Inhalt

Auf einer Seite lesen

Inhalt

Seite 1Warum die neue Siri nicht nach Europa kommt und wie vielleicht doch


Seite 2Apples langer Streit mit der EU

Es funktioniert. Danach gefragt, wie noch mal die Frau hieß, die man in diesem einen Café in Hamburg getroffen hat, gibt Siri den richtigen Tag und den richtigen Namen, sie holt sich die Daten aus dem Apple Kalender. So ähnlich fragte das auch Schauspielerin Bella Ramsey 2024 in der Werbung für das iPhone 16 Pro. Doch die Funktion kam nie, Apple zog den Spot zurück, konnte den Spott aber nicht mehr einfangen.

Zwei Jahre später funktioniert genau das. Apple hat am Montag bei seiner Entwicklerkonferenz verkündet, das Sprachassistenz-System in seinen Geräten nun tatsächlich mit vielen der Funktionen auszustatten, die schon 2024 angekündigt worden sind. Und auch wenn das neue iPhone-Betriebssystem bisher nur als Vorabversion verfügbar ist, läuft Siri bei einem mehrtägigen Test in Kalifornien überraschend gut.

Ein Foto von einem Papier-Terminplan macht die digitale Assistentin im Handumdrehen zu Kalendereinträgen, sie findet Informationen aus jahrelang zurückliegenden E-Mails, schickt E-Mails, erkennt Sneakermodelle, empfiehlt die richtige Abfahrtszeit, um zu einem bestimmten Flug zu kommen. Und das Beste: Im Gegensatz zu anderen KI-Chatbots versucht sie nicht immer wieder, das »Gespräch« mit einer Rückfrage künstlich am Leben zu halten.

© ZEIT ONLINE

Newsletter
Natürlich intelligent

Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement.

Klar, wie jede künstliche Intelligenz (KI) liegt auch Siri manchmal falsch, versteht manches nicht auf Anhieb. Aber im Vergleich zur alten Siri und zu allem, was in den vergangenen zwei Jahren nicht ging, ist das wirklich beeindruckend.

Zumindest, wenn man in den USA ist. Denn Apple will die neue Siri vorerst nicht in der Europäischen Union (EU) auf iPhones und iPads veröffentlichen (auf Macs und der Vision Pro dagegen schon). Es ist das nächste Kapitel im Streit zwischen dem Konzern und der Europäischen Kommission. Aber: Es gibt eine Lösung.

Deutschschweizer haben Glück

Unabhängig von den politischen Einschränkungen hat Siri aber auch sprachliche. Zunächst haben nur die Nutzer Zugriff, die das eigene Apple-Gerät auf Englisch eingestellt haben. Etwas kurios: Siri AI versteht auch jetzt schon Deutsch, zumindest schriftlich. Das ist auch logisch, immerhin basiert sie auf großen Sprachmodellen, die Texte in allen Sprachen verdaut haben. Deutschsprachige Expats oder Deutschschweizer werden wohl nicht lange auf die Funktion warten müssen.

Aber auch mit einem auf Englisch gestellten iPhone wird man in der EU nicht von der schlaueren Sprachassistentin profitieren. In einer Pressemitteilung benennt Apple den – aus seiner Sicht – Schuldigen: Es liege an der »extrem engen Auslegung des DMA durch die EU-Regulierungsbehörden«. DMA, das ist der Digital Markets Act, das europäische Gesetz über digitale Märkte. Es soll den Wettbewerb im Digitalen fairer gestalten. Gemeinsam mit dem Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) ist es wohl der wichtigste Punkt im Streit zwischen den US-Techkonzernen mit der Europäischen Union.

Interoperabilität ab Marktstart

Die Grundidee des DMA ist, dass es in der digitalen Welt Unternehmen gibt, die so mächtig sind, dass sie andere vom Wettbewerb ausschließen können. Das Gesetz soll sie daran hindern, diese Macht auszunutzen. Sieben große Techkonzerne wurden als solche sogenannten Gatekeeper definiert, oder genauer: einige ihrer Angebote. YouTube ist dabei, Apples App Store und auch Booking.com.

An den Betrieb dieser Dienste knüpft die EU strenge Bedingungen. Einer der wichtigsten ist die sogenannte Interoperabilität. Damit gemeint ist, dass der Gatekeeper seine eigenen Angebote nicht bevorzugen darf, sondern auch Drittanbietern ermöglichen muss, auf seiner Plattform stattzufinden. Klassisches Beispiel: Der Konzern Alphabet darf in seiner Google-Suche nicht (mehr) automatisch ein Google-Maps-Fenster anzeigen, wenn man eine Adresse googelt, sondern muss auch anderen Kartendiensten die Chance geben. Auch iOS und iPadOS gelten als solche zentralen Plattformdienste, macOS hingegen nicht, der Marktanteil von Macs ist in Europa eben nicht so groß. Der DMA ist so gestaltet, dass von neuen Funktionen sofort bei Marktstart Interoperabilität erwartet wird.

Die Forderung nach Interoperabilität widerspricht deutlich dem, wie Apple sein Geschäft aufgebaut hat. Das Unternehmen setzt auf enge Verzahnung seiner Angebote. Auf iPhones können AirPods mehr als andere Bluetooth-Kopfhörer und Apple Watches mehr als andere Uhren. Lange gab es auch keine andere Möglichkeit, als den App Store, um Programme auf dem iPhone zu installieren. Manche bezeichnen das als goldenen Käfig: sehr schön und praktisch, solange man keine Freiheit wünscht.