Bild: Plakat „James Bond jagt Dr. No“ (1962); Quelle: Amazon / Eon
Seit nunmehr fast 65 Jahren bevölkern sie die Kino-Leinwand, prägen Outfits und Frauenrollen gleichermaßen: Bond-Girls.
Am 27. Mai veröffentlicht IO Interactive den neuen James Bond- Spiele-Titel „007 First Light“ mit dem neuem Bonddarsteller Patrick Gibson (in digitaler Form). Als Bond-Girls dabei ist diesmal u.a. Gemma Chan („The Creator“, „Crazy Rich“) als Dr. Selina Tan.
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The Women from B.I.K.I.N.I.
Unter dem Namen Honey Rider bildete Ursula Andress 1962 das erste Bond-Girl. Mit ihrem Auftritt am Strand prägte sie den Bikini. Dabei half sie dem Kleidungsstück in seinem 16jährigem Bestehen endgültig zur popkulturellen Größe. In der Buchversion von 1958 ist sie eigentlich nackt und hat eine gebrochene, schiefe Nase.
In der Frühzeit der Bond-Girls waren jene Begleiterinnen wie Tatiana Romanova (Daniela Bianchi) aus „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) und Aki (Akiko Wakabayashi) aus „Man lebt nur zweimal“ (1967) oft passiver Natur. Dabei muss erwähnt werden, dass „Liebesgrüße aus Moskau“ seinerseits in einer geschnittenen Version in den Kinos veröffentlicht wurde. Jene Fassung ist bis heute die einzige, die es zu erwerben gibt. Einige Dialoge hatte man, dem Anstand halber, gekürzt und stark sexualisierte Szenen herausgenommen. Es handelt sich hierbei um 3-5 Minuten, welche als zu spicy gesehen wurden. Die Szenen betreffen vor allem Tatiana Romanova, die in ihrer Sexualität in der ungeschnittenen Version Ursula Andress übertroffen hätte. Bezüglich der ersten Hälfte der 1960er Jahre hätte dies eine recht progressive Frauendarstellung bedeutet.
Bond-Girls in den Swinging Sixties waren aber auch nicht selten recht aktiv. Das hatte aber nur ungefähr etwas mit der Bond-Reihe zu tun. Die Rede ist von den beiden „Mit Schirm, Scharm und Melone“- Darstellerinnen Honor Blackman (Pussy Galore, „Goldfinger“) und Diana Rigg (Tracy Draco, „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“). Ihre Verkörperung der beiden Rollen ging von jener britischen TV-Show aus. Ohne das Original „Mit Schirm, Scharm und Melone“ (1961-1969) wären viele der Bond-Girls passiv geblieben – wenn sie nicht gerade auf der bösen Seite agierten.
Gemeinsam haben all diese Charaktere gemeinsam, dass sie, im Nachklang der Einführung der Pille, als Resultat einer sexuellen Befreiung standen.
Im Buch ist Honey Rider eigentlich nackt, bei ihrem ersten Treffen mit James Bond. Wo bleibt da die Liebe zur Vorlage?; Bild: „James Bond jagt Dr. No“ (1962)
Wer sexualisiert hier eigentlich wen?
In den 1970er Jahren – nach dem Kinobesucher-Einbruch von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969) – versuchten die Produzenten ihre Reihe am Leben zu erhalten. Das Team um Albert R. Broccoli fokussierten sich fester auf einige Kernaspekte der Reihe. Einer der Hauptpunkte betraf die inhaltliche Sexualität des Franchise. Bond selber erfuhr eine charakterlich sexualisierte Stärkung. Damit fungiert er in den damaligen Geschichten von den Charakterzügen als das komplettes Gegenteil zu den Frauenfiguren.
Tatsächlich wurden in jenen Tagen viele Männerfiguren in diesem Punkt ebenso (über)sexualisiert: unbekümmert, knallhart und in ihrem Streben dem nächsten Koitus entgegen. Sogar Clint Eastwood hat in „Magnum Force“ (1973) – dem zweiten Teil der „Dirty Harry“- Reihe – ein Sexleben mit seiner Nachbarin. Harry Callahan ist als bekennender Misanthrop und Einzelgänger dafür im eigentlichen Sinne weniger bekannt. Dieses Element kam auch nirgends sonst in der fünfteiligen Filmreihe wieder vor. Ähnlich erging es dem Eastwood-Charakter Jonathan Hemlock in „Im Auftrag des Drachen“ (1975).
Auf der anderen Seite des geschlechtsbezogenem Spektrums hatte die ersten drei Bond-Filmen in den frühen 1970er Jahren „Diamantenfieber“ (1971), „Leben und sterben lassen“ (1973) und „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (1974) unter der Regie von Guy Hamilton außerordentliche unbeholfene Agentinnen zu bieten.
Bond war seines Zeichen schon immer ein durch und durch unmoralischer und zerstörerischer Typus, der mehr aus Freude tötet als aus dienstlichem Ernst. Mit der Degradierung der Frauenfiguren stand Bond also noch männlicher da als sonst. In den Unweiten des Internets (und einigen politischen Szenen) wird auch heute noch sexuelle Degradierung der Frau als Steigerung von Männlichkeit gesehen. Ging damals bei der 007- Reihe nur so mittel gut aus: „Der Mann mit dem golden Colt“ war am Ende einer der weniger erfolgreichen Bond-Filme seiner Zeit.
