Elfie Semotan im Interview über Modelzeiten ohne Castings, Social Media und Demna Gvasalia
Sie sind in einem Dorf in Oberösterreich aufgewachsen, später haben Sie, zunächst übers Modelln, die ganze Welt entdecken können. Einmal haben Sie etwa in Los Angeles im Beverly Hills Hotel Kleidung vorgeführt. Was hat es damit auf sich?
Ich bin damals mit Madame Grès [Modedesignerin, Anm. d. Redaktion], die mich als Model angeheuert hat, nach Amerika geflogen. Sie hat zwei Shows in Los Angeles veranstaltet, für die sie Models brauchte. Das musste sehr gut überlegt sein. Sie musste aufgrund der Sicherheitsbestimmungen genau wissen, wen sie für diese Shows engagiert. Madame Grès kannte mich aus Paris als Model, sie muss wohl gedacht haben, dass ich geeignet bin oder die Entscheidung resultierte aus ihrem Vertrauen heraus. Sie kannte einfach ein paar Mädchen, ab und zu kam jemand Neues dazu; richtig gecastet wurde damals nicht. Das ist in keinster Weise so abgelaufen wie heutzutage. Wir waren alle dort und haben mindestens eine Woche gemeinsam im Beverly Hills Hotel gewohnt. Alles war sehr großartig und sehr spannend. Es gab Einladungen, aber viele der Abende waren frei. Als ich einmal durch den Gang lief, sah ich John Boorman, den Filmregisseur. Sein Werk “Deliverance” [deutscher Titel: “Beim Sterben ist jeder der Erste”] ist so ein toller Film, den ich erst vor kurzem wieder gesehen habe. Irgendwann, vielleicht beim Frühstück, sind wir ins Gespräch gekommen. Er fragte mich, ob wir zu Abend essen möchten und dann sind wir Abendessen gegangen. Das war einfach ganz normal (lacht). Wir haben uns interessant unterhalten, aber danach nie wieder gesehen.
In den sozialen Median würde so ein Ausflug oder so eine Begegnung heute sofort geteilt. Wie ist ihre Einstellung dazu, nutzen sie Social Media, zum Beispiel als Inspiration?
Ja, sicher, die Benutzung kann man gar nicht mehr ausklammern. Aber ich poste dort selbst nicht aktiv. Das braucht viel zu viel Zeit. Ich habe ehrlich gesagt zu wenig Zeit dafür.
Empfinden Sie diese Art der Kommunikation als negativ?
Das sehe ich ganz unterschiedlich. Ich finde es jedenfalls schwierig, wenn man sich ununterbrochen nur virtuell mit Leuten unterhält, statt sich mit einer Freundin oder einem Freund über wichtige Ereignisse auszutauschen. Wie es dort zugeht, das ist teilweise gar keine Kommunikation. Irgendjemand sagt etwas und alle stimmen zu oder sind zornig und ärgern sich. Das ist dann kein Gespräch mehr, kein Austausch von Meinungen und Informationen. Davon kann man auch nichts lernen, man kann nur dafür oder dagegen sein. Es interessiert mich nicht wirklich.
Ich finde es schwierig, wenn man sich ununterbrochen nur virtuell mit Leuten unterhält. Wie es dort zugeht, das ist teilweise gar keine Kommunikation. Irgendjemand sagt etwas und alle stimmen zu oder sind zornig und ärgern sich.
Elfie Semotan über Social Media