
AUDIO: Nachrichten 07:00 Uhr – 09.06.2026 (5 Min)
Stand: 09.06.2026 08:43 Uhr
Die Zahl der stationären Hautkrebs-Behandlungen in Schleswig-Holstein ist innerhalb von 20 Jahren massiv gestiegen. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Damit liegt das Land sogar über dem Bundestrend.
Bei strahlendem Sonnenschein an Schleswig-Holsteins Stränden sind sie häufig zu sehen: Kinder in UV-Shirts, die Köpfe verdeckt von Sonnenhüten. Dazu Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50. Vor wenigen Jahrzehnten war das noch längst nicht selbstverständlich. Mögliche Folgen zeigen sich heute in den Kliniken. Die Zahl der Menschen, die in Schleswig-Holstein wegen Hautkrebs stationär behandelt werden, hat sich innerhalb von 20 Jahren mehr als verdoppelt.
Deutlich stärkerer Anstieg als im Bund
Nach Angaben des Statistischem Bundesamtes wurden im Jahr 2024 insgesamt 4.272 Patienten mit der Diagnose Hautkrebs in schleswig-holsteinischen Krankenhäusern behandelt. Im Jahr 2004 waren es noch 1.953 Fälle. Das ist ein Plus von knapp 119 Prozent.
Bundesweit stieg die Zahl der stationären Behandlungen im selben Zeitraum um gut 94 Prozent auf 120.100 Fälle. Betroffen sind etwas mehr Männer als Frauen. Zugenommen haben nach Angaben der Statistiker vor allem die Behandlungsfälle des sogenannten hellen Hautkrebses, der im Verdacht steht, durch Sonnenlicht mitausgelöst zu werden.
Warum die Hautkrebs-Fälle steigen

Evelyn Gaffal: „Die Sonne hat auch viele positive Faktoren für den Körper, aber man sollte nicht verbrennen.“
Für den deutlichen Anstieg gibt es nach Einschätzung von Prof. Evelyn Gaffal, Direktorin der Hautklinik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck, mehrere Ursachen. Eine wichtige Rolle spiele die Altersstruktur der Bevölkerung. Vor allem der sogenannte weiße Hautkrebs trete häufig erst in höherem Lebensalter auf, so Gaffal. Viele Patienten seien 70 Jahre oder älter. Da die Menschen heute insgesamt länger leben, würden die Ärzte auch häufiger Hauttumore diagnostizieren.
Jahrelange ungeschützte UV-Belastung problematisch
Hinzu komme, dass viele ältere Menschen in ihrer Kindheit und Jugend oft ungeschützt der Sonne ausgesetzt waren. „Wir haben eine Generation, die keinen konsequenten Sonnenschutz kannte und gleichzeitig immer älter wird.“ Dadurch würden sich die Folgen der jahrzehntelangen UV-Belastung nun zunehmend bemerkbar machen, sagt Gaffal.
Sie sieht auch einen Zusammenhang mit den Lebensgewohnheiten vieler Schleswig-Holsteiner: „Hier sind einfach viele Leute häufig am Strand oder auf dem Wasser und entsprechend stark der Sonne ausgesetzt.“
Unterschiede zwischen schwarzem und weißem Hautkrebs
Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwischen weißem und schwarzem Hautkrebs. Vom weißen Hautkrebs sind laut Gaffal besonders häufig Menschen betroffen, die über viele Jahre einer hohen UV-Belastung ausgesetzt waren. Beim schwarzen Hautkrebs gelten insbesondere starke UV-Belastungen und Sonnenbrände in Kindheit und Jugend als wichtige Risikofaktoren.

Laut Hautärztin Evelyn Gaffal spielt auch die Genetik eine Rolle. Hellere Hauttypen haben ein höheres Hautkrebsrisiko.
Während weißer Hautkrebs meist erst im höheren Lebensalter auftritt, kann schwarzer Hautkrebs auch deutlich früher festgestellt werden. Da das sogenannte maligne Melanom vergleichsweise früh Metastasen bilden kann, gilt es als die gefährlichste Form von Hautkrebs.
Sonne tanken ohne Sonnenbrand
Trotz aller Risiken: Die Sonne grundsätzlich zu meiden, hält die Hautärztin für keine gute Idee. „Tageslicht ist wichtig für viele Vorgänge im Körper, unter anderem für die Bildung von Vitamin D und das allgemeine Wohlbefinden“, so Gaffal. Wichtig sei der verantwortungsvolle Umgang mit der Sonne. Sonnenbrände sollten konsequent vermieden werden, die Mittagssonne möglichst gemieden. Grundsätzlich raten Hautärzte dazu, auffällige Hautveränderungen frühzeitig untersuchen zu lassen.

Das maligne Melanom ist so gefährlich, weil es sich bereits früh im Körper ausbreitet. Wie erkennt man schwarzen Hautkrebs?

Weißer Hautkrebs ist häufiger als schwarzer. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, sind Heilungschancen jedoch gut.

Die Übernahme der Kosten für die Früherkennungsuntersuchung steht auf der Kippe, weil die Kassen unter Spardruck stehen.