Auswertung
Strom nur in einem EU-Land teurer als in Deutschland
01.06.2026 – 10:07 UhrLesedauer: 3 Min.
Stromstecker und Münzen: Mit einfachen Maßnahmen könnte Strom hierzulande deutlich günstiger sein. (Quelle: imago stock&people/imago)
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Wer in Deutschland Strom nutzt, zahlt deutlich mehr als die meisten EU-Bürger. Eine neue Auswertung zeigt, wie groß der Abstand inzwischen ist.
Deutschland zählt weiterhin zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen in Europa. Nur in Irland zahlen private Haushalte noch mehr für eine Kilowattstunde Strom. Das geht aus den aktuellen Daten der Europäischen Kommission hervor.
Demnach kostet Strom für Haushalte in Deutschland durchschnittlich rund 39 Cent pro Kilowattstunde (kWh) inklusive Steuern und Abgaben. Der Durchschnitt bei den 27 EU-Mitgliedstaaten liegt hingegen bei 29 Cent/kWh. Verbraucher in Deutschland zahlen damit rund ein Drittel mehr als der europäische Durchschnitt.
Für viele Haushalte sind die höheren Kosten deutlich spürbar. Bei einem Jahresverbrauch von 1.500 kWh entstehen im Vergleich zum EU-Durchschnitt zusätzliche Kosten von rund 150 Euro. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 5.000 kWh zahlt demnach rechnerisch sogar etwa 500 Euro mehr pro Jahr.
EU-Ranking
Am günstigsten ist der Strom hingegen in Ungarn, Malta und Bulgarien. Dort kostet die Kilowattstunde Strom nach den EU-Daten lediglich zwischen 11 Cent/kWh und 14 Cent/kWh. Teurer ist es hingegen in Irland: Für eine Kilowattstunde werden hier 40 Cent/kWh fällig.
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Warum ist Strom in Deutschland teuer?
Auf den ersten Blick ist der hohe Energiekosten nicht nachvollziehbar. Schließlich stammt inzwischen mehr als die Hälfte des in Deutschland erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. Der Grund dafür ist die Funktionsweise des europäischen Strommarktes. Der Strompreis richtet sich häufig nach dem teuersten Kraftwerk, das noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken. Reichen Wind- und Solarenergie nicht aus, kommen Gas- oder Kohlekraftwerke zum Einsatz. Deren höhere Erzeugungskosten wirken sich auf den Gesamtpreis aus. Dieser Effekt wird auch Merit-Order-Effekt beziehungsweise -Prinzip genannt.
Dass ein hoher Anteil erneuerbarer Energien nicht automatisch mit hohen Strompreisen einhergeht, ist nicht nur in Deutschland der Fall. Auch in Schweden wird ein Großteil des Strombedarfs mit erneuerbaren Energien gedeckt (zwischen 85 und 88 Prozent erneuerbare Energien). Dennoch beträgt der Strompreis hier durchschnittlich 27 Cent/kWh. Ähnliches gilt für Portugal (66 Prozent erneuerbare Energien) oder Spanien (60 Prozent erneuerbare Energien).
Netzentgelte treiben die Kosten zusätzlich
Anzumerken ist jedoch auch, dass nicht nur Kosten für die Energie den Strompreis (Strombeschaffungskosten) ausmachen. Auch Netzentgelte, Steuern und weitere Abgaben spielen beim hohen preis für Strom eine Rolle. Betrachtet man ausschließlich den Strompreis vor Steuern und Abgaben, fällt Deutschland im europäischen Vergleich einige Plätze zurück.
Nach Angaben des Energieunternehmens 1Komma5° kostet eine Kilowattstunde Strom in Deutschland ohne diese Zusatzkosten rund 26 Cent. Länder wie Irland, Luxemburg, Belgien und die Niederlande liegen dann teilweise vor Deutschland.
Eine Senkung der Stromkosten könnte demnach laut 1Komma5° durch eine Flexibilisierung des Stromsystems erreicht werden. Dazu gehören intelligente Stromzähler (Smart Meter), Batteriespeicher und digitale Steuerungssysteme, die den Stromverbrauch und die Stromerzeugung besser aufeinander abstimmen können. Auch andere Experten plädieren für derartige Maßnahmen. Nicht nur, um den Strompreis zu senken; auch, um das Stromnetz zu stabilisieren.
