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Düsseldorf – Er hat keinen Orden bekommen. Aber Martin Armknecht (64) schickt seinem alten Freund Georg Uecker (63) einen dicken Glückwunsch-Knutscher via BILD und erinnert sich die Folgen ihres berühmten Kusses in der „Lindenstraße“. Der Schauspieler bekam danach Morddrohungen und eine „Hetero-Klausel“ in den Vertrag geschrieben. „Für die Beliebtheit auf dem Bildschirm half die nur bedingt. Ich hatte dann eine Serienfreundin und war ein bisexueller Drogendealer. Da wird man auch nicht automatisch zum Liebling des Publikums.“ Er schmunzelt: „Aber bei Frauen kam der Bösewicht ganz gut an.“

Verdienstorden für seinen Kuss-PartnerEin Kuss, der viele Zuschauer damals aufregte. Martin Armknecht (damals 28) knutscht Georg Uecker (damals 27). „Wir haben viel erreicht. Heute ist es zum Glück doch völlig normal, dass es homosexuelle Paare in Serien gibt.“

Ein Kuss, der für Aufregung sorgte. Martin Armknecht (damals 28, l.) knutscht Georg Uecker (damals 27). Armknecht: „Heute ist es zum Glück völlig normal, dass es homosexuelle Paare in Serien gibt.“

36 Jahre später hat Georg Uecker den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) aus den Händen von Ministerpräsident Hendrik Wüst (50, CDU) bekommen und freut sich: „Die Auszeichnung ist parteiunabhängig und ich freue mich, dass ich bei der Verleihung in guter Gesellschaft bin, mit vielen anderen Menschen, die sich für die queere Gemeinschaft engagiert haben.“

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Zu diesem öffentlichen Engagement gehört eben auch der berühmte Kuss. Und zum Küssen gehören ja bekanntlich immer zwei. Armknecht hieß als Ueckers Serienpartner in seiner Rolle (letzter Auftritt 2017) Robert Engel. Und er war ein Teufel, benutzte den armen Carsten Flöter (Uecker) und trieb sein Unwesen in Deutschlands einst beliebtester TV-Siedlung (1985 bis 2020). In der „Lindenstraße“-Folge 224 vom 18. März 1990 sorgten die beiden zusammen für großen Aufschrei und damals noch eher verhaltenen öffentlichen Jubel.

Was blieb vom berühmten Kuss?

Was blieb vom schwulen Kuss in der Kult-Serie (bis zu 15 Millionen Zuschauer)? Armknecht zieht Bilanz bei BILD: „Mir begegnen seit 30 Jahren immer wieder auch prominente Männer, die sagen, dass sie meinetwegen ihr Coming-out hatten.“

Martin Armknecht (2.v.l.) war auch im Kino erfolgreich. 1991 trat er u.a. an der Seite von Til Schweiger (2., v.r., damals 28) im Hit „Manta Manta“ auf

Martin Armknecht (2.v.l.) war auch im Kino erfolgreich. 1991 trat er u.a. an der Seite von Til Schweiger (2. v. r., damals 28) im Hit „Manta Manta“ auf

Foto: HIPP-FOTO

Und weiter: „Ich hatte mir damals vorgenommen, Robert Engel, der ja erst homosexuell, dann nach Drehbuch- und Vertragsänderung mit der Hetero-Klausel bisexuell war, einfach als – in Anführungszeichen – normalen Menschen zu spielen.“ Keine überzeichneten Klischees! „Die Klausel wurde damals wirklich so ins Papier geschrieben.“

Im Theater ist Martin Armknecht u.a. mit Annette Frier und Isabel Varell zu sehen. Er gibt Lesungen und hat demnächst einen Auftritt in der abschließenden Staffel von „Babylon Berlin“

Im Theater ist Martin Armknecht u.a. mit Annette Frier und Isabel Varell zu sehen. Er gibt Lesungen und hat demnächst einen Auftritt in der abschließenden Staffel von „Babylon Berlin“

Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

Armknecht (privat zweimal geschieden, eine Tochter) weiter: „Das ist genau, was die Männer mir erzählen. Die haben dann ihren Eltern gesagt: ,Guck mal, Mama, ich bin so wie der.’ Dann hätten die Eltern erwidert: „Der ist doch völlig normal.“ Und es hieß: „Ja, genau. Ich bin eben normal, aber schwul. Und das hat wohl für viele Männer ganz viel gebracht, dass sie eben dadurch ihr wirkliches Ich leben konnten.“

Martin Armknecht spielt bis heute erfolgreich Theater (u. a. demnächst in Köln mit seiner engen Freundin Isabel Varell, 64) und ist demnächst in der finalen Staffel von „Babylon Berlin“ zu sehen.