„Mit einer Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren könnten
die Franzosen Fußball-Europa über Jahre beherrschen“, schrieb BILD.
Möglich. Und das hätte Folgen.
Diese Transfer-Strategie macht Paris zur Nummer eins in Europa
Nüchtern betrachtet fehlt den Klubs aus der französischen Ligue 1 nur
noch ein Titel, um in der „Königsklasse“ mit der Bundesliga gleichzuziehen.
Einmal der BVB (1997), drei Mal der FC Bayern München (2001, 2013, 2020),
das ist unter dem Strich dann doch die zweitschlechteste Titel-Ausbeute einer
Top-5-Liga seit der Novellierung des Wettbewerbs im Jahr 1992.
Der Premieren-Sieger kam aus Frankreich: Olympique Marseille triumphierte
1993 in München mit 1:0 gegen den AC Milan. Damals gehörte Paris allenfalls zum
erweiterten Kreis der Spitzenteams in Europa. 1996 gewann PSG den Europapokal
der Cupsieger (1:0 gegen Rapid Wien in Brüssel).
Der einflussreiche Geschäftsmann Bernard Tapie († 2021) konnte mit Marseille international keine
Ära prägen.
Erst der Einstieg der Qatar Sports Investment Group im Jahr 2011
sorgte in Frankreich für eine Zeitenwende.
Wahnwitzige Transfers – Aber kein Champions-League-Titel…
Die neuen Eigentümer aus Katar hatten einen Masterplan – den Gewinn der
Champions League für Paris – und sie pumpten Unsummen in den Transfermarkt.
200 Milliarden Euro flossen ab 2011 in den PSG-Kader, wahnwitzige
Transfers wurden vollzogen.
Der Wechsel von Neymar vom FC Barcelona für 222 Mio. Euro (2017) ist bis
heute Transfer-Weltrekord für einen Fußballspieler.
Ebenfalls im dreistelligen Millionenbereich war 2018 (nach einem Jahr
Leihe) der Transfer von Weltmeister Kylian Mbappé (27) von der AS Monaco – 180 Millionen
Euro.
Lionel Messi schloss sich Paris Saint-Germain ablösefrei an, der
schwedische Exzentriker Zlatan Ibrahimovic ließ sich für 21 Mio. Euro vom AC
Mailand anwerben.
Diese Stars brachten Glamour, dauerhafte Medienpräsenz, nicht nur in
Frankreich mit, aber etwas brachten sie nicht: Den „Henkelpott“.
2020 wurde Paris noch im Finale von Lissabon vom FC Bayern vom
Gipfelsturm abgehalten.
Danach war zwei Mal (2023 und 2024) im Achtelfinale
Schluss.
„Geld alleine war zu wenig. Das mussten auch die Kataris einsehen – und
gingen einen neuen Weg“, schrieb die Wiener Kronen-Zeitung am Sonntag
aus Budapest, „sie setzen auf Kontiunität statt Shopping-Wahn und ein homogenes
Teamgefüge, in dem nicht der Einzelne, sondern die Mannschaft im Vordergrund
steht.“
Ein Spieler, der den Mannschaftsgedanken verinnerlicht hat wie kein
anderer, ist Khvicha Kvaratskhelia. „Kvaradona“, mit 80 Millionen Euro, die man
an den SSC Neapel zahlte, der viertteuerste PSG-Einkauf aller Zeiten, läuft und
ackert für Zwei, stellt sich immer in den Dienst des Teams.
„Großartig für den französischen Fußball“
Letztlich war es auch die Kontinuität auf dem Trainerposten. Luis Enrique
(56) wackelte nach dem Halbfinal-Aus 2024 gegen den BVB (0:1 / 0:1), blieb aber
im Amt und verteidigte nun als erster Coach nach dem legendären Zinedine Zidane
(Real Madrid) den Champions-League-Titel.
„Was Enrique geschafft hat, ist herausragend – und großartig für den
französischen Fußball“, sagte Frankreich-Idol Thierry Henry (48) bei Paramount +
über Luis Enrique.
Die Kontinuität bei PSG brachte zwei von drei CL-Trophäen für Frankreich.
Sie spiegelt sich in den beiden Mannschaftsfotos der Pariser vor den
Finals 2025 in München (5:0 gegen Inter Mailand) und nun in Budapest wider: Mit
Ausnahme des zu Manchester City transferierten Torhüters Gianluigi Donnarumma
bot Enrique die gleiche Startelf auf.
Das gab es zuvor nur bei Real Madrid bei den Titelverteidigungen 2017 und
2018.