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Cannes (Frankreich) – Wo werden die besten Filme dieser Welt gedreht? Klar, da denkt man an Hollywood. An Rom, Paris, New York – und ja, auch an Berlin. Weil dort die Studios so berühmt sind. Weil dort großartige Filme entstanden sind. Aber Saudi-Arabien? Das Königreich in der Wüste haben die meisten als Filmstandort eher nicht auf dem Schirm. Das wollen die Saudis ändern. Wie? Mit jeder Menge Kohle fürs Kino.
In Cannes haben sie jetzt ein Angebot gemacht: Wer bei ihnen in Saudi-Arabien Filme und Serien produziert, erhält bis zu 60 Prozent des Geldes zurück, das er im Land ausgegeben hat. Eine Kampfansage!
Erst Fußball, jetzt die Blockbuster. Saudi-Arabien hat für den Kickersport seit 2023 gezielt Topstars wie Cristiano Ronaldo (41) in seine Saudi Pro League geholt. Auch in Sachen Filmgeschäft greift das Königreich an. Es ist ein lohnendes Geschäft: Von einem Dreh profitiert oft eine ganze Region. Die Filmleute geben Geld aus: für Hotels, Essen, Fahrer. Und der PR-Effekt ist ebenfalls groß. Viele Fans reisen dorthin, wo ihre Lieblingsserie gedreht wurde.

Johnny Depp (62, M.) im November 2023 mit Mohammed Al Turki (39) und Jomana Alrashid, zwei wichtigen Machern in der Filmbranche von Saudi-Arabien
Foto: Getty Images for The Red Sea International Film Festival
„Das macht was mit der Branche“
Filmförderung gibt es in vielen Ländern. Aber nirgendwo gibt es so viel Geld zurück, wie nun in Saudi-Arabien. Beim Filmfestival in Cannes haben die Saudis ihre Finanzierungsoffensive eindrucksvoll beworben. „Das macht schon was mit der Branche“, sagt Kirsten Niehuus (67), Präsidentin der nationalen Filmförderungsanstalt (FFA), zu BILD.
„Große Produktionen könnten aus Europa abwandern oder gar nicht erst zu uns kommen. Wir unterstützen einen Film mit bis zu 25 Millionen Euro. Das ist Obergrenze.“ Diese Summe gab’s zum Beispiel für „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“. Wäre der 100-Millionen-Dollar-Film jetzt im saudischen Königreich entstanden (und wären die 100 Millionen dort auch komplett ausgegeben worden), hätten die Produzenten 60 Millionen US-Dollar zurückbekommen.

Ben Kingsley (82, M.) in einer Szene des Films „Desert Warrior“. Die US-Produktion wurde 2021 in der saudischen Wüste gedreht
Foto: picture alliance/Everett Collection
Die Saudis wollen Hollywood
Krasse Entwicklung! Kinos waren jahrzehntelang verboten. Dann aber startete Kronprinz Mohammed bin Salman (40) das Projekt „Vision 2030“. Ziel: Das Land soll sich weltoffen zeigen. Er schaffte u.a. das Fahrverbot für Frauen ab. Mohammed Al Turki (39) gilt als die bekannteste Figur beim Aufbau der saudischen Filmindustrie, ist als eine Art Botschafter und Netzwerker unterwegs.

Dezember 2025: Oscarpreisträger Adrien Brody (53, M.) kommt mit seiner Freundin Georgina Chapman (50) zur Veranstaltung „Women in Cinema“, die während des Red Sea Filmfest in Dschidda stattfindet
Foto: Getty Images for the Red Sea International Film Festival
Mehr Frauenrechte, aber auch mehr Hinrichtungen
All das klingt modern, aber gleichzeitig hat die Zahl der Hinrichtungen zugenommen. Und nach wie vor gehen viele Beobachter davon aus, dass der Kronprinz für den Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi (†59) verantwortlich ist. Dieser galt als scharfer Kritiker Salmans, hatte im Oktober 2018 das saudische Konsulat in Istanbul betreten – aber nie wieder verlassen. Das Gerichtsverfahren dazu wurde 2022 von den türkischen Behörden an Saudi-Arabien abgegeben.

Vin Diesel (58, l.) und Uma Thurman (56) verfolgen im Dezember 2025 die Eröffnungszeremonie des Red Sea Filmfest in Dschidda. Zwischen Diesel und Thurman sitzt der saudische Schauspieler Yazeed Almajyul
Foto: Getty Images for The Red Sea International Film Festival
Der Nachteil an Saudi-Arabien? „Dort ist es heiß“
Nun pumpen die Saudis ihre Öl-Milliarden in die Bewegtbildbranche. Jetzt mit einer Geld-zurück-Option! Das gilt etwa für Gagen von Schauspielern und Crew, Studiobauten, Technikmieten, Unterkünfte und Postproduktionskosten.
Wie bewertet man in Deutschland diese Offensive? Noch gibt man sich gelassen. Expertin Kirsten Niehuus: „Saudi-Arabien hat vielleicht viel Geld, aber einen großen Nachteil. Dort ist es heiß und außerdem gibt’s dort nicht das gesellschaftliche und kulturelle Leben, das die Stars zum Beispiel an Berlin schätzen. Der zweite Vorteil ist die Erfahrung. Studios wie Babelsberg haben exzellente Kulissenbauer, Künstler, Techniker. Deren Know-how wird in der ganzen Filmwelt geschätzt.“