
AUDIO: Olympia 13 Uhr (2 Min)
Stand: 01.06.2026 14:20 Uhr
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sieht durch das deutliche Nein der Hamburgerinnen und Hamburger zu den Olympia-Plänen die Arbeit seines rot-grünen Senats nicht beschädigt. Das sagte er am Tag der Entscheidung gegen eine Hamburger Olympiabewerbung.
Er habe sich im Vorfeld des Referendums „sehr unterstützt“ gefühlt, „bei den Zielen, die wir ja mit Olympia verbunden haben“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister am Montag. Beim Olympia-Referendum hatte sich am Sonntag eine Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger gegen eine Bewerbung ihrer Stadt um Olympische und Paralympische Spiele ausgesprochen. Hamburg zieht seine Olympia-Bewerbung deshalb zurück. Das Nein zum Referendum erklärt laut Tschentscher aus tiefer liegenden Befürchtungen, zum Beispiel zu Mietsteigerungen, oder aus einer Skepsis gegenüber Großprojekten.
Sportförderung soll ausgebaut werden
Trotz der Mehrheit gegen Olympische und Paralympische Spiele werde man viele Impulse und Ideen aus dem Bewerbungskonzept weiterverfolgen. Hamburg werde eine Active City bleiben, in der der Sport zu Hause ist, so Tschentscher. Laut Sportsenator Andy Grote (SPD) soll die Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen weiter ausgebaut werden. Auch große Sportveranstaltungen und ein neues Stadion im Volkspark soll es weiter geben.
Unerwarteter Erfolg für Gegner der Olympia-Bewerbung
Für die Gegner der Olympia-Bewerbung war es am Sonntag ein unerwartet deutlicher Erfolg. Um 20.31 Uhr war die Auszählung abgeschlossen. 54,9 Prozent (357.911) der teilnehmenden Wahlberechtigten stimmten gegen eine Kandidatur Hamburgs für die Olympischen Spiele – 45,1 Prozent (293.819) stimmten dafür. Insgesamt nahmen 651.730 Hamburgerinnen und Hamburger an der Abstimmung teil. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,6 Prozent.
Olympia-Referendum: Ergebnis der Auszählung
Das amtliche Endergebnis des Olympia-Referendums soll spätestens am 25. Juni vorliegen.
Bewerbungschef Steffen Rülke sprach davon, dass man im Sport auch in Würde verlieren können müsse. Er wünsche den anderen deutschen Bewerberstädten nun viel Erfolg. Der Deutsche Olympische Sportbund setzt die Bewerbung um Sommerspiele mit Berlin, München und Köln Rhein-Ruhr fort – aber ohne Hamburg.
Sport und Wirtschaft enttäuscht vom Referendums-Ergebnis

Enttäuschte Gesichter bei den Olympia-Volunteers auf der Bühne in der Handelskammer nach den ersten Auszählungen des Referendums in Hamburg.
Für Norbert Aust, Präses der Handelskammer, hängt die Zukunft der Stadt zwar nicht von Olympia ab – Im Wettbewerb um Bundesgelder für wichtige Projekte wie eine neue Köhlbrandtquerung im Hafen oder für die Modernisierung des Hauptbahnhofs, werde es nun aber schwer, sich gegen die künftige deutsche Olympiastadt durchzusetzen.
Studie: Sorge vor hohen Kosten und vielen Baustellen
Eine Studie der Uni Hamburg, die in den vergangenen Wochen Menschen zum Thema Olympia befragt hat, kommt zu dem Schluss, dass viele Menschen den wirtschaftliche Nutzen einer Olympiabewerbung für sich persönlich nicht gesehen haben. Die Sorge vor hohen Kosten, aber auch vor vielen Baustellen und Einbußen bei der Lebensqualität überwog.
Das Argument der Olympia-Befürworter, die immer wieder betont hatten, dass es schlanke Spiele werden sollten und die Stadt viel zusätzliches Geld vom Bund bekommen würde, hat die vielen anfangs noch Unentschlossenen anscheinend nicht überzeugt. Sie haben am Ende mehrheitlich mit Nein abgestimmt.
„NOlympia“: Menschen wollten kein Leuchtturmprojekt
Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative „NOlympia“ sagte, mit dem zweiten Nein habe Hamburg ein Zeichen für Fair Play und Teamgeist bei den Spielregeln der Olympischen Spiele gestimmt. Die Versprechungen des Senats seien zu unglaubwürdig gewesen. Ebenso das Finanzkonzept, bei dem die milliardenschweren Kosten für Sicherheit und den Bau eines Leichtathletikstadions einfach weggelassen worden seien. „Dieses Votum sollte der Hamburger Politik eine Lehre sein: Die Menschen in der Stadt wollen kein weiteres Leuchtturmprojekt“, sagte er.

Waren Ihre Nachbarinnen und Nachbarn für oder gegen eine Olympia-Bewerbung? Sehen Sie hier, wie Ihr Stadtteil abgestimmt hat.
Bereits 2015 scheiterte Olympia-Referendum in Hamburg
Beim Referendum 2015 – damals ging es um eine mögliche Olympia-Bewerbung für 2024 – hatten sich 51,6 Prozent gegen eine Bewerbung um das größte Sportereignis der Welt entschieden. 48,4 Prozent votierten dafür. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 50,2 Prozent.
Video:
NDR Info extra: Olympia-Entscheidung in Hamburg (10 Min)
DOSB entscheidet im September
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September, mit welcher Stadt oder Region er in das internationale Rennen zieht. Die verbliebenen Bewerber sind München, die Rhein-Ruhr-Region und Berlin. Beim Bürgerentscheid von Hamburgs Partner Kiel hatten am 19. April 63,5 Prozent dafür gestimmt, dass sich die Stadt als Segelstandort empfiehlt. Kiel muss nun hoffen, auch bei den anderen Bewerbern zum Zuge zu kommen.

Das hätten die Abstimmungen etwa in München und NRW im Gegensatz zu Hamburg gezeigt, sagt Otto Fricke vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Eine Mehrheit sich am Sonntag gegen eine Bewerbung Hamburgs für die Olympischen Spiele ausgesprochen. Die Stadt wäre ein fantastischer Gastgeber gewesen, findet Lars Pegelow.

Am 31. Mai hat sich beim Olympia-Referendum in Hamburg eine Mehrheit gegen Olympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 in der Hansestadt ausgesprochen.

Hamburg hat sich in einem Referendum gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele entschieden. Wie Regierung und Opposition die Entscheidung bewerten.

Die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt haben abgestimmt und sich gegen Olympia entschieden. Ergebnisse, Stimmen, Videos und Einschätzungen zum Referendum im Blog zum Nachlesen.