Entwaldung schadet der Landwirtschaft schon jetzt
Das bedeutet aber auch: Wird der Regenwald gerodet, fehlt der Region ein erheblicher Teil der Niederschläge. Das lokale Klima wird trockener. „Um dies ins Verhältnis zu setzen: Baumwolle und Sojabohnen benötigen jährlich 607 und 501 Liter Regen pro Quadratmeter – das entspricht der Regenmenge, die zwei beziehungsweise 1,7 Quadratmeter intakten Regenwalds bereitstellen“, schreiben die Forschenden.
Entsprechend deutlich sind schon jetzt die Folgen der Entwaldung: In Brasilien wurden allein in den letzten Jahren rund 80 Millionen Hektar Regenwald vernichtet. Dadurch haben sich die Niederschläge in den am stärksten betroffenen Gebieten bereits messbar verringert, die Regensaison hat sich verkürzt, wie das Team berichtet. Als Folge sind die Ernteerträge von Mais und Soja in diesen Gebieten gesunken, auch die Trinkwasserversorgung und die Stromerzeugung durch Staudämme zeigen bereits erste Auswirkungen.
20 Milliarden US-Dollar für Brasiliens Landwirtschaft
Der Regenbringer Tropenwald ist damit auch ein Wirtschaftsfaktor – und seine Leistung lässt sich konkret beziffern: „Der vom Amazonas-Regenwald erzeugte Regen ist pro Quadratmeter rund 0,00594 US-Dollar wert“, berichten Baker und ihr Team. „Das entspricht einem Wert von 59,4 US-Dollar pro Hektar Regenwald.“ Rechnet man dies zusammen, hat der brasilianische Amazonas-Regenwald einen Anteil von rund 20 Milliarden US-Dollar an der regionalen Landwirtschaft.
Die rapide Entwaldung in Brasilien schadet der Wirtschaft des Landes schon jetzt: Brasilien hat durch die schon jetzt gerodeten Waldflächen Einbußen von knapp fünf Milliarden US-Dollar jährlich, wie Baker und ihre Kollegen ausgerechnet haben. Dennoch hält die Entwaldung in vielen Bereichen der Tropen fast unvermindert an.
Unverzichtbare Regenproduzenten
„Unsere Arbeit unterstreicht die lebenswichtige Rolle der Tropenwälder als Regenproduzenten“, sagt Baker. Der Schutz der Regenwälder dient demnach nicht nur der Natur und dem globalen Klima, er bringt auch der Region handfeste klimatische und wirtschaftliche Vorteile. Denn der ökonomische Schaden der Entwaldung ist in vielen Tropenregionen höher als der Gewinn durch die zusätzlichen Anbauflächen.
„Diese wichtige Verbindung zu erkennen, könnte dabei helfen, die Spannungen zwischen den Interessen der Landwirtschaft und des Naturschutzes zu verringern“, so die Forscherin. (Communications Earth & Environment, 2026; doi: 10.1038/s43247-025-03159-3)
Quelle: University of Leeds
20. Februar 2026
– Nadja Podbregar