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Die Liste der Gratulanten ist prominent besetzt. Sämtliche Bundesligisten schickten ein Schreiben nach Gelsenkirchen, um Schalke 04 die Glückwünsche zur Erstliga-Rückkehr auszusprechen. Auch der Pott-Rivale aus Dortmund. Doch auch aus dem Ausland gab es Post. In Person von Nasser Al-Khelaïfi (52), dem Präsidenten von Paris Saint-Germain und Vorsitzenden der EFC, dem Verband europäischer Vereine.
Schalke ist über Deutschlands Grenzen hinaus weiterhin mehr als nur ein Begriff. Doch die Rückkehr auf Europas Fußball Bühne dürfte sich so schnell nicht realisieren lassen – selbst wenn sich die Mannschaft in der kommenden Saison überraschend für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren sollte.
Grund für diesen Widerspruch sind die Statuten der Uefa. Diese besagen: Klubs mit negativem Eigenkapital – vereinfacht ausgedrückt: mit nicht gedeckten Schulden – müssen dieses Minus jährlich um zehn Prozent tilgen, um an den Wettbewerben teilnehmen zu dürfen. Im Falle von S04 wären das in diesem Kalenderjahr rund 9,7 Millionen Euro! Eine für den klammen Klub gigantische Summe.
Die DFL, die Deutsche Fußball Liga, ist in dem Punkt deutlich gemäßigter. So ist es Auf- und Absteigern erlaubt, im betreffenden Kalenderjahr das negative Eigenkapital gar nicht zu tilgen, es darf jedoch auch nicht ansteigen. Erst in der zweiten Saison nach dem Aufstieg ist Schalke dann auch national verpflichtet, die Miesen um zehn Prozent zu verringern.
Schalke benötigt XXL-Plus
Unter den Bossen wird dieses Thema seit Wochen intern heiß diskutiert. Mit einer klaren Marschroute: Die aktuelle Finanz-Planung für dieses Jahr ist darauf ausgelegt, dass Schalke bei knapp über null Prozent landen wird. Allein die diversen Prämien für den Aufstieg haben eine Einmalzahlung von rund vier Millionen Euro zur Folge. Ein XXL-Plus ist somit kaum mehr zu erwirtschaften.
An den Kaderkosten wollen die Verantwortlichen keinesfalls sparen. Der Vorstand ist sich einig: Jeder verfügbare Euro muss dem sportlichen Bereich zur Verfügung gestellt werden, damit Sport-Boss Frank Baumann (50) und Co. eine Mannschaft zusammenstellen können, die den Klassenerhalt packen kann. Rund 40 Millionen Euro stehen für die Profi-Abteilung zur Verfügung.
Bleiben zwei weitere Hebel. Zum einen Transfererlöse. Weil jedoch in der Regel nie die gesamte Ablöse beim Verein verbleibt (z. B. wegen Berater-Beteiligungen), hat die Chef-Etage errechnet: Um die geforderte Zehn-Prozent-Hürde der Uefa zu überspringen, müsste der Klub in diesem Sommer Spieler für insgesamt rund zwölf Millionen Euro verkaufen. Stürmer Moussa Sylla (26) bleibt ein Verkaufskandidat, für ihn möchte der Bundesliga-Rückkehrer weiterhin sechs Millionen Euro bekommen. Zudem hat sich Mittelfeld-Motor Soufiane El-Faouzi (23) ins Rampenlicht gelaufen. Erste Vereine haben lose bei ihm angeklopft. Die von S04 gewünschte Ablöse von bis zu zehn Millionen Euro schreckt viele Klubs jedoch (noch) ab. Zumal sich der Spieler selbst bestens vorstellen kann, weiterhin Königsblau zu tragen. Dazu passt: El-Faouzi soll seinen bis 2029 gültigen Vertrag zeitnah um ein Jahr bis 2030 verlängern – inklusive Gehaltserhöhung.
Helfen wieder einmal die Fans?
Der zweite Hebel: die Genossenschaft. Fans können Anteile daran erwerben, ohne selbst einen finanziellen Vorteil zu erhalten. Kurzum: Es ist quasi geschenktes Geld. Im vergangenen Frühjahr kaufte die Genossenschaft Anteile am Stadion, das dem Klub gehört. Dafür kassierte der Verein 7,5 Millionen Euro. Nach Abzug von Steuern und Abgaben: knapp über fünf Millionen Euro. Dieses Geld steckt jedoch bereits in den Kalkulationen für den Null-Prozent-Plan. Heißt: Die Fans müssten in den kommenden Monaten weitere Anteile in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro erwerben, damit die Zehn-Prozent-Grenze allein mit diesem Hebel erreicht werden könnte. Ein höchst ambitioniertes Ziel. Auch wenn die Verantwortlichen nun die sogenannte „Geno-Tour“ starten – und bei landesweit 27 Veranstaltungen versuchen wollen, Geld einzutreiben.
Die Europa-Qualifikation wäre sportlich eine Sensation – und finanziell ein riesiges Problem. Schalke ist und bleibt eben einzigartig.