Die ÖAV-Sektion Hohe Munde aus Telfs übernimmt die Peter-Anich-Hütte in Rietz – und stellt in Kooperation mit der Standortgemeinde die Weichen für die Zukunft. Für Bergfexe heißt das allerdings: durchatmen. Denn bis Sommer 2027 bleibt das beliebte Naherholungs- und Ausflugsziel wegen umfassender Umbau- und Sanierungsarbeiten geschlossen.

RIETZ/TELFS. Für die Sektion Hohe Munde ist die mehr als 140 Jahre alte Hütte ein Glücksgriff – und ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Mit über 5.500 Mitgliedern zählt sie zu den größten Sektionen Tirols – hinter Innsbruck, Kufstein und Hall liegt sie bereits auf Rang vier. Was bislang fehlte, war eine eigene Hütte. Die Sektion hatte zwar um 1900 schon einmal eine Hütte: die Neuburger-Hütte über der Oberhofer Alm. Heute ist sie in Privatbesitz.
Hunderte Mitglieder des in Telfs ansässigen Vereins kommen aus der Region, allein 230 aus Rietz. Die Sehnsucht nach einer eigenen „Basis am Berg“ war spürbar. Nicht umsonst heißt der Treffpunkt beim 2016 eröffneten Boulder- und Kletterzentrum in Telfs  „Bergstation“.  „Jetzt wird sie zur Talstation“, sagt Daniel Hafele beim MeinBezirk-Gespräch augenzwinkernd. Stolz präsentiert der Sektion Hohe Munde-Vorstand zusammen mit Stellvertreter Andreas Bstieler die Pläne für das Vorhaben in Rietz.

Übernahme genau geprüft

Der Blick auf den Hausberg, die Hohe Munde, macht den Standort auf 1.909 Meter zusätzlich reizvoll, freut sich Andi Bstieler: „Einfach herrlich!“ Trotzdem wurde die Übernahme genau geprüft. Für die bisherige Eigentümerin, die Sektion Touristenklub Innsbruck, war die dringend notwendige Sanierung finanziell nicht mehr machbar. Laut Statuten sollte die Hütte jedoch im Alpenverein bleiben – und da sie im direkten Einzugsgebiet der Sektion Hohe Munde liegt, war die Lösung naheliegend.
Nach rund einjähriger intensiver Prüfung durch eine eigene Projektgruppe fiel die Entscheidung: Im Jänner 2025 gaben die Mitglieder bei einer außerordentlichen Generalversammlung grünes Licht, berichtet Hafele.

Baustart 2026 – alles in einem Zug

Im Mai 2026 soll es losgehen. Abbruch und Neubau erfolgen nahezu parallel, der Neubau wird bewusst in nur einer Bauphase errichtet, denn, so Hafele: „Wir wollen alles in einem durchziehen und nicht ständig nachbessern müssen.“ Ab der Wiedereröffnung zur Sommersaison 2027 soll der ständige Betrieb gewährleistet sein. Ziel ist es, für die nächsten 20 bis 25 Jahre baulich ausgesorgt zu haben.
Geöffnet bleibt die Hütte – wie bisher – künftig drei Monate im Jahr, von Juni bis September.
Im heurigen Mai soll zunächst die Zufahrt für die Baufahrzeuge vorbereitet und der Weg entsprechend ertüchtigt werden. Genau hier braucht es Fingerspitzengefühl: Entwässerung, Ausweichstellen und Tragfähigkeit müssen gemeinsam mit Experten geklärt werden, wie Bürgermeister Gerhard Krug betont.
Zwischen Gemeinde und Alpenverein wird ein Kooperationsvertrag ausgearbeitet. Teile von Gemeindegrund werden ins Projekt eingebunden. Im Gegenzug unterstützt die Sektion die Rietzer Bauern bei der Vorbereitung von Weideflächen – rund 2.000 Quadratmeter werden in ehrenamtlicher Arbeit von der Alpenvereinsjugend hergerichtet, so Andi Bstieler.
Es ist eine klassische Win-win-Situation, so sieht es auch Standort-Bürgermeister, der die Rietzer Beteiligung erwähnt: Mit Daniel Kranebitter stammt der Planer aus Rietz, auch Hüttenwart Klaus Wegscheider kennt das Gelände wie seine Westentasche. Und mit Daniel Juen bleibt die Hüttenpacht in bewährten Händen, bestätigt auch das Vorstands-Duo Hafele und Bstieler: „Daniel Juen ist in die Planung der Einrichtung eingebunden, er kennt die Gegebenheiten bestens.“

Warum kein Weg an der Sanierung vorbeiführt

So urig und charmant die Peter-Anich-Hütte auch ist – der Zahn der Zeit hat deutliche Spuren hinterlassen. Brandschutz, bauliche Standards, technische Infrastruktur: Vieles entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Eine Generalsanierung ist unumgänglich.
Die Hütte ist als Schutzhütte ausgewiesen und gehört zur Kategorie I – sie soll in erster Linie zu Fuß erreichbar sein. Diese Einstufung eröffnet bessere Fördermöglichkeiten. Das Grundstück wird entsprechend in „Schutzhütte“ umgewidmet, bisher war es Freiland.
Gemeinsam mit der Gemeinde soll auch die Wegerhaltung langfristig gesichert werden. Klar ist aber: Die Sektion arbeitet ehrenamtlich – nach jedem Unwetter sofort auszurücken und den Weg instand zu setzen, ist nicht immer möglich. Dafür kümmern sich die Alpenvereinsmitglieder um den Wandersteig ab der „Grünen Bank“, dieser wird gepflegt und ausgebaut, so Bstieler.

