Modell des europäischen Kampfjets FCAS (Next Generation Fighter) auf der Paris Air Show neben dem Stand von Textron Bell.

Deutschland strebt die alleinige Führung bei der Entwicklung eines neuen europäischen Kampfflugzeugs an.

(Bild: VanderWolf Images / Shutterstock.com)

Das Mega-Projekt FCAS ist tot: Deutschland bricht mit Frankreich und greift mit Milliarden-Macht nach der Führung in der europäischen Luftfahrt.

Rund 730 Milliarden Euro und ein gebrochenes Versprechen an Paris: Deutschland bläst das gemeinsame europäische Super-Kampfflugzeug ab, um die Führung im Luftraum im Alleingang zu übernehmen.

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Nachdem das deutsch-französische Prestigeprojekt FCAS Anfang Juni endgültig gescheitert ist, legt Berlin nun eine neue Luftfahrtstrategie vor, die unmissverständlich einen Führungsanspruch formuliert – und die bisherige Partnerschaft mit Paris faktisch für beendet erklärt.

In dem Strategieentwurf, den die Financial Times (FT) zitiert, heißt es wörtlich, die deutsche Industrie besitze die Expertise, ein solches Programm „im europäischen oder internationalen Rahmen zu leiten oder eine wesentliche Rolle bei dessen Gestaltung zu spielen“.

Noch deutlicher wird eine zweite Passage: Die Beteiligung der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie müsse dem finanziellen Beitrag Deutschlands „sowohl qualitativ als auch quantitativ“ entsprechen.

Angesichts geplanter Verteidigungsausgaben von rund 730 Milliarden Euro bis 2030 ist das ein unmissverständliches Signal.

Warum Paris und Berlin keinen Kompromiss fanden

Das 2017 von Emmanuel Macron und Angela Merkel gestartete FCAS-Programm – veranschlagt auf rund 100 Milliarden Euro – sollte ab etwa 2040 Rafale und Eurofighter ablösen. Doch die industriellen Gräben zwischen Dassault Aviation und Airbus erwiesen sich als unüberbrückbar.

Im Kern ging es um Designhoheit, Arbeitsanteile und geistiges Eigentum. Laut einem Bericht von Reuters aus dem Jahr 2025 soll Dassault zeitweise rund 80 Prozent der Arbeitspakete beim Kernkampfjet beansprucht haben – ein Anteil, den Berlin als unvereinbar mit einer gleichberechtigten Partnerschaft zurückwies.

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Hinzu kamen unterschiedliche Einsatzanforderungen: Frankreich bestand auf Nuklearfähigkeit und Trägerbetrieb, Anforderungen, die für die Bundeswehr irrelevant sind.

Am 8. Juni bestätigten Regierungsquellen beider Seiten das Aus für den bemannten Kampfjet. Europas strategische Autonomie steht damit vor einer Zerreißprobe.

Airbus schmiedet ein neues Konsortium

Bereits einen Tag nach dem offiziellen Scheitern reichte Airbus laut Reuters ein Positionspapier bei der Bundesregierung ein. Der Konzern wirbt damit für ein neues, von ihm geführtes Kampfjetprogramm der sechsten Generation und versucht, deutsche Unternehmen wie MTU Aero Engines für Triebwerke, Hensoldt für Sensorik und Radar, Diehl und MBDA für Bewaffnung sowie Rohde & Schwarz für Kommunikation in ein Konsortium einzubinden.

Spanien, das 2019 dem FCAS beigetreten war, könnte sich dem neuen Bündnis anschließen.

Alternativ nennt die Strategie einen möglichen Beitritt zum britisch-italienisch-japanischen Programm GCAP oder eine Kooperation mit Saab. Alle Optionen eint der Grundsatz: Deutschland will nicht mehr Juniorpartner sein. Das Dokument betont, ein „starker industrieller Kern mit eigenen Fähigkeiten bei Bau und Wartung komplexer Luftfahrtsysteme“ sei entscheidend für Souveränität.

Was das für Europa bedeutet

Der deutsche Kurswechsel trifft einen Nerv. Die Debatte über Deutschlands wachsende Militärmacht und alte Ängste vor Hegemonie bekommen durch das FCAS-Aus neue Nahrung.

Berlin macht sich mit dem größten europäischen Rüstungsbudget seit dem Kalten Krieg zum Spitzenreiter einer Aufrüstungswelle – und beansprucht nun auch bei der prestigeträchtigsten Waffengattung die Führung.

Ob ein neues Konsortium tatsächlich bis Anfang der 2040er-Jahre einen einsatzfähigen Jet liefern kann, gilt als extrem ambitioniert. Belastbare Zahlen zu Jobs und Wertschöpfung fehlen bislang völlig.

Paris betont zwar weiterhin, die deutsch-französische Kooperation in der Verteidigung bleibe grundsätzlich unverzichtbar. An gemeinsamen Drohnensystemen und einer vernetzten Gefechtsarchitektur wollen beide Seiten weiterarbeiten.

Doch beim Herzstück – dem bemannten Kampfjet der nächsten Generation – gehen die ehemaligen Partner jetzt getrennte Wege.