Epstein fahndete in Europa
„Manchmal fange ich schnell etwas“
02.06.2026 – 12:23 UhrLesedauer: 4 Min.
Dokumente mit geschwärzten Passagen zum Fall Epstein (Archivbild): Auch Daniel Siad taucht in den Unterlagen auf. (Quelle: Jon Elswick/AP/dpa/dpa-bilder)
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Der Fall Epstein beschäftigt weiter die Justiz, auch in Europa. Recherchen von WDR, NDR und der „Süddeutschen Zeitung“ zeigen nun, wie der Straftäter weltweit Frauen suchte.
Die Nachricht ist kurz. „Manchmal fange ich schnell etwas, manchmal keinen Fisch“, lautete die Meldung von Daniel Siad, einem Model-Agenten. Doch geht es hier nicht ums Angeln. Es geht um eine Nachricht an Jeffrey Epstein und die weltweite Suche nach Frauen für den Missbrauchsring des verurteilten Sexualstraftäters.
Recherchen der Sender WDR, NDR sowie der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) zeigen, wie Epstein nach geeigneten Frauen fahnden ließ. Vor allem im Osten Europas. Unter dem falschen Versprechen einer Model-Karriere wurden die Frauen in die USA gelockt und gerieten in Epsteins Fänge.
Als „Meister der Manipulation“ wird Epstein durch den New Yorker Anwalt Arick Fudali beschrieben. Der Jurist vertritt mehrere Opfer des Sexualstraftäters. Epstein starb 2019 in US-Haft. Sein Missbrauchsring beschäftigt jedoch weiterhin die Justiz und die politischen Debatten – nicht allein in den USA.
Falsche Versprechungen für die Opfer
Die junge Frau nennt sich gegenüber WDR, NDR und „SZ“ nur Mara L., ein Pseudonym. Die Frau beschreibt sich selbst als Einser-Schülerin. „Ich habe mich dann für ein Wirtschaftsstudium entschieden und wollte Karriere im Finanzsektor machen. Vor allem, weil mir finanzielle Sicherheit wichtig war – und ein freies Leben“, erzählt sie.
Als Mara L. vor rund zehn Jahren ein Auslandssemester in Spanien absolviert, ist sie Anfang 20. In einem Schönheitssalon wird sie von einem Mann angesprochen: Daniel Siad. Der Schwede mit französisch-algerischen Wurzeln gibt sich als Modelscout aus und verspricht ihr eine Karriere. „Als ich das hörte, war ich natürlich total begeistert, denn ich wollte schon immer Model werden“, erinnert sie sich.
Es folgt ein Abendessen mit Siad und der Verweis auf einen Mann in den USA, der die Model-Karriere voranbringen könne. Bald sei es zu einem ersten Skype-Gespräch mit Epstein gekommen. Der habe bald auch nach Nacktfotos gefragt. Mara L. kommt dem nach. Widerwillig.
„Eine Frau wie ich kann dann leicht Liebe mit Missbrauch verwechseln“, so Mara L. in Gesprächen mit dem Rechercheverbund. Sie gerät in ein Abhängigkeitsverhältnis. Epstein lädt sie in die USA ein. Schon beim ersten Treffen wird sie vergewaltigt. Erst nach zwei Jahren kann sie sich aus dem Missbrauchsverhältnis befreien. Sie habe lange gedacht, dass Unterwerfung nur unter Androhung von Gewalt passieren könne, so Mara L. im Rückblick.

