Laut neuen Daten von zwei Marktforschungsunternehmen könnte der globale Smartphone-Markt 2026 drastisch schrumpfen. Es zeichne sich eine „Krise wie keine andere“ ab, meinen Experten. Welche Smartphones könnten betroffen sein, was bedeutet das für Kunden und was ist der Grund der bevorstehenden Krise?

Die neue Prognose stellt eine drastische Abwärtskorrektur früherer Schätzungen dar und liefert die aktuellste Einschätzung der anhaltenden Speicherknappheit, von der alle Bereiche der Elektronikindustrie betroffen sind. Die Nachfrage nach Hochleistungsspeichern für Aufgaben der künstlichen Intelligenz hat das weltweite Angebot bis weit ins nächste Jahr hinein erschöpft und gefährdet nun das Geschäftsmodell vieler Smartphone-Hersteller.

IDC rechnet für 2026 nun mit rund 1,1 Milliarden ausgelieferten Mobiltelefonen, gegenüber 1,26 Milliarden im Vorjahr. Dies macht jahrelange schrittweise Zuwächse zunichte. Smartphone-Hersteller reagieren auf die gestiegenen Komponentenkosten, indem sie die Spezifikationen drosseln, unrentable Einstiegsmodelle streichen und die Verbraucher zum Kauf von Premium-Geräten animieren.

„Die Zölle und die Pandemiekrise wirken im Vergleich dazu wie ein Witz“, sagte Nabila Popal, Senior Research Director bei IDC. „Der Smartphone-Markt wird bis zum Ende dieser Krise einen tiefgreifenden Wandel erleben – in Bezug auf Größe, durchschnittliche Verkaufspreise und die Wettbewerbslandschaft. Wir erwarten nicht, dass sich die Lage vor Mitte 2027 entspannen wird.“

Das Marktforschungsunternehmen Counterpoint veröffentlichte am Freitag eine ähnlich düstere Prognose. Es sagt einen Rückgang der Smartphone-Verkäufe um 12,4 Prozent für dieses Jahr voraus und führt einen „umfassenden Angebotsschock” bei Speicherchips an.

„2026 entwickelt sich zum schlechtesten Jahr in der Geschichte der Smartphones“, sagte Counterpoint-Analyst Yang Wang. „Die Branche hat noch nie einen so steilen Absturz erlebt.“

Die sprunghaft angestiegenen Kosten für Chips – sowohl für DRAM-Chips, die für Rechenaufgaben benötigt werden, als auch für NAND-Chips, die zur Speicherung verwendet werden – beeinträchtigen die ohnehin geringen Gewinnmargen vieler Android-Marken. Chinesische Akteure wie Xiaomi und Oppo liefern sich einen erbitterten Kampf um Kunden und geben viel Geld für hochwertige Komponenten aus, um sich einen größeren Anteil am Inlandsmarkt zu sichern und ihr Image auf der Weltbühne zu verbessern. Laut IDC sind ihre Einstiegsgeräte den neuen Kostendrücken am stärksten ausgesetzt, da der Speicher einen größeren Anteil an ihren Materialkosten ausmacht.

„Wir wünschten uns einfach, es gäbe mehr Speicher“, sagte Cristiano Amon, Chief Executive Officer von Qualcomm, dem größten Anbieter von Mobilprozessoren, nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen in dieser Woche. „Das Problem ist nicht nur der Preis. Das Problem ist schlicht die Verfügbarkeit. Ich denke daher, dass die Verfügbarkeit von Speicher die Gesamtgröße des Handymarktes bestimmen wird.“

Premium-Handys wie die meisten Modelle der iPhone-Reihe von Apple werden die Krise besser überstehen. Der Speichermangel wird sich voraussichtlich bis ins Jahr 2027 hinziehen und selbst wenn sich die Liefermengen wieder normalisieren, erscheint eine Rückkehr zu den alten Preisstrukturen unwahrscheinlich.

„Die Zeiten billiger Smartphones sind vorbei, da wir selbst nach Ende der Krise nicht erwarten, dass die Speicherpreise wieder auf das Niveau von 2025 sinken werden“, sagte Popal. Im vergangenen Jahr wurden rund 170 Millionen Smartphones für weniger als 100 US-Dollar ausgeliefert – ein Segment, dessen Aufrechterhaltung laut IDC nun unwirtschaftlich ist. (duc/Bloomberg)