An einem kühlen, grauen Februartag treffen wir Künstlerin Ursula Reicher. Die Pianistin, Arrangeurin und Sängerin empfängt uns vor dem „Krone“-Gebäude leicht zögerlich. Eine schwarze Jacke mit Pelzkragen und ein Stirnband runden ihr komplett dunkles Outfit ab. Lediglich der rote Lippenstift fällt sofort ins Auge – ebenso wie ihr sympathisches Lächeln. Als K.Cit hat Ursi vor Kurzem ihr Album „Tic.k Tock“ veröffentlicht – ein Werk, das sich ganz dem Thema Zeit widmet. Ein ungewöhnlich tiefgründiger Ansatz, vor allem wenn man bedenkt, dass sie sonst in Bands wie Seiler und Speer auf der Bühne steht, wo Energie, Witz und Tempo dominieren. Diese Platte zeigt eine ganz andere Seite von ihr.
„I bin die Ursi“, stellt sie sich zuerst vor. Vom ersten Moment an strahlt sie uns an. Doch Kleidung und Auftreten lassen bereits erahnen: Das wird kein klassisches Pop-Interview, sondern ein tiefgehendes Gespräch …
„Krone“: Wie würdest du dich selbst und deine Art von Musik beschreiben – für jemanden, der dich noch gar nicht kennt?
K.Cit: Wenn ich meine Musik beschreiben würde, würde ich sagen: Es sind ganz viele Einflüsse drin. Es ist ernste Pop-Musik, die zum Nachdenken anregt und nicht nur unterhält. Natürlich freue ich mich, wenn Menschen daran Spaß haben, aber mir ist es wichtig, dass sie etwas auslöst. Sie ist sehr sphärisch. Viele sagen auch, sie ist eher dunkel, aber gleichzeitig erdig. Und insgesamt sehr vielseitig.
Eine gute Freundin hat mal zu mir gesagt: „Die Musik hat eine Schwere“ – und ich suche die Leichtigkeit in der Schwere. Ich bin privat kein schwermütiger Mensch, aber das ist das, was beim Schreiben aus mir herauskommt. Und ich möchte mich eigentlich auch trauen, Themen anzusprechen, die nicht so leicht sind – Tabuthemen.
Was wäre für dich ein Tabuthema?
Zum Beispiel der Tod. Damit habe ich mich auch in mehreren Projekten auseinandergesetzt – vor allem aus verschiedenen Perspektiven: Wie gehen Hinterbliebene damit um? Wie wollen sie, dass man darüber spricht? Zurückhaltend – oder ganz normal? Ich finde das wirklich wichtig, weil es Themen sind, die uns alle betreffen. Und ich möchte daraus kein Drama machen, sondern die Einfachheit finden – und diese Leichtigkeit in schweren Themen.