Wie LG und Samsung Geld verdienenBildquelle: Auerbach Verlag, LG, Samsung, KI-generiert

Die globale Marktsättigung durch Consumer-Hardwaregeräte wie Smartphones und Fernseher erreicht ihren Höhepunkt, die Wachstumssteigerungen fallen immer geringer aus und die Produktionskosten für Hardwarekomponenten steigen. Was also tun?

Wer als Endkonsument einen Fernseher, eine Waschmaschine, eine Mikrowelle oder eine Kaffeemaschine erwirbt und diese weder vernetzt noch ans Internet anbindet, der verhindert, dass Smart-Home-Gerätehersteller das Kapital der Zukunft erwirtschaften: Nutzungsdauer, Online-Daten und maßgeschneiderte Werbung sind die Währungen der Stunde. 

Selbst für klassische Consumer-Electronics-Marken stehen Softwarelösungen immer stärker im Mittelpunkt, um kontinuierlich Umsätze zu erwirtschaften. Verdient ein Hersteller am Hardwareverkauf nur einmalig, lassen sich durch Softwareanwendungen und Werbepartner dauerhafte Einnahmen erzielen. 

Hersteller wie Apple dienen als Vorbild: Ein Hardwaregerät von Apple dient als Einstieg in das Apple-Software-Ökosystem. Anbieter wie Microsoft (Windows), Google (Android) oder Amazon zeigen zudem, dass sich durch eine dominante Stellung im AI-Softwarebereich kontinuierliche Gewinne erwirtschaften lassen, frei von den Zwängen des Consumer-Hardware-Marktes. 

FAST-Channels: Goldgrube im Wohnzimmer

Samsung TV PlusBildquelle: Samsung

Von den Erfolgen der Softwaregiganten inspiriert setzen etablierte Consumer-Electronic-Hersteller wie LG und Samsung auf eine weitreichende Transformation der eigenen Geschäftsbereiche.

Geräte mit den Softwareplattformen Tizen (Samsung) und WebOS (LG) sind der Schlüssel für einen langanhaltenden wirtschaftlichen Erfolg. Das Ziel: Die Wandlung von einer rein Hardware-getriebenen Marke zu einem führenden globalen Softwareanbieter.

Im TV-Bereich ermöglichen es Smart-OS-Plattformen wie WebOS und Tizen, den Zugang zu TV-Inhalten bei einer Internetanbindung zu vereinfachen. Statt kostenpflichtiger Abomodelle stehen werbefinanzierte Dienste wie Samsung TV Plus und LG Channels im Mittelpunkt. Die FAST-Channel-Inhalte verbinden die Einfachheit des klassischen Fernsehens mit der großen Auswahl moderner Streamingplattformen. 

Durch stetig steigende Abo-Preise und immer mehr kostenpflichtiger Streaming-Anbieter erscheinen FAST-Channels auf den ersten Blick wie ein Geschenk: Die Inhalte sind frei zugänglich, vergleichbar zur Videoplattform Youtube. Doch die tatsächlichen Kosten für die Nutzung laufen, vergleichbar zum Surfen im Internet, „verschleiert“ ab: Wer FAST-Channels konsumiert und der Datennutzung nicht widersprochen hat, „bezahlt“ mit seinem Nutzungsverhalten, das Werbetreibende für die Datenanalyse nutzen können. 

Welches Ausmaß die Datenanalysen annehmen, wird dabei häufig unterschätzt, doch die geringeren Einstiegsbarrieren gegenüber kostenpflichtigen Streaming-Abos verfehlen ihre Wirkung nicht: Die Nachfrage steigt durch den kostenlosen FAST-Channel-Zugang enorm. Innerhalb von 14 Monaten konnte beispielsweise Samsung die Nutzerzahlen um weitere 12 Millionen User steigern. 

Mit weltweit 100 Millionen monatlich aktiven Nutzenden erreicht Samsung TV Plus inzwischen eine Größenordnung, die mit großen digitalen Medienplattformen vergleichbar ist. Im Vergleich zu anderen Entertainment-Bereichen ist allerdings noch viel Luft nach oben: Microsofts Gaming-Sparte allein erreicht nach Unternehmensangaben mehr als 500 Millionen monatlich aktive Nutzer.

