Die Speyerer Filmklappe zeigt am Samstag im Alten Stadtsaal „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, einen Animationsfilm von 1926.

Zum 100. Geburtstag des ersten abendfüllenden Animationsfilmes zeigt die Speyerer Filmklappe im Alten Stadtsaal am 30. Mai um 20 Uhr „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von 1926. Die musikalische Begleitung übernimmt das Blasorchester Diedesfeld, auf dessen Anregung auch die Veranstaltung zurückgeht, so Hans-Jürgen Huber.

„Das Blasorchester Diedesfeld hat sich bei uns gemeldet, sie wollten gerne den Film vertonen und suchten eine weitere Aufführungsmöglichkeit. Mich hat das sofort gefesselt, denn so ein Projekt hatten wir noch nicht“, freut sich der Cineast. Die große Herausforderung wird sein, das etwa 35-köpfige Orchester im Saal zu platzieren. Sobald der Platzbedarf für das Orchester ausgemessen ist, werden an der Abendkasse noch Karten zu zwölf Euro in den Verkauf gehen.

Silhouette von Lotte Reiniger. Silhouette von Lotte Reiniger.Foto: Adadr/oho

Die Abenteuer des Prinzen Achmed gilt als der älteste erhaltene abendfüllende Animationsfilm der Filmgeschichte und als Meilenstein der frühen Filmkunst. Regisseurin und Trickfilm-Pionierin Lotte Reiniger schuf mit diesem Werk ein einzigartiges Kunstwerk, das bis heute durch seine poetische Bildsprache und seine technische Raffinesse beeindruckt.

Der Film entstand zwischen 1923 und 1926 in Berlin und basiert lose auf Tausendundeine Nacht. Erzählt wird die Geschichte des Prinzen Achmed, der durch die List eines Zauberers auf einem fliegenden Pferd in ferne Länder gelangt und schließlich die schöne Pari Banu rettet.

Stark vom Scherenschnitt inspiriert

Die besondere Bedeutung des Films liegt in seiner innovativen Herstellungsweise. Lotte Reiniger entwickelte eine Technik des Silhouettenfilms, die stark vom Scherenschnitt inspiriert war. Dafür schnitt sie Figuren aus schwarzem Papier oder dünnem Blei aus und verband die einzelnen Körperteile mit kleinen Drahtgelenken. So konnten Arme, Beine oder Köpfe bewegt werden. Die Figuren wurden auf einer beleuchteten Glasplatte Bild für Bild fotografiert – ein frühes Verfahren der Stop-Motion-Animation.

Reiniger realisierte bereits Jahre vor den Zeichentrickproduktionen von Walt Disney einen langen Animationsfilm. Sie arbeitete mit Licht, Schatten und ornamentalen Formen. Dadurch erinnert der Film zugleich an Schattentheater, Jugendstilkunst und expressionistischen Film. Viele Filmhistoriker sehen in dem Werk ein eigenständiges Kunstwerk von hoher ästhetischer Qualität.

Pionierin des Trickfilms

Lotte Reiniger wurde 1899 in Berlin geboren. Inspiriert vom deutschen Experimentalfilm, begann sie in den 1910er-Jahren mit Animationstechniken zu experimentieren. Ihr Talent lag darin, traditionelle Kunstformen mit dem neuen Medium Film zu verbinden. Während der NS-Zeit verließ Reiniger mehrfach Deutschland und arbeitete zeitweise in Frankreich und England. Trotz schwieriger Produktionsbedingungen blieb sie dem Animationsfilm treu und schuf zahlreiche kurze Märchenfilme. Ihre Werke zeigen häufig Motive aus bekannten Erzählungen. Dennoch blieb „Die Abenteuer des Prinzen Achmed ihr berühmtestes Werk“.

Obwohl man thematisch sehr gut zum Kultursommer gepasst hätte, entschied man sich aber gegen einen Antrag auf externe Fördermittel und stemmt das alles in Eigenverantwortung, betont Huber.