Offene Chatgruppe

Russische Soldaten plaudern Kriegs-Geheimnisse aus

13.06.2026 – 23:23 UhrLesedauer: 2 Min.

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Russische Soldaten in einem Unterstand. Ein Regiment hat auf Telegram offenbar sensible Informationen geteilt. (Quelle: IMAGO/Sergey Bobylev/imago)

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Auf dem Nachrichtendienst Telegram tauschten russische Soldaten in einem Kanal Befehle und Informationen aus. Die Chatgruppe war aber öffentlich.

Soldaten des russischen 143. Gardemotorregiments haben offenbar wichtige Informationen über den Kriegsverlauf in einer öffentlichen Telegramgruppe preisgegeben. Der Telegram-Nachrichtenkanal Astra hatte Zugang dazu und berichtete über die Gruppe, die sich „Blyadskaya Organizatsiya“, auf Deutsch etwa „Beschissene Organisation“, nannte.

In den Chats wurden Befehle der Stabsführung geteilt, Dienstpläne und Links zu Videokonferenzen. Bei diesen Meetings wurde von Stabschefs und hohen Offizieren die aktuelle Lage besprochen. Wie die unabhängige russische Nachrichtenseite „Meduza“ berichtet, teilten die Mitglieder der Telegramgruppe auch Tabellen über die Überwachungssysteme, die im Einsatz sind, Formulare, um Munition zu bestellen sowie Dokumente mit sensiblen Daten wie Nutzernamen und Passwörtern.

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Das 143. Gardemotorregiment gehört zum östlichen russischen Militärdistrikt und hat sein Hauptquartier in Primorsky Krai an der Ostküste Russlands. Die Soldaten des Regiments sind laut „Meduza“ als Teil der 5. russischen Vereinigten Armeestreitkräfte in der Region Saporischschja eingesetzt.

Berichte über Verluste wegen mangelnder Versorgung

In den Unterlagen sollen sich laut „Meduza“ und „Astra“ auch Befehle vom 5. Armeehauptquartier befunden haben. In einer seien Verluste beklagt worden, die unter anderem auf Versorgungsmängel hinweisen. Außerdem wurde der Vorschlag gemacht, autonome Fahrzeuge mit Starlink-Terminals der Musk-Firma SpaceX auszustatten.

In anderen Befehlen sollen die Soldaten angewiesen worden sein, die Ukraine mit Attrappen und vorgetäuschten Truppenbewegungen in die Irre zu führen. Auch psychologische Kriegsführung wurde angeordnet, unter anderem sollten Propagandaflugblätter über ukrainischen Truppen abgeworfen werden. Laut Astra wurden auch interne Code-Bezeichnungen für Flüsse in den Regionen Saporischschja und Donezk mitgeteilt. So wurde aus der „Werchnjaja Tersa“ die „Angara“, aus dem „Gaychur“ die „Wolga“, aus den „Mokri Yaly“ die „Newa“ und aus dem „Yanchur“ der „Jenissei“.

Offenbar wurde die Gruppe vor mehr als einem Jahr eingerichtet. Erst im April 2026 wurden Offiziere darauf aufmerksam, dass wohl auch Personen außerhalb des Regiments und der Stabsführung Zugriff hatte. „Wer wurde hier hinzugefügt, wer sind diese Leute?“, wurde aus einer Nachricht zitiert. Seit dem 4. Mai 2026 wurden keine weiteren Nachrichten mehr geteilt, schrieb „Meduza“.