Mafia, beherrscht.
Schätzungen zufolge wurden in den Jahren 1991 bis 2013 rund zehn Millionen Tonnen Industrieabfall in dem Landstrich verbrannt, obwohl offene Mülldeponien in der EU verboten sind. Das Geschäft mit dem Mist ist seit dem Ende der 1980er-Jahre eine lukrative Einnahmequelle für die neapolitanische Mafia. Die Camorra lässt selbst giftige Abfälle wie Asbest, Lösungsmittel, Autoreifen und Kühlschränke auf den Feldern auskippen und zündet sie unterschiedslos an.
Die Behörden zählten in den vergangenen Jahren 2.767 illegale Deponien in 38 Gemeinden. 37 Prozent der 354.000 Bewohner dieser Ortschaften leben in einer Entfernung von 100 Metern von den gesundheitsgefährdenden Mülllagern. Die Sterberate und die Zahl der Erkrankungen an Brustkrebs ist hier deutlich erhöht. Dasselbe gilt für Asthma, vor allem bei Kindern und Teenagern.