Eines von David Hockneys berühmtesten Gemälden heißt „A Bigger Splash“, „Der große Spritzer“. Das Bild ist von 1967 und zeigt eine modernistische, roséfarbene Villa mit einem Swimmingpool davor. Im blauen Wasser taucht ein ordentlicher Schaumspritzer auf. Jemand scheint soeben ins kühle Nass gesprungen zu sein. Vom rechten Bildrand ragt das Sprungbrett in die Komposition. Das Gemälde zeigt die Quintessenz des kalifornischen Lebensgefühls.

Hockney, der die grauen Himmel Englands gewohnt war und seine Heimat, die Industriestadt Bradford in Yorkshire, als „radikal und arbeiterklassig“ beschrieb, gilt als einer der ersten Künstler, die L.A. zu ihrem Hauptmotiv gemacht haben.

1964 zog der Brite, der als viertes von fünf Kindern in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen war, nach Los Angeles. Von der amerikanischen Westküste, die er in jungen Jahren während einer Reise kennenlernte, war er Zeit seines Lebens fasziniert. In seinen Pop-Art-Gemälden fing er die Atmosphäre der Stadt, die Farben, die Palmen, die Häuser und das Sonnenlicht ein. Seine Serie mit Swimmingpools machte ihn weltberühmt. Die Heiterkeit und freche Unbekümmertheit, die seine Bilder ausstrahlen, wurden zu seinem Erkennungszeichen. 2018 wurde eines seiner Swimmingpool-Bilder zum Rekordpreis von fast 70 Millionen Pfund bei einer Auktion verkauft.

FILE PHOTO: David Hockney poses with Taschen's "A Bigger Book" prior to the opening of the book fair in Frankfurt, Germany October 18, 2016. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo David Hockney mit seinem Bildband „ Bigger Book“ 2016 in Frankfurt.

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Hockney pflegte nicht nur einen flamboyanten Kleidungsstil mit auffälligen Tweed-Jackets und runder schwarzer Brille als Grundausstattung, er war auch extrem neugierig und experimentierfreudig. Als Künstler arbeitete er mit fast allen Medien, die seine Zeit hergab: Er zeichnete, fotografierte, schuf Inneneinrichtungen und Bühnenbilder, Videoinstallationen, gestaltete Glasfenster, malte im Freien wie die Alten Meister und war digitaler Pionier.

FILE PHOTO: British artist David Hockney poses inside Westminster Abbey, where he has designed a new stained glass window, in London, Britain, September 26, 2018. Victoria Jones/Pool via REUTERS/File Photo David Hockney in Westminster Abbey, wo er Glasfenster gestaltet hat.

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Schon 2010 nutzte er das iPad für seine Kunst. 2020 während des Corona-Lockdowns kreierte er seine berühmte iPad-Landschaftsserie „220 for 2020“. Er dokumentierte die Ankunft des Frühlings, beginnend mit den winterlichen Bäumen, zeigte das Austreiben der Blüten, das Ausrollen der Blätter, das Wachsen der Früchte, alles in Pixeln, weil ihm das Arbeiten in Öl mit seinen damals 83 Jahren zu unbequem und auch zu langsam war. „Do remember, they can’t cancel the spring“ (Denkt daran: Den Frühling können sie nicht absagen), schrieb er als widerspenstige Ermunterung an Freunde und die Öffentlichkeit. Der Spruch wurde später bei einer Ausstellung in Paris als Leuchtschrift präsentiert.

Male das, was du liebst.

David Hockneys Maxime.

Hockneys Vater war Hobbymaler und ermöglichte seinem Sohn privaten Malunterricht. Als Kind habe er „12 Stunden täglich, von 9 bis 21 Uhr, jeden Tag“ gezeichnet, erzählte der Künstler in einem Interview. Ab 1953 studierte er an der Bradford School of Art und weigerte sich, andere Fächer außer Kunst zu belegen. Mit Anfang 20 ging er ans Royal College of Art in London, wo Künstler wie Francis Bacon und Peter Blake zu seinen Lehrern zählten. Mit Blake und Malern wie Allen Jones und RB Kitaj gehörte er zu der Generation, die die britische Pop-Art prägte. Es soll Kitaj gewesen sein, der ihm den wichtigsten Rat seines Lebens gab: „Male das, was du liebst.“ Diese Maxime machte sich Hockney zu eigen.

March 11, 2026, London, London, UK: LONDON, UK. ÃâËœJack Ransome Resting on an Orange and White Checkered TableclothÃââ , 2025, at a preview of ÃâËœA Year in Normandie And Some Other Thoughts About PaintingÃââ , an exhibition of new and recent works by David Hockney at Serpentine North gallery. Five still lifes and five portraits depicting members of the artistÃââ s close circle, including his family and carers as well as a large-scale printed mural are on show 12 March to 23 August. London UK PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAl94_ 20260311_zaf_l94_012 Copyright: xStephenxChungx Ein Bild aus Hockneys Ausstellung „A Year in Normandie And Some Other Thoughts About Painting“ in der Serpentine North Gallery in London 2025.

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Ab seiner ersten Einzelausstellung 1963 in der Londoner Galerie Kasmin nahm seine Karriere Fahrt auf. Der berühmte amerikanische Kurator Henry Geldzahler wurde zu einem seiner wichtigsten Förderer und Mentoren. 1979 war Hockney einer der Mitbegründer des Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles. Seine Werke waren in zahlreichen bedeutenden Museen weltweit ausgestellt.

Hockney, der seine Homosexualität offen lebte – auch als sie in Großbritannien noch verboten war –, schuf zahlreiche Porträts von Liebhabern und Freunden. Berühmt ist etwa sein Porträt „Mr and Mrs Clark and Percy“ von Anfang der Siebzigerjahre, in dem die Ikonen der britischen Modewelt, Ossie Clark und Celia Birtwell, mit ihrer Katze Percy dargestellt sind. Während in klassischen Doppelporträts eher die Männer stehen und die Frauen sitzen, stellte Hockney seine alten Freunde genau umgekehrt dar, ein subtiler Kommentar zu den Machtverhältnissen in dieser Ehe.

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Die Fondation Louis Vuitton zeigte 2025 rund 400 seiner Bilder, darunter auch etwa 50 seiner berühmten Doppelporträts. Die Stiftung überließ Hockney das gesamte Gebäude und der Künstler war persönlich in jedes Detail der Ausstellungsgestaltung involviert. Es sei die größte Ausstellung, die er jemals gehabt habe, sagt er im Vorfeld, und: „I think it’s going to be very good.“

Die letzten 25 Jahre seines Lebens hat Hockney in seiner britischen Heimat Yorkshire, in der Normandie und in London verbracht. Er starb im Alter von 88 Jahren „friedlich zu Hause“, wie die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf seinen Publizisten mitteilte.