Bild: „Minions“ (2015), Universal Pictures / Illumination Entertainment
Seit nunmehr 16 Jahren weilen sie unter uns, machen kleinen Späße beim Werkeln und beherrschen die Leinwand mit ihrem Kichern: die „Minions“ der französischen Filmemacher Pierre Coffin und Chris Renaud und ihre Produktionsfirma Illumination Entertainment. Was macht das ‚Megaverse‘ der beiden Filmemacher so besonders?
Die Minions sind die Lakaien des Superschurken Gru (Steve Carell) aus dem Film „Ich, einfach unverbesserlich“, dessen Nachfolger stets in die Top 10 der Kino-Charts vordrangen.
„Minions & Monster“, der neueste Ableger der „Ich, einfach unverbesserlich“- Reihe startet nun am 01. Juli. Es ist der mittlerweile siebte Teil des hauseigenen ‚Megaverse‘ der beiden Schöpfern Pierre Coffin und Chris Renaud von Illumination Entertainment. Nach dem Release des ersten Teils spielte jeder Teil international mindestens fast eine Milliarde Dollar ein.
Schnell war bei diesem Erfolg klar, dass der beliebte Humor der Reihe von den Minions ausgeht. 2015 erschien somit das erste Spin-off, welches in diesem Jahr nun ebenso zur Trilogie ausgebaut wird.
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Bewegung, bitte!
So ganz neu sind die Minions in ihrer Art jetzt nicht, traten die „Raving Rabbids“ der Marke „Rayman“ von dem französischen Computerspiel-Designer Michel Ancel bereits im November 2006 auf den Plan. Auch die Rabbids sind für ihren groben und lauten Humor bekannt, der ohne die Verwendung von Sprache auskommt. Gemeinsam haben beide Franchises, das sie französischer Natur sind.
Es klingt für den Kino-Laien zuerst befremdlich, aber ein Teil des Erfolges der gelben Wichtel kann den ausladenden Reaktion zugeschrieben werden. Die Minions sind in ihrem rhythmischen Bewegungen pointiert abgestimmt und stimulieren dabei Kinder, wie Erwachsene. Der Humor der bebrillten Schergen geschieht entweder aus der Situation heraus – ist also mit der Handlung verknüpft – oder findet subtil im Hintergrund statt.
In welchem gruseligen Familienverhältnis stehen nun die Rabbids zu den Minions?; Bild: „Rayman Raving Rabbids“ (2006)
Riez-vous en français?
Nicht nur seit Louis de Funés wissen wir, dass sie Franzosen einen sehr ausladenden Humor besitzen, an dem mit viel körperlicher Arbeit gewerkelt wird. Französische Komödien sind trotzdem reich an Dialog. Der Franzose agiert in seinen humorvollen Treiben gerne mit Wortspielen. Jene werden dann, wenn Stumm gespielt, in visueller Form über die Bühne gebracht. Dieser Aspekt nun spiegelt jene Attribute auch in den Animationsfilmen wieder.
Im Übrigen hat „Ich, einfach unverbesserlich“ seinen Ursprung in der französischen Filmkomödie „Drei Männer und ein Baby“ (1985) der Regisseurin Coline Serreau, die zwei Jahre später eine amerikanische Version mit Tom Selleck und Steve Guttenberg, samt ihrer Fortsetzung „Drei Männer und eine kleine Lady“ (1990) hervorbrachte. Aus den drei Männern wird in „Ich, einfach unverbesserlich“ ein Mann und drei kleine Ladys. In beiden Versionen steht die geschlechtsbedingte Rolle in der Erziehung bzw. der Kinderbetreuung in Frage.
Vermischt wird diese Erziehungsfrage durch das Produktionsdesign mit dem Agenten-Genre eines James Bond verknüpft, des ewigen Junggesellen. Damit findet eine Dekonstruktion des Genres statt. Auch das Bild des Superagenten bzw. Superschurken wird durch die Bürokratisierung des Schurken-Gewerbes, vor allem im ersten Minion-Standalone-Film von 2015 in die heutige Zeit, auf einen heutigen Blickwinkel verlagert. Mit Wonne findet die Erinnerung platz in den eigenen Gedanken, wenn man mal wieder ein bis zwei Stunden beim Amt wartet.
