Linz/Bechtolsheim. Wenige Tage vorm Start der WM ist die Frage besonders delikat: Gibt man einen guten Job als Teammanager im unmittelbaren Umfeld der deutschen Nationalmannschaft auf? Und zwar zugunsten einer Stelle beim Österreichischen Erstligisten Linzer ASK? Oder lieber doch nicht? Vor dieser kniffligen Entscheidung stand Jonas Christmann im Herbst vergangenen Jahres.
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Der 33-Jährige entschied sich tatsächlich, seinen prestigeträchtigen Arbeitsplatz beim Deutschen Fußball-Bund gegen den im Salzburger Land einzutauschen. Und sagt heute, sieben Monate später: „Ich habe alles richtig gemacht.“ Dies nicht nur, weil er mit den Linzern Landesmeister und Pokalsieger wurde. Sondern auch, weil ihn die verantwortungsvolle Aufgabe als rechte Hand von Sportdirektor Dino Buric Tag für Tag neu begeistert.
Teil einer ungewöhnlichen Erfolgsstory
Im September steckte der LASK in der Krise. Unter der Regie des portugiesischen Trainers Joao Sacramento taumelte der Erstligist in der Abstiegszone. Zum 1. Oktober drückte der Verein die Reset-Taste. Er verpflichtete „Didi“ Kühbauer als neuen Coach und warb mit Erfolg um die Rückkehr von Jonas Christmann an die Donau. Dass diese Personalentscheidungen am Ende im größten Erfolg der Vereinsgeschichte seit 1965 münden würden, ahnte damals niemand. Heute glänzt der Klub als Doublesieger und klopft am Tor zur Champions-League.
Teil dieser Sensation zu sein, macht Jonas Christmann stolz. Details waren es, die aus einem potenziellen Abstiegskandidaten Österreichs Überraschungsmannschaft der Spielzeit 2025/26 machten. Das Erfolgsrezept? „Mit dem Wechsel des Trainers änderte sich die Stimmung. Danach mussten wir die Fußballer bei Laune halten. Da waren wir richtig einfallsreich, im taktischen wie im mentalen Bereich. Danach entwickelt es sich zu einem Selbstläufer“, reflektiert Jonas Christmann, der beim LASK die neu geschaffene Position des „Director Team Operations / Koordinator Sport“ bekleidet.
Tischtennis-Ass macht im Profifußball Karriere
Jonas Christmann, aufgewachsen in Bechtolsheim (einem Dorf nahe Gau-Odernheim) und ehemals Zweitliga-Tischtennisspieler bei Mainz 05, arbeitet bereits seit rund sechs Jahren an den Brennkammern des Profifußballs. Der erste Meilenstein seiner Laufbahn war die Teammanager-Position bei der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Katar. Im Anschluss kümmerte er sich zwei Spielzeiten lang beim Linzer ASK als Teammanager ums Wohl der Fußballer, ehe er vergangenen Sommer in Nagelsmanns Team für die anstehende WM zurückkehrte.
Schon einen Monat später bekam er das Angebot aus Linz. Strukturell war es eine Beförderung im Vergleich zur alten Teammanager-Aufgabe. Und er rückte näher an die sportliche Verantwortung ran. Eben dies veranlasste ihn, von der Verbandsebene auf die Vereinsebene zurückzuwechseln: „Ich glaubte, Linz bietet mir eher die Chance für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Und genau so war es.“
350 Arbeitstage im Jahr
Dafür zahlt der 33-Jährige allerdings auch einen hohen Preis. 350 Arbeitstage im Jahr, ständig im Dienst des Vereins, des Fußballs und der Fußballer – das muss man wollen. Wochenende gibt es keine, Urlaubstage so gut wie keine. Christmann fügt sich lächelnd dieser Herausforderung: „Mir macht es Spaß“.
Andererseits ist ihm eben diese Beinahe-Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung vertraut. Früher verknüpfte er Schule, später das Studium in Mainz, mit seinen Tischtennis-Aktivitäten. Einerseits als aktiver Spieler, dann in Personalunion als Teammanager bei der TG Wallertheim. In Zusammenarbeit mit Mäzen Philipp Hübinger führte er den Klub aus Bezirksklasse bis in die Regionalliga. Es war, sagt er, eine gute Erfahrung für das, was er heute auf einem professionellen Niveau auf die Beine stellt.
Kontakt mit der Familie stärkt
Etwa 620 Autobahn-Kilometer liegen zwischen Linz und Bechtolsheim. Da sind Besuche in der Heimat absolute Ausnahmen. Deshalb schätzt Jonas Christmann wert, dass seine Eltern und seine in Heidelberg lebende Lebensgefährtin regelmäßig die Fahrten nach Linz auf sich nehmen. „Das ist eine wichtige Unterstützung für mich“. Und ein Grund mehr, den Job im Ausland gegenüber der Komfort-Lösung in Deutschland vorzuziehen.