Fernseher als Einschlafhilfe – was viele als harmlose Gewohnheit sehen, beunruhigt Schlafmediziner zunehmend.
Mit eingeschaltetem Fernseher einzuschlafen ist eine Gewohnheit, die sich viele Menschen angewöhnt haben – als eine Art akustische Einschlafhilfe, die den Gedanken Einhalt gebietet und den Übergang in den Schlaf erleichtern soll. Doch Schlafmediziner und Gesundheitsexperten sehen diese Praxis kritisch. Der Grund liegt unter anderem im blauen Licht, das Bildschirme abstrahlen: Es hemmt die körpereigene Produktion von Melatonin, jenem Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Studien zeigen: Raumlicht mit weniger als 200 Lux in der Nacht unterdrückt den Beginn der Melatoninsynthese und verkürzt die Melatoninproduktion um etwa 90 Minuten im Vergleich zu schwachem Licht unter 3 Lux.
Darüber hinaus wird eine dauerhafte Exposition gegenüber diesem Lichtspektrum mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Diabetes in Verbindung gebracht. Generell gilt Technologie im Schlafzimmer unter Fachleuten als schlaffeindlich.
Beruhigende Wirkung
Dennoch lässt sich die Gegenseite nicht einfach vom Tisch wischen. Für Menschen, die unter Einschlafproblemen leiden, kann der laufende Fernseher durchaus eine beruhigende Wirkung entfalten – vergleichbar mit weißem Rauschen oder ruhiger Hintergrundmusik, die ebenfalls als Mittel gegen Schlaflosigkeit eingesetzt wird. Hinzu kommt, dass der Fernseher im Gegensatz zu Smartphones oder Tablets deutlich weiter vom Gesicht entfernt steht, was die Intensität des blauen Lichts merklich reduziert.
Bekannte Stimmen und vertraute Geräusche aus dem Gerät können für manche Menschen schlicht das sein, was sie brauchen, um überhaupt zur Ruhe zu kommen.
Individuelle Abwägung
Am Ende bleibt eine Abwägung, die jeder für sich selbst treffen muss. Wer die Wahl hat zwischen einer schlaflosen Nacht und dem Einschlafen mit laufendem Fernseher, für den könnte Letzteres tatsächlich die vernünftigere Option sein – denn etwas Schlaf ist besser als gar keiner.
Gleichwohl sollte man sich der gesundheitlichen Risiken bewusst sein und langfristig versuchen, den Einsatz von Bildschirmgeräten im Schlafzimmer zu reduzieren, um die Schlafqualität nachhaltig zu verbessern.