Auf Bob, Stuart und Kevin (von links nach rechts) liegt zumeist der Hauptfokus bei ihren Reisen durch die Menschheitsgeschichte; Bild: „Minions“ (2015)
Schweigen ist Gold
Wie die Sims, aus der gleichnamigen Computerspielreihe, so haben auch die Minions eine eigene Ulk-Sprache. Verstehen tut man sie anhand ihrer Reaktionen, sowie Mimik und Gestik. Einzig einige wenige und sehr einfache Worte, wie ‚Okay‘ oder ‚Boss‘, sind im Englischen vorhanden (bzw. im Deutschen). Der Rest ist eine Mischung aus Unsinn und französisch. Ein nicht unbedeutender Sympathie-Faktor sind ihre Wesenszüge, die sie unschuldig wie Kinder aussehen lassen. Ihre hohe Begeisterungsfähig und ihr Lachen bleiben ansteckend.
Das erfolgreichste Genre der frühen Kino-Phase, des längst ausgestorbenen Stummfilms, war die Komödie. Sie blieb international verständlich. Charlie Chaplin stieg zur bekanntesten Größe seiner Zeit herauf. Da viele seiner Darbietungen sich noch dazu recht feminin gebaren, waren sie geschlechtlich neutral. Buster Keaton stellte mit seiner schauspielerischen Art eine Weiterentwicklung dar. Eine starre Mimik zeichnet sein Spiel aus. Nur durch seine Körpersprache vermittelt Keaton seine Stimmung. Keaton wird als Prügelknabe der Komödie von einem Missgeschick in das nächste geleitet.
Seit 1927 der „Jazzsänger“ als erster Tonfilm-Blockbuster die Kinokassen stürmte, war es um den Stummfilm geschehen. Viele Schauspieler jener Jahre konnten damals nicht mehr in den Tonfilm übernommen werden aufgrund der Ausrichtung ihrer Profession, zahlreiche wurden arbeitslos. Allein Charlie Chaplin hat sich in den 1930er Jahren nicht geschlagen gegeben und hat Tonfilm-Elemente in zwei seiner weiteren Stummfilm-Komödien „Lichter der Großstadt“ (1931) und „Moderne Zeiten“ (1936) etabliert. Erst mit „Der große Diktator“ (1940) wechselte der Komödiant zum Tonfilm über.
Die Kunst der Stille
Nicht nur die äußerst beliebten Minions sind der unwiderlegbare Beweis für die universelle Wirkungsweise von einfach zu interpretierenden Spaßes. Trotz des Triumphs des Tonfilms stechen seit je her stumme Figuren besonders in der Komödie hervor. Vor allem die Cartoons von Warner Bros. um Bugs Bunny und Co. setzten in ihrer Historie stark auf einen optischen Humor.
Ein weiterer Vertreter dieser Charakter-Art ist Bumblebee. Dieser blieb seit ersten „Transformers“- Film 2007 von all den überdimensionalen Blecheimern am stärksten in Erinnerung – auch er bekam einen eigenen Spin-off-Teil. Der Kampfroboter kommuniziert gleichermaßen überwiegend durch das Radio bzw. Songs und reizt damit zahlreiche popkulturelle Anspielungen an.
Und auch da macht dieser kleine Nischen-Trend nicht halt. Der Regisseur Kevin Smith tritt in seinen Werken, wie „Clerks“ (1994) und „Dogma“ (1999), stets als stumme Figur Silent Bob auf. „The Boys“ (2019-26) hat derweil Kimiko: Durch sie treten auch sprachbehinderte Menschen in den Mittelpunkt und die Zeichensprache bekommt somit als Teil unserer Welt eine Bühne.
Wer ist hier noch alles gelb, kommuniziert über eine indirekte Sprache und hat ein eigenes Spin-off bekommen?; Bild: „Bumblebee“ (2018) mit Hailee Steinfeld
Das bildliche Medium
Belá Bálazs sah 1924 in dem neuen Medium Kino damals eine neue Chance für das Erzählen von Geschichten. Die Aufmerksamkeit wird mehr auf den Menschen, seine Mimik und seine Gestik gelenkt. Das bildliche Erzählen emanzipiert sich von der schriftlichen Sprache. Die Kultivierung einer völlig neuen Sprachform wird somit geformt. (Buchquelle: „Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films“)
Diese Herangehensweise zeigt ebenso, dass der berühmte, direkten Vergleich zwischen Buch und Film nicht sehr sinnig ist, da jedes Medium seine eigene Sprache hat. Man kritisiert ja auch keinen Song für sein ungenügendes Set-Design.
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