Hinweise sind noch keine Beweise
Aber auch wenn Hinweise auf außerirdisches Leben gefunden werden, ist das noch kein Beweis für dessen tatsächliche Existenz. Die Astrobiologie, die den Ursprung des Lebens im Universum untersucht, kennt viele solcher „falsch-positiver“ Hinweise auf außerirdisches Leben, die sich am Ende nicht belegen lassen. Im Gegensatz dazu stehen „falsch-negative“ Ergebnisse, bei denen möglicherweise vorhandenes oder früher vorhandenes Leben gar nicht erst entdeckt wird. Die Astrobiologin Inge Loes ten Kate von der Universität Utrecht in den Niederlanden fordert deshalb, „sich dieser falsch-negativen Ergebnisse bewusst“ zu sein. Derzeit werde viel Geld in Missionen investiert, „die vielleicht anders gestaltet werden müssten“, so ihre Kritik in der Zeitschrift Nature Astronomy.
Außerirdisches Leben mithilfe von KI finden
Nach Einschätzung von Ten Kate sind Weltraummissionen und -instrumente darauf ausgelegt, potenzielle Hinweise auf außerirdisches Leben zu erkennen. Das Risiko, etwas zu übersehen, werde aber nicht berücksichtigt. Die Astrobiologie-Professorin fordert deshalb: „Die Suche nach Lebenszeichen sollte Hand in Hand gehen mit besser definierten Fragen und überprüfbaren Hypothesen, um spezifische Mess- oder Beobachtungsziele zu rechtfertigen.“ Mustererkennung mit Künstlicher Intelligenz (KI) könne dabei ein wertvolles und leistungsfähiges Werkzeug sein. Damit könnte man Dinge entdecken, die man sonst niemals sehen könnte.
Auch Halles Planetarium-Leiter Schlesier denkt, dass „KI wirklich sehr hilfreich sein“ könne, um neue, zum Teil sehr umfangreiche Datensätze schnell und präzise auszuwerten, bisher gewonnene Daten nochmals zu analysieren und mit dem gegenwärtigen Kenntnisstand abzugleichen.
Suche nach bekannten Dingen
Die Astrobiologin Ten Kate wies in ihrer Studie darauf hin, dass eine Reihe von Ursachen für „falsch-negative“ Ergebnisse schwer und oft nur rückblickend identifiziert werden könnten. Ein „Kern des Problems“ sei, dass wir dazu neigen, nach Dingen zu suchen, die wir bereits wissen, so die Wissenschaftlerin. „Wir müssen daher sehr klar verstehen, welche Art von Leben an einem bestimmten Ort möglich ist, welche Bedingungen für dieses Leben bestehen und wie wir die Spuren dieses Lebens erkennen können.“
Es gehe darum, besser zu verstehen, wie die Geochemie an solchen Orten funktioniere und chemische Reaktionen in bestimmten Situationen abliefen. Auch das helfe, „falsch-negative“ Ergebnisse auszuschließen. Letztlich müsse man wissen, worauf man sich einlasse, bevor man eine Expedition irgendwohin schicke, betonte Ten Kate: „Also stelle sicher, dass du die Lage in der Landezone im Voraus sorgfältig studiert hast.“
Risiko für „falsch-negative“ Ergebnisse permanent
Auch Schlesier bestätigt, dass die Forschung zunächst nach Lebensmerkmalen suche, die man vom irdischen Leben kenne. „Grundsätzlich bleibt uns auch nichts übrig, denn Wissenschaft basiert ja auf einer entsprechenden Faktenlage. Alles andere wäre Spekulation.“ Der Leiter des Planetariums Halle räumte auch ein, dass das „Risiko, falsch-negative Ergebnisse zu erhalten“, natürlich permanent bestehe. Dies sei dem aktuellen technischen Fortschritt und unserem Wissensstand geschuldet. Mit jeder Forschungsmission lerne man aber dazu. „Daher ist es zunächst wichtig, eine bessere Faktenlage zu schaffen.“