In Brand gesteckte Autos und Häuser, Wurfgeschosse und islamfeindliche Parolen: Rassistisch motivierte Ausschreitungen haben in der Nacht auf Mittwoch Bewohner der nordirischen Hauptstadt Belfast in Angst und Schrecken versetzt.
Zum Anlass hatten die Randalierer einen brutalen Messerangriff mit einem Schwerverletzten am Vorabend genommen, für den ein Flüchtling aus dem Sudan wegen versuchten Mordes angeklagt wurde. Krawalle waren bereits befürchtet worden, doch die Appelle zur Zurückhaltung verhallten ungehört.
Die meist jungen, männlichen Randalierer zogen durch die Stadt und setzten Fahrzeuge in Brand. In mehreren Teilen der Stadt mussten Bewohner aus brennenden Häusern gerettet werden. Auch Geschäfte, darunter etwa ein türkischer Friseursalon, wurden beschädigt. Auf der Fassade einer Imbissbude prangert ein islamfeindlicher Schriftzug, immer wieder sollen die Randalierer „Ausländer raus!“ skandiert haben. Zwei Polizisten erlitten Verletzungen.
Auch ein Bus ging in Flammen auf.
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Am Morgen nach den Krawallen kehrte laut britischen Medien zunächst zwar Ruhe ein, die Stadtbewohner blickten jedoch auf verwüstete Straßen und Chaos. Die Angst vor weiteren Krawallen ist allgegenwärtig – in sozialen Medien kursieren bereits die nächsten Protestaufrufe.
Die Ausschreitungen im nordirischen Belfast folgten Krawallen im südenglischen Southampton Anfang Juni. Hunderte Menschen waren in der Vorwoche dort einem Aufruf des Rechtsextremen Tommy Robinson gefolgt, um wegen eines Polizeifehlers im Zusammenhang mit dem Mord an dem 18-jährigen Studenten Henry Nowak zu demonstrieren. Die Sorge vor einem neuen Krawallsommer in Großbritannien wird immer größer.
Der politische angeschlagene britische Premier Keir Starmer verurteilte die Krawalle aufs Schärfste. „Die Szenen in Belfast letzte Nacht waren schockierend und völlig inakzeptabel“, schrieb er auf X. Menschen seien wegen ihrer Herkunft ins Visier genommen worden, „und das werde ich nicht tolerieren“, versprach der Labour-Politiker. Die nordirische Regierungschefin, Michelle O‘Neill, sprach auf X von „widerwärtiger Feigheit“.
Ein Video des Angriffs vom Montag, bei dem ein Mann in Belfast schwer an Rücken, Gesicht und Augen verletzt wurde, machte in sozialen Medien die Runde und wurde trotz Warnungen der Polizei vielfach geteilt. Rechtsextreme und rassistische Krawalle sind in Großbritannien nichts Neues. Eine Schlüsselrolle spielen dabei meist soziale Medien. Unter anderem US-Techmilliardär Elon Musk teilte im Vorfeld der Proteste zahlreiche Beiträge zu dem Messerangriff und rief dazu auf, an den Protesten teilzunehmen. (TT, dpa, APA)