US-Truppenabzug aus Europa
Hegseth kündigt „wichtige Entscheidungen“ an – und droht
31.05.2026 – 13:49 UhrLesedauer: 3 Min.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in Singapur: „Zu lange sind unsere höflichen Bitten auf taube Ohren gestoßen“. (Quelle: Edgar Su)
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1x
Jetzt neu bei t-online:
Schriftgröße anpassen!
Artikel teilen
Der US-Verteidigungsminister wirft Verbündeten erneut vor, nicht genug für die Nato auszugeben. Die USA könnten wohl schon bald Konsequenzen ziehen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den europäischen Verbündeten abermals mit Konsequenzen bei zu niedrigen Verteidigungsausgaben gedroht. „Verbündete, die sich weigern, mehr Verantwortung zu übernehmen und ihren Beitrag zu unserer gemeinsamen Verteidigung zu leisten, werden mit einer deutlichen Änderung unserer Vorgehensweise umgehen müssen“, sagte Hegseth am Samstag beim Shangri-La-Dialog in Singapur. Einem Medienbericht zufolge möchte das Pentagon bereits im Juni Pläne für eine Verringerung der US-Fähigkeiten zur Verteidigung Europas vorlegen.
Newsblog zur US-Politik: Alle Entwicklungen im ÜberblickKonzerte zum 250. Geburtstag der USA: Trump sauer über Absagen von Musikern
„Zu lange sind höfliche Bitten an unsere europäischen Verbündeten, mehr für ihre eigene Verteidigung auszugeben, auf taube Ohren gestoßen“, sagte Hegseth in Singapur. Inzwischen holten die Verbündeten „endlich auf“. Zugleich warf er europäischen Staaten vor, „hohle Rhetorik über eine regelbasierte internationale Ordnung“ gepflegt zu haben, während sie „ihre Grenzen weit geöffnet und ihre Armeen ausgehöhlt“ hätten.
Nato-Staaten erhöhen Verteidigungsausgaben
Insbesondere westeuropäische Staaten forderte der Pentagon-Chef auf, bei unterschiedlichen Interessen auf „Moralpredigten“ zu verzichten. Asiatische Staaten hätten verstanden, dass dauerhafte Partnerschaften nicht auf „idealistischen Werten“, sondern auf konkreten nationalen Interessen beruhten. „Wenn unsere Interessen auseinandergehen, passen wir uns pragmatisch an, ohne Drama und ohne Moralpredigten“, sagte Hegseth. „Ich denke, Westeuropa könnte daraus etwas lernen.“
Die Nato-Mitgliedstaaten hatten im vergangenen Jahr zugesagt, bis 2035 ihre Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen und weitere 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Ausgaben auszugeben. Trotz verstärkter Anstrengungen erklärten viele Staaten jedoch, dass sie dieses Fünf-Prozent-Ziel möglicherweise nicht erreichen können.
Bericht: USA entscheiden bald über Truppenabzüge
Hegseth kündigte „wichtige Entscheidungen“ zur Sicherheit Europas an. „Europa und die Nato haben wichtige Entscheidungen zu treffen, und Sie werden bald mehr erfahren“, sagte er. US-Außenminister Marco Rubio hatte den Europäern zuletzt gesagt, sie müssten lernen, mit weniger US-Soldaten in Europa zu leben. Demnach soll es bald Anpassungen bei den Kräften geben, die im Krisenfall binnen 180 Tagen mobilisiert werden können.
Laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ sollen die Nato-Verbündeten bei der nächsten sogenannten Force-Sourcing-Konferenz im Juni darüber informiert werden, welche militärischen Fähigkeiten die USA künftig nicht mehr oder nur noch eingeschränkt für die Verteidigung Europas bereitstellen wollen. Ein ranghoher Pentagon-Vertreter sagte der Zeitung, Washington wolle den Verbündeten „die nötige Information und Klarheit verschaffen“, um den Übergang zu einer europäischen Verteidigung „so schnell und effektiv wie möglich voranzutreiben“.

