Die iranischen Revolutionsgarden haben in Reaktion auf die Tötung von Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei nach eigenen Angaben massive Vergeltungsschläge gegen Dutzende Stellungen der USA und des Erzfeindes Israel durchgeführt. Es seien 27 US-Stützpunkte in der Region sowie Israels Armeehauptquartier und ein Rüstungskomplex in Tel Aviv ins Visier genommen worden, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, ein Sprachrohr von Irans Elitestreitmacht.
Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. In Israel gab es in den frühen Morgenstunden wiederholt Raketenalarm. Die Luftwaffe ist nach Armeeangaben im Einsatz, um die Bedrohung abzuwehren. Auch in Dubai waren in der Früh laute Explosionen zu hören.
Zuvor hatte Israel eine Welle von Angriffen geflogen, etwa gegen ein wichtiges Militärdepot für ballistische Raketen. An dem Raketenabschussstandort in der Region Qom im Zentrum des Irans seien ballistische Raketen vom Typ Ghadr H-1 mit Hunderten Kilogramm Sprengstoff gelagert worden, hieß es. Der Angriff habe die wichtigsten Offensivfähigkeiten der iranischen Staatsführung „erheblich geschwächt“.
US-Präsident Donald Trump warnte den Iran vor einer harten Reaktion. „Wenn sie das machen, werden wir sie härter treffen als jemals zuvor“, sagte er in der Nacht auf Sonntag (Ortszeit). „Sie sollten das lieber nicht tun.“
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete die Angriffe seines Landes gegen den Iran als „tödlichsten, komplexesten und präzisesten Lufteinsatz der Geschichte“. Als Kriegsziel gab Hegseth die Zerstörung des Raketenprogramms sowie der Marine des Iran an. Auch werde das Land nie eine Atomwaffe besitzen. „Die Vereinigten Staaten haben diesen Konflikt nicht begonnen, aber wir werden ihn beenden.“
Die Auswirkungen der ersten Angriffswellen des Iran auf Israel und US-Verbündete waren dortigen Medienberichten zufolge überschaubar. In Israel wurden mehrere Häuser durch Einschläge oder Trümmerteile beschädigt. Eine Frau starb, mindestens 21 Menschen wurden verletzt.
Der Iran griff zudem Ziele in Saudi-Arabien – etwa den US-Stützpunkt Prinz Sultan – sowie in Bahrain, Dubai und Abu Dhabi an. Die Emirate konnten eigenen Angaben zufolge 132 ballistische Raketen und 195 Drohnen abwehren. Getroffen wurde der internationale Flughafen von Abu Dhabi. Laut dem Flughafenbetreiber wurde ein Mensch getötet und sieben weitere wurden verletzt. Die Mitteilung wurde auf der Plattform X jedoch später gelöscht. In Dubai wurden nach Angaben des Medienbüros der Stadt vier Menschen am internationalen Flughafen verletzt. Eine Halle habe leichte Schäden erlitten. Die meisten Terminals des Flughafens, der zu den wichtigsten Knotenpunkten für Flugreisende im Nahen Osten zählt, seien vorab aber bereits geräumt worden. Zudem wurden dort das bekannte Hotel Burj Al Arab und der Hafen Jabal Ali in Mitleidenschaft gezogen. Es kam jeweils zu Bränden durch herabstürzende Trümmerteile.
Sachschaden entstand auch bei einem Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen in Bahrain. Es gebe aufgrund des Angriffs auf den Flughafen nahe der Hauptstadt Manama keine Todesopfer, erklärte das Innenministerium auf der Plattform X. Das Gelände werde gesichert. Das Ministerium nannte zunächst keine weiteren Details. Bahrain ist unter anderem der Hauptsitz der US-Marine im Nahen Osten. Dort ist die sogenannte Fünfte Flotte der Marine beheimatet.
Mehrere arabische Länder verurteilten die iranischen Gegenschläge scharf. „Wir machen die iranische Regierung für diese Angriffe voll verantwortlich und weisen jegliche Rechtfertigungen oder Erklärungen für dieses feindselige Verhalten zurück“, sagte Bahrains UNO-Botschafter Jamal Fares Al Rowaiei, der während einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrates in New York eine Erklärung stellvertretend für die Länder des Golfkooperationsrates sowie Syrien und Jordanien verlas.
Der iranische UNO-Botschafter Amir Saeid Iravani erhob bei der Sitzung des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen schwere Vorwürfe gegen die USA. Durch die Angriffe seien „hunderte“ von Zivilisten getötet oder verletzt worden. Konkret seien auch „mehr als 100 Kinder bei einem Angriff auf eine Schule getötet“ worden. Teheran agiere in Reaktion auf die Angriffe in legitimer Selbstverteidigung. Alle Stützpunkte der feindlichen Kräfte in der Region seien dabei „legitime militärische Ziele“.
Der UNO-Botschafter der USA, Mike Waltz, berief sich in der Sitzung ebenfalls auf Artikel 51 der UNO-Charta, das Ländern ein Selbstverteidigungsrecht zubilligt. Waltz argumentierte, „das Regime im Iran“ sei verantwortlich für eine Reihe bewaffneter Angriffe auf die Vereinigten Staaten und Israel, Verstöße gegen die UN-Charta sowie Bedrohungen des internationalen Friedens und der Sicherheit im Nahen Osten. „Es hat sogar versucht, Präsident (Donald) Trump zu ermorden“, behauptete er. Das US-Justizministerium hatte dem Iran im November 2024 vorgeworfen, eine Ermordung Trumps geplant zu haben. Der Iran wies das damals vehement zurück.