Debakel im Alles-oder-nichts-Spiel: Der VfL Wolfsburg, bei dem ÖFB-Teamspieler Patrick Wimmer verletzt fehlte, Ex-LASK-Torhüter Pavao Pervan auf der Bank war und FC Salzburg-Leihspieler Adam Daghim das Führungstor vorbereitete, ist in der Relegation krachend gescheitert und steigt nach 29 Jahren in die 2. Liga ab. Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking verlor das hitzige Rückspiel beim SC Paderborn nach Unterzahl (ab Min. 15) 1:2 (1:1, 1:1) nach Verlängerung und ist erstmals seit 1997 nicht mehr erstklassig. Eine ganz schwache Saison nahm somit ihr unvermeidliches Ende – der VfL steht vor einem Scherbenhaufen.

Wolfsburgs Joakim Maehle sieht früh Rot (Foto: picture-alliance/WITTERS GmbH/picture-alliance/WITTERS GmbH/SID/TayDucLam)

Wolfsburgs Joakim Maehle sieht bereits in der 14. Spielminute Rot

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Dzenan Pejcinovic (3.) schoss den Favoriten nach Vorlage von FC Salzburg-Leihspieler Adam Daghim ganz früh in Führung, doch Sicherheit oder Ruhe brachte der Treffer nicht – Joakim Maehle (14.) schwächte sein Team früh mit einer Gelb-Roten Karte. Der VfL Wolfsburg, der den 6-fach höheren Kader-Marktwert gegenüber den Ostwestfalen hat (SCP = rd. 41 Mio. Euro; VfL = rd. 235 Mio. Euro), stemmte sich in Unterzahl gegen den Underdog, war aber doch hilflos: Der SCP nutzte seine große Chance auf den dritten Aufstieg in die Bundesliga. Filip Bilbija (38.) glich aus, dann sorgte Laurin Curda (100.) mit seinem Treffer in der Verlängerung für Ekstase auf den Rängen.

Das Team um den 39-jährigen Cheftrainer Ralf Kettemann, der im vergangenen Sommer von der U19 des Karlsruher SC kam und zuvor Co-Trainer bei der TSG Hoffenheim II war, kehrt nach sechs Jahren in der 2. Bundesliga ins Oberhaus zurück – und verdiente sich den Sieg gegen den favorisierten VfL dank einer Energieleistung. Bereits im Hinspiel am Donnerstag hatte sich der SCP ein 0:0 erkämpft, beim Wiedersehen in Paderborn war auch der ganz frühe Rückstand kein Hindernis.

Für die „Wölfe“ endete hingegen die Zeit in der Bundesliga nach 29 Jahren. Dieter Hecking, der im Vorjahr bereits mit dem VfL Bochum abstieg, ist der dritte Trainer, der den VfL in dieser Saison betreut, doch auch der Routinier konnte den Absturz nach seinem Amtsantritt am 8. März nicht verhindern. Wie es für den 61-Jährigen und den gesamten Verein weitergeht, ist völlig offen. Laut kicker-Informationen haben zwar alle Spieler einen Vertrag für die zweite Liga, die Gehälter würden aber schrumpfen. Die Mannschaft um den 34-jährigen Starspieler Christian Eriksen (149 Länderspiele für Dänemark, 46 Tore) war für höhere Ziele zusammengestellt, doch im Abstiegskampf war sie hilflos.

Dabei bewies Wolfsburg im Finale um den Klassenerhalt zunächst seine Nehmerqualitäten. In Unterzahl mühte sich Wolfsburg, die wild entschlossenen, aber auch hektischen Paderborner vom eigenen Tor fernzuhalten. Das gelang anfangs ordentlich, die Schüsse und Hereingaben des SCP waren aber auch oft zu ungenau. Gefährlich wurde es bei einem Schuss von Mika Baur (17.) von der Strafraumgrenze, dann rettete Torhüter Kamil Grabara (35.) glänzend.

Doch Entlastung fanden die Wolfsburger zu keinem Zeitpunkt. Immer wieder schlugen sie den Ball aus der Gefahrenzone, mussten dann aber umgehend wieder verteidigen. Das war enorm kräftezehrend – und ging nicht lange gut. Bilbija glich aus. Dass Wolfsburg immerhin ein 1:1 in die Pause rettete, war ein kleiner Erfolg.

Auch im zweiten Durchgang hatte der Favorit dem Paderborner Dauerdruck wenig entgegenzusetzen. Erst knapp 30 Meter vor dem eigenen Tor nahm Wolfsburg die Zweikämpfe an, musste etliche Ecken verteidigen und fand keinerlei Zugriff. Das einzige Ziel schien das Erreichen der Verlängerung zu sein. Paderborns Stefano Marino (56.) köpfte den Ball aus drei Metern übers Tor, Sebastian Klaas traf den Innenpfosten (61.).

Weil SCP-Joker Sven Michel (90.+2) in der Nachspielzeit per Kopf ebenfalls nur den Pfosten traf, gab es 30 Minuten obendrauf. Paderborn schnürte den Favoriten weiter am eigenen Strafraum ein, Curda sorgte nach Flanke von Michel per Volleyabnahme für die Erlösung. Ralf Kettemann schafft in seinem ersten Jahr als Profi-Cheftrainer den Aufstieg und folgt damit 2. Liga-Meister FC Schalke 04 (mit dem Österreicher Miron Muslic als Chefcoach) sowie dem Zweiten SV Elversberg in die Bundesliga. Aus der es nun mit dem FC St. Pauli, 1. FC Heidenheim und VfL Wolfsburg drei Absteiger gibt.

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