Aktuell bietet Samsung TV Plus rund 4300 Kanäle und 66000 Video-on-Demand-Inhalte (VOD) in 30 Ländern – vollständig kostenlos. Durch Kooperationen mit lokalen Sendern und Content-Creatorn entstehen zudem immer häufiger regional abgestimmte Inhalte. Auch die zunehmende Vermarktung von Youtube-Channel-Videos über die FAST-Plattform sorgen für einen stetigen Content-Nachschub.

Samsungs größtes Pfund: durch die langjährige Dominanz im globalen TV-Markt wurde das Smart-TV-System Tizen innerhalb der letzten 10 Jahre zum Standard in vielen Wohnzimmern und die hohe Verbreitung machte es für Samsung zunehmend lukrativ, Tizen zu einer leistungsstarken Medien- und Vermarktungsplattform auszubauen.

Anfangs wurde Samsung TV Plus als klassisches Free-TV-Angebot wahrgenommen, doch Samsung setzte kontinuierlich auf immer ausgereiftere KI-basierte Optimierungen, um die Plattform sowohl für Nutzende als auch für Werbetreibende attraktiver zu machen. 

„Samsung TV Plus hat sich zu einer globalen Medienplattform entwickelt, die nahtlos in den Alltag der Nutzenden integriert ist“, sagt Choi Joon-hun, Leiter der TV Plus Group im Visual Display Business von Samsung Electronics. 

Samsung will die Position im globalen Medienmarkt weiter ausbauen und im Fokus stehen drei zentrale Faktoren: Der sofortige Zugriff auf TV-Inhalte ohne Set-Top-Box, KI-gestützte Empfehlungssysteme, um das immer größere inhaltliche FAST-Channel-Angebot auf die Nutzerinteressen abzustimmen und ein kontinuierlich anwachsendes Premium-Angebot, das regionale Vorlieben berücksichtigt. 

Zur Stärkung von K-Content arbeitet Samsung beispielsweise mit führenden koreanischen Medienunternehmen zusammen und zählt inzwischen zu den größten Anbietern koreanischer Inhalte. Live-Konzerte und Events sprechen zudem gezielt Fans koreanischer Kultur an.

Digitale Kunstwerke gegen Bezahlung

Samsung The FrameBildquelle: Samsung

Damit sich die Hardwareherstellung langfristig rechnet, ist vor allem Kreativität gefragt. Zu den größten wirtschaftlichen Erfolgen im klassischen TV-Segment zählt Samsungs Flachbild-TV-Serie „The Frame“. Statt eines typischen TV-Looks erscheinen die Fernseher wie ein Bilderrahmen und was liegt näher, auf dem TV-Screen auch Kunstwerke zu präsentieren.

Durch die Verknüpfung mit dem Tizen-System und dem Ausbau von Samsungs Art-Store wird die Brücke vom reinen Hardwareprodukt zu einer langfristigen Softwarenutzung geschlagen. Um den Einstieg in Samsungs Art-Store zu erleichtern, sind häufig kostenlose Probemonate möglich, doch im Fokus stehen langfristige kontinuierliche Einnahmen durch Abomodelle.

Dass digitale Dienste wie Samsungs Art-Store nicht kostenlos angeboten werden und die Preise für digitale Dienste kontinuierlich steigen ist kein Zufall: Hersteller wie Sony (Playstation) oder Nintendo (Switch) zeigen erfolgreich, wie sich durch die Verknüpfung von Hardware und Software immer höhere Einnahmen generieren lassen. Für Hersteller wie Samsung und LG sind digitale Art-Stores eine zunehmend wichtige Einnahmequelle, um die Unwägbarkeiten im Consumer-Electronic-Markt zu kompensieren. 

Maximale Aufmerksamkeit

Um sich bestmöglich von den Preiszwängen des Massenmarktes abzugrenzen, setzen Hersteller wie LG und Samsung in der Kommunikation verstärkt auf die Präsentation von Premium-Produkten. Ein besonders dankbares Marketing-Vehikel: Globale Sportevents, auf die die Augen der Welt gerichtet sind.