Das Konzept: Bewahren, was zählt – erneuern, was nötig ist

Das Motto für den Neubau ist klar: So viel wie möglich erhalten, so viel wie nötig erneuern. Die Sektion bringt viel Eigenleistung ein – nicht nur aus Kostengründen, sondern aus echter Verbundenheit mit „ihrer“ Hütte.
Die Grundstruktur wird neu organisiert: ein zentraler Hauptzugang, ein innenliegendes Treppenhaus, ins Gebäude integrierte WC-Anlagen und klar getrennte Bereiche für Gäste und Betreiber. Das Obergeschoss wird erneuert, das Dach leicht angehoben, um mehr Raum zu schaffen. Getrennte Waschräume für Personal und Gäste sorgen künftig für zeitgemäßen Komfort.
Die Kubatur wächst um rund 30 Prozent, so Hafele. Gemeinsam mit angrenzendem Gemeindegrund entsteht eine Bauparzelle von rund 690 Quadratmetern. Nach Fertigstellung stehen bis zu 25 Schlafplätze zur Verfügung – inklusive eines jederzeit zugänglichen Schutzraums.
Und das Wichtigste: Der Charakter bleibt. Die gemütliche Gaststube auf der Nordseite und die markante, sonnenverbrannte Holzfassade werden erhalten und ins neue Konzept integriert.
Die Hütte ist nicht nur Naherholungsziel für Einheimische, sondern auch wichtiger Stützpunkt für Weitwanderer – etwa auf der Route von Garmisch nach Brixen oder am Kühtai-Rundwanderweg, die beide stark frequentiert werden.

Technik-Update für die Zukunft

Auch technisch wird kräftig aufgerüstet: Eine leistungsstarke Solaranlage sorgt künftig für Strom, die Wasserzuleitung wird saniert, eine moderne Wasseraufbereitung installiert und eine neue Kläranlage errichtet.
Damit wird die Hütte nicht nur sicherer, sondern auch ökologisch zeitgemäß – und fit für kommende Generationen.

Förderungen, Sponsoren und viel Eigenleistung

Ein Projekt dieser Größenordnung braucht solide finanzielle Beine. Rund 90 Prozent der Gesamtkosten werden durch Förderungen gedeckt. Etwa zehn Prozent stemmt die Sektion selbst – durch Eigenmittel und unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden. Bereits 2024 wurde die Hütte in ein Soforthilfepaket der Bundesregierung aufgenommen – 310.000 Euro Fördermittel sind zugesagt. Weitere Unterstützungen sind ebenfalls bereits gesichert bzw. in Aussicht, so Bstieler, da hofft man auf viele Gönner, Sponsoren und auch Zuwendungen von Partner-Vereinen auch außerhalb Tirols.

Mithilfe erwünscht

Für das umfangreiche Sanierungsprojekt werden viele helfende Hände gebraucht. Details zu Arbeitseinsätzen werden gesondert bekannt gegeben. Wer sich engagieren möchte, kann sich über die Website oder den WhatsApp-Kanal der Sektion informieren. Auch finanzielle Unterstützung in Form von Spenden oder projektbezogenen Beiträgen ist möglich und laut Sektion ein wichtiger Baustein für die Umsetzung.
Infos über die Homepage:  https://www.alpenverein.at/hohe-munde/

Zur Sache: Die Geschichte der Hütte

Die auf 1.909 Metern gelegene Peter-Anich-Hütte wurde 1884/85 vom Österreichischer Touristen Klub als einfache Unterkunft aus Zirbenholz errichtet. Benannt ist sie nach dem Tiroler Astronomen und Kartografen Peter Anich (1723–1766). Sein Werk, der Atlas Tyrolensis, galt lange als die genaueste Karte Tirols. Warum genau die Erbauer diesen Namen wählten, ist nicht überliefert – doch die Verbindung zur Tiroler Bergwelt liegt nahe.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging die Hütte an die Sektion Touristenklub Innsbruck über und wurde mehrfach saniert und erweitert – zuletzt umfassend in den 1990er-Jahren. Seither blieb das äußere Erscheinungsbild weitgehend unverändert – bis jetzt.

Meilenstein für die Sektion – starkes Signal für die Region

Mit der Übernahme setzt die ÖAV Sektion Hohe Munde ein starkes Zeichen. Für die Region bedeutet das vor allem eines: Der Erhalt eines besonderen Platzes in den Stubaier Alpen – mit freiem Blick auf die Hohe Munde und einer großen Portion Herzblut im Gepäck.
Frühere Berichte zur Hütte:

Dringende Sanierung wird mit Bundes-Soforthilfe gefördert

Peter Anich-Hütte in Rietz bleibt 2020 geschlossen

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