
Die Zukunft? Bisher wurde das Nasenspray lediglich an Mäusen getestet.
(Bild: AJR_photo, shutterstock)
Wissenschaftler aus Texas haben ein Nasenspray entwickelt, das in Tierversuchen altersbedingte Inflammation rückgängig machte und das Gedächtnis verbesserte.
Forscher der Texas A&M University haben in Tierversuchen gezeigt, dass sich altersbedingte Entzündungen im Gehirn möglicherweise umkehren lassen.
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Die Wissenschaftler entwickelten ein Nasenspray, das nach nur zwei Anwendungen Entzündungen im Gehirn deutlich reduzierte, die Funktion der Nervenzellen wiederherstellte und das Gedächtnis verbesserte. Die Wirkung hielt über Monate an.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Journal of Extracellular Vesicles veröffentlicht.
Der Preis des Alterns
Im Zentrum der Forschung steht ein Prozess namens „Neuroinflammation„. Dabei handelt es sich um eine schleichende Entzündung tief im Gedächtniszentrum des Gehirns, die über Jahre hinweg schwelt. Diese chronische Entzündung erschwert das Denken, die Bildung neuer Erinnerungen und die Anpassung an neue Umgebungen. Gleichzeitig erhöht sie das Risiko für Erkrankungen wie Alzheimer.
Bisher galt Neuroinflammation als unvermeidlicher Prozess beim Älterwerden.
Nun konnten die Wissenschaftler zumindest bei Mäusen zeigen, dass die Alterung des Gehirns umgekehrt werden kann. Sollten diese Ergebnisse auf Menschen übertragbar sein, könnte ein derartiges Medikament helfen, geistig fitter zu bleiben und weniger unter dem altersbedingten Abbau der kognitiven Fähigkeiten zu leiden.
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Winzige „Pakete“ durchqueren die Blut-Hirn-Schranke
Das Herzstück der Therapie sind Millionen mikroskopisch kleiner biologischer Pakete, sogenannte extrazelluläre Vesikel. Diese wirken wie winzige Lieferfahrzeuge, die eine genetische Fracht transportieren: microRNAs.
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MicroRNAs sind Genpakete, die viele Gen- und Signalwege im Gehirn modulieren und regulieren. Sie dürfen allerdings nicht mit mitichondrialer RNA oder gar mit der durch die Covid-19-Impfungen bekannt gewordenen messenger-RNA verwechselt werden.
Verpackt in ein Nasenspray, umgehen diese winzigen Vesikel die natürliche Schutzbarriere des Gehirns (Blut-Hirn-Schranke) und gelangen so direkt ins Hirngewebe, wo sie aufgenommen werden.
Sobald die Vesikel von den körpereigenen Immunzellen des Gehirns aufgenommen werden, unterdrücken die microRNAs dann Eiweiße wie das NLRP3-Inflammasom und Signalwege wie das sogenannte cGAS-STING. Beide sind dafür bekannt, chronische Entzündungen in alternden Gehirnen anzutreiben.
Kraftwerke der Zellen werden wieder aufgeladen
Als positive Nebenwirkung luden die micro-RNAs zudem gleich die Mitochondrien der Nervenzellen wieder auf. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke, die in fast allen unseren Zellen leben und ihnen Energie bereitstellen.
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Durch das „Wiederaufladen“ der Mitochondrien verbesserte die Therapie die Fähigkeit des Gehirns, Informationen zu verarbeiten und zu speichern.
Verhaltenstests mit den Mäusen bestätigten die biologischen Befunde. Sie zeigten deutliche Verbesserungen nicht nur beim Wiedererkennen vertrauter Objekte, sondern auch beim Erkennen neuer Objekte und Veränderungen in ihrer Umgebung.
Die Forscher fanden auch heraus, dass die Behandlung bei beiden Geschlechtern gleich gut funktioniert. Dies sei in der biomedizinischen Forschung ein eher seltenes Ergebnis, so die Forscher.
1,8 Millionen Betroffene allein in Deutschland
Heute sind 1,8 Millionen meist ältere Menschen in Deutschland von Demenz betroffen. Hochbetagte Menschen (älter als 80 Jahre) erkranken derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 32 Prozent an Demenz.
Allerdings wären nach Angaben des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) über ein Drittel der Demenzerkrankungen in Deutschland vermeidbar. Am stärksten wirken nach Erkenntnissen der DZNE Depressionen, Schwerhörigkeit, ein niedriges Bildungsniveau, Übergewicht und Diabetes die Gefahr einer Demenz.
Einige dieser Faktoren lassen sich durch individuelles Verhalten beeinflussen. Für andere spielen medizinische Versorgung und soziale Rahmenbedingungen eine Rolle, etwa der Zugang zu Bildung, psychischer Gesundheitsversorgung oder Hörhilfen. Der Blick auf neue Therapien verstellt dabei nur allzu oft die mindestens ebenso nötigen, sozial- und bildungspolitischen Voraussetzungen solider öffentlicher Gesundheit.
Patent angemeldet, weitere Forschung nötig
Obwohl weitere Forschung erforderlich ist, haben Ashok Shetty und sein Team bereits ein US-Patent für die Therapie angemeldet. „Wir versuchen nicht nur, die biologischen Mechanismen zu verstehen, sondern übersetzen und entwickeln unsere Erkenntnisse in reale Therapien, die einen Unterschied machen könnten“, sagte Shetty.
Eines Tages könnten diese oder ähnliche Behandlungen Patienten mit Schlaganfall helfen, verlorene Gehirnfunktionen wieder aufzubauen, oder die Auswirkungen der kognitiven Alterung beim Menschen verlangsamen oder sogar umkehren.
„Unser Ansatz definiert neu, was es bedeutet, alt zu werden“, betont Shetty. „Wir streben ein erfolgreiches Altern des Gehirns an: Menschen engagiert, wachsam und verbunden zu halten. Nicht nur länger zu leben, sondern klüger und gesünder zu leben.“
Die Forschung wurde vom National Institute on Aging der USA unterstützt. Bevor die Behandlung am Menschen getestet werden könnte, sind jedoch noch zusätzliche Untersuchungen erforderlich. Dennoch: Die Alterung des Gehirns ist möglicherweise kein unvermeidlicher Teil des Älterwerdens.