Wer die Eröffnungsfeier der aktuellen Winterspiele mitverfolgt hat, der dürfte die Smartphones kaum übersehen haben. Alle Sportlerinnen und Sportler hielten die wichtigsten Momente mit dem gleichen Smartphone fest, was natürlich kein Zufall ist. 

Samsung ist einer der offiziellen Sponsoren der Olympischen Winterspiele und wichtige Momente werden mit Samsung-Smartphones festgehalten. Samsung setzt damit eine effektive Marketingstrategie fort, die bereits bei den Olympischen Sommerspielen 2024 erfolgreich umgesetzt wurde. 

Das Beispiel von Samsung-Smartphones bei den Olympischen Spielen zeigt deutlich, dass bei der Vermarktung von Geräten Faktoren wie Aufmerksamkeit und Emotionalität immer wichtiger werden. Selbst bei der Medaillenvergabe kommen die Samsung-Smartphones zum Einsatz und die Bilder gehen binnen weniger Minuten um die Welt. 

Für Samsung ist es einer der größten Marketing-Coups schlechthin: Pure menschliche Emotionen auf dem Höhepunkt der sportlichen Karriere mitsamt den schillernden olympischen Medaillen konserviert durch die Technik eines Samsung-Smartphones – mehr geht nicht.

Vernetzung für Industriekunden

LG ThinQ ProBildquelle: LG

TV-Hersteller LG bietet vergleichbar zu Samsung ein eigenes Smart-TV-System und eine riesige Auswahl an FAST-Channels. Doch das Thema der Vernetzung wird von LG besonders stark hervorgehoben. Durch die rückläufigen Gewinnerwartungen für Consumer-Electronics-Bereiche streckt LG die Fühler zunehmend im Industriekundenkreis aus und baut bestehende Softwarekonzepte zur professionellen Anwenderplattform aus.

LGs Vernetzungsplattform ThinQ wird beispielsweise durch die LG ThingQ Pro Plattform erweitert und im Mittelpunkt stehen Einbaugeräte mit Smart-Home-Managementfunktionen. LG ThinQ Pro zielt verstärkt auf moderne Wohnimmobilien ab: Bauträger und Immobilienverwaltende können über LG ThinQ Pro beispielsweise den Installationsfortschritt in Echtzeit verfolgen.

Von der Überwachung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimasystemen bis zur Erkennung von potenziellen Risiken: Durch die Softwaremöglichkeiten von ThinQ Pro will LG am wachsenden Markt für Mehrfamilienhäuser, Wohnanlagen und Mietobjekten mitverdienen.

Dabei steht nicht nur der Verkauf passender Geräte mit LG ThinQ-Pro-Unterstützung im Mittelpunkt, sondern die langfristige Software-Vernetzung und Wartung der Geräte. Kontinuierliche Einnahmen durch Software und Gerätepflege für Industriekunden sollen das nächste große wirtschaftliche Standbein von LG Electronics werden.

„LG ThinQ Pro ist eine speziell für den B2B-Bereich entwickelte Smart-Home-Plattform, die unsere Premium-Einbaugeräte mit differenzierten Betriebslösungen kombiniert, um die Verwaltung von Geräten und Wohnräumen zu vereinfachen“, erklärte Steve Baek, Präsident der LG Home Appliance Solution Company. „Wir werden unsere B2B-Plattformfähigkeiten weiter ausbauen, um ein breiteres Spektrum an Wohnanwendungen zu unterstützen.“

Maschinen arbeiten für Maschinen

lg-hvac-beyond-hardwareBildquelle: LG

Wie schnell der wirtschaftliche globale Wandel selbst Traditionsmarken in Schieflage bringen kann, lässt sich anhand der Entwicklungen in Europa und Japan nahezu tagtäglich mitverfolgen. Doch während die Mitarbeiterzahlen in den letzten 15 Jahren häufig sanken, konnten LG und Samsung im gleichen Zeitraum ein Mitarbeiterwachstum verbuchen. 