„Vorher hätte ich dich bestimmt nicht getötet.“ Kein Wunder, dass sich Roger Moore später von seiner Rolle distanziert hat; Bild: „James Bond 007 – Leben und sterben lassen“ mit Roger Moore und Gloria Hendry
Die ersten beiden Filme von Guy Hamilton „Diamantenfieber“ und „Leben und sterben lassen“ hatten so schwache Frauenfiguren, dass wahrscheinlich Kritik geäußert wurde. In einem halbgaren Versuch auf der Metaebene zu wirken, ließ man in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ zwei echte Karate-Weltmeisterinnen agieren. Damit sollte klar gemacht werden, dass der Inhalt der Filme und ihrer Darstellung von Mann und Frau nicht so ernst genommen werden sollte. Roger Moore selbst betont in seinen Audiokommentaren stets, dass er sich von Bonds Verhaltensweise gegenüber Frauen in seinen Tagen ausgesprochen distanzierte.
„Der Mann mit dem goldenen Colt“ hatte noch weitere Meta-Referenzen. So bezeichnet sich Bond (Roger Moore), in Verkleidung als Bösewicht Scaramanga (Christopher Lee), als »weltbekannt«. Für einen Geheimagenten ein sehr unvorteilhaftes Attribut.
Jenes Spiel mit der Metaebene konnte 1977 in „Der Spion, der mich liebte“ mit Barbara Bach als Triple-X besser ausgebaut werden. Bachs Charakter verblieb am Ende allerdings immer noch ein klassisches Bond-Girl, dass im Abendkleid von 007 gerettet werden musste. Beginnend mit Holly Goodhead (Lois Chiles) im nachfolgenden „Moonraker“ (1979) ent-sexualisierte man die Bond-Girls mit der Zeit und baute sie immer aktiver in die Handlung ein. Bis hin zu Pam Bouvier (Carey Lowell), der Armee-Pilotin aus „Lizenz zum Töten“ (1989), die, noch vor der Prosnan-Ära, sehr eigenmächtig agierte.
Ist Stärke gleich physische Stärke?
Bald schon traten aktive wie passive Bond-Girls abwechselnd in den Filmen auf. Paris Carver (Teri Hatcher) und Elektra King (Sophie Marceau) standen Wai Lin (Michelle Yeoh) und Jacintha „Jinx“ Johnson (Halle Berry) gegenüber.
Mit der Daniel Craig- Phase seit 2006 wurden die Filme bodenständiger. Die Überfrauen verschwanden. Aber ist die weibliche Stärke damit wirklich weg? Nicht wirklich. Eine starke Figur muss nicht unbedingt eine physische Stärke besitzen. Im vergangen Jahrhundert, in den vergangenen Dekaden maß man Stärke überwiegend an männlichen Attributen: Kampf, Durchhaltevermögen, Leistung. Vesper Lynd (Eva Green) braucht diese Eigenschaften nicht, um einen kompetenten und stützenden Charakter darzustellen. Ihre Stärken liegen mehr auf der sozialen oder auch organisatorischen Ebene, gibt vor, wie Bond sich zu Präsentieren hat und spielt erfolgreich ein doppeltes Spiel.
Vesper Lynd (Eva Green) dürfte eines der wenigen Bond-Girls sein, die zum Zeitpunkt der eintretenden Handlung mehr weiß als der Main-Charakter James Bond (Daniel Craig); Bild: Promo-Aufnahme zu „Casino Royal“ (2006)
Wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment
James Bond ist überzeugter Single, seine Funktion als mobile Waffe des Geheimdienstes auslebend. Im Normalfall sind die weiblichen Figuren von Film zu Film austauschbar. Dieser Punkt war in der Vergangenheit jedoch nicht immer so. Bereits Maude Adams trat zweimal im Bond-Franchise auf; einmal in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ und neun Jahre später in „Octopussy“ – natürlich nicht in derselben Rolle.
Letztendlich war es Léa Seydoux, die ihre Rolle in zwei Bond-Filmen verkörpert. Madeleine Swann aus „Spectre“ (2015) und „Keine Zeit zum Sterben“ (2021) ist es auch, mit der Bond letztendlich eine kleine Familie hat. Ein Element, welches bereits „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ auftrat. Da heiratete James Bond Tracy Draco. Die Scheidung geschieht mit ihrem raschen Tod. Auch in „Keine Zeit zum Sterben“ hält die Beziehung der zwei Hauptfiguren nicht lange an. Diesmal gibt allerdings der Agent selbst. In beiden Fällen lässt das Festigen einer menschlichen Beziehung den überzeugten Junggesellen abtreten bzw. die Beziehung auflösen.
Wer überlebt zwei Bond-Filme, stirbt aber nach einem halben „Mission Impossible“- Titel? Richtig: Léa Seydoux; Bild: „Keine Zeit zum Sterben“ (2021)
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