Ein entscheidendes Erfolgsrezept lautet, immer schneller auf neue Marktsituationen zu reagieren. Um am KI-Boom mitzuverdienen, werden Kühlsysteme beispielsweise nicht mehr nur für die klassischen Wohn- und Arbeitsbereiche produziert, sondern immer häufiger auf die Anforderungen von KI-Rechenzentren zugeschnitten.

James Lee, Präsident von LG Electronics: „Künstliche Intelligenz verändert die Spielregeln in nahezu allen Branchen – auch im HVAC-Bereich (Heizung, Lüftung, Klimatisierung). Was früher primär für Kühlung und Heizung stand, ist heute zentral für Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit.

Bei LG Electronics steht das HVAC-Geschäft im Mittelpunkt dieses Wandels. Indem wir Veränderungen antizipieren und über reine Hardware hinausgehen, passen wir uns nicht nur an das KI-Zeitalter an – wir gestalten es aktiv mit. Während sich LG vom reinen Gerätehersteller zum globalen Anbieter ganzheitlicher HVAC-Lösungen entwickelt, werden End-to-End-Angebote in Wartung und Service insbesondere in den USA, Europa und weiteren wichtigen Märkten ausgebaut.

Neue Wachstumspotenziale entstehen durch die steigende Nachfrage nach hocheffizienten Kühllösungen für KI-Rechenzentren, kompakte Systeme sowie Heizlösungen. Strategische Partnerschaften spielen dabei eine zentrale Rolle – insbesondere im Bereich Clean Tech, etwa bei fortschrittlichen Kühl- und Wärmepumpentechnologien. Mit konsequenter Umsetzung und kontinuierlicher Innovation gestaltet LG eine effizientere und nachhaltigere Zukunft – angetrieben durch das wachsende Potenzial von KI.“

Wirtschaftliches Wachstum durch neue Märkte und Technologien, aber zugleich kein Kahlschlag bei den Mitarbeiterzahlen: Im anstehenden KI-Zeitalter wird sich zeigen, ob eine Koexistenz zwischen Mensch und Maschine tatsächlich wirtschaftlich möglich ist.

Eine neue Welt

LG Global ExpansionBildquelle: LG

LG Electronics treibt seine Wachstumsstrategien längst fernab der etablierten Märkte voran. Indien, Saudi-Arabien und Brasilien stellen dabei die tragenden Säulen der mittel- bis langfristigen Expansion dar. Bereits im vergangenen Jahr konnte LG ein starkes Wachstum verzeichnen und damit liegen die neuen Märkte deutlich über dem globalen Unternehmenswachstum. 

Ein zentraler Hebel ist die konsequente Lokalisierung von Produkten, Produktion und Partnerschaften. In Brasilien investiert LG in ein neues Werk im Bundesstaat Paraná, das ab 2026 regional angepasste Haushaltsgeräte produzieren soll. Zusammen mit dem bestehenden Standort in Manaus soll die jährliche Produktionskapazität kontinuierlich gesteigert werden. Neben der Stärkung der lokalen Nachfrage dient Brasilien auch als Exportbasis für andere südamerikanische Märkte.

In Indien setzt LG auf maßgeschneiderte Produktlösungen für lokale Bedürfnisse. Die neu eingeführte „LG Essential Series“ ist speziell auf klimatische Bedingungen, Lebensgewohnheiten und Kaufkraft zugeschnitten. Dazu gehören Waschmaschinen für niedrigen Wasserdruck und hartes Wasser, Klimaanlagen für extreme Temperaturen sowie Kühlschränke mit angepasstem Stauraum für vegetarische Ernährungsgewohnheiten. 

In Saudi-Arabien baut LG auf langjährige Partnerschaften und erschließt zunehmend Geschäftsmöglichkeiten im B2B- und staatlichen Umfeld. Gemeinsam mit Partnern werden beispielsweise HVAC-Lösungen für extreme Klimabedingungen entwickelt. LG verfolgt langfristig eine strukturierte Strategie aus lokaler Produktion, regionaler Produktentwicklung und dem Ausbau der Infrastruktur- und B2B-Geschäfte. Das Ziel ist klar definiert: Wachstumschancen in den aufstrebenden Märkten konsequent nutzen und gleichzeitig die Abhängigkeit von gesättigten Regionen wie Korea, Nordamerika und Europa reduzieren. 

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