
AUDIO: „Sechswochenamt“: Leiser, authentischer Film über Abschied und Trauer (4 Min)
Stand: 15.06.2026 11:58 Uhr
Der Film „Sechswochenamt“ von Jacqueline Jansen erzählt, wie eine junge Frau mit dem Tod ihrer früh verstorbenen Mutter umgeht. Um deren letzten Wunsch zu erfüllen, muss sich Lore gegen staatliche Vorschriften und gesellschaftliche Erwartungen behaupten.
Das Sechswochenamt ist eine katholische Messe, die sechs Wochen nach dem Tod eines Menschen gefeiert wird. Sie markiert das Ende der ersten Trauerphase der Hinterbliebenen. Regisseurin Jacqueline Jansen erkundet in ihrem Film, wie eine junge Frau diese Wochen nach dem Tod ihrer Mutter erlebt. Der Film hat auf Festivals bereits mehrere Preise gewonnen. Das ist umso bemerkenswerter, als er ohne jede öffentliche Förderung entstanden ist. Diese Woche startet „Sechswochenamt“ im Kino.
Eine junge Frau steht verloren im Gang des Hospizes.
– Ich glaube, meine Mama ist tot.
– Ich gehe mal zu ihr rein. Du wartest bitte hier draußen.
Filmszene
Lore ist die Einzige, die die krebskranke Mutter vor ihrem Tod begleitet hat. Und die Mittzwanzigerin ist jetzt auch auf sich allein gestellt, wenn es darum geht, die anstehenden Formalitäten zu erledigen, die Wohnung der Mutter auszuräumen und die Beerdigung zu organisieren. Besonders Letzteres erweist sich als schwierig. Denn die Mutter hat verfügt, dass ihre Asche im Meer verstreut werden soll, obwohl das in Deutschland verboten ist.
Video:
Trailer zum Film: „Sechswochenamt“ (2 Min)
Lore ist alleine – mit der Situation und ihrer Trauer
Lore will ihr diesen letzten Wunsch dennoch erfüllen. Ihre Familie in der niederrheinischen Provinz erweist sich dabei als wenig hilfreich. Ihre Großmutter pocht auf Konventionen. Und auch Lores Onkel ist genervt, dass seine schon zu Lebzeiten unangepasste Schwester sogar noch nach ihrem Tod durch Extravaganzen auffällt. Von Lores eigener Schwester Sophie ist sowieso keine Hilfe zu erwarten.
– Wann kommst du eigentlich?
– Ich bin in der Probezeit. Ich kann mir keinen Urlaub nehmen
– Mama ist tot.
– Es geht gerade nicht. Weißt du schon, was die Anzeige kosten soll?
– 400 €, oder so was. Wahrscheinlich mehr, wenn wir es farbig machen wollen.
– 400 €?! Für ne Zeitungsanzeige? Geht das nicht günstiger?
– Ich mach die doch schon selbst.
– Braucht es die denn überhaupt, wenn die so teuer ist?
– Natürlich braucht es die. Es kann dir doch egal sein. Du tust doch sowieso nichts dazu.
Filmszene

Die junge Regisseurin trotzte allen Absagen und hat mit ihrem Mini-Budget-Film „Sechswochenamt“ großen Erfolg.
Bürokratische und gesellschaftliche Widrigkeiten
„Sechswochenamt“ ist ein dokumentarisch anmutender Film, in dem Regisseurin Jacqueline Jansen die Zeit nach dem Tod ihrer eigenen Mutter verarbeitet hat. Ihr Alter Ego im Film ist die großartige Magdalena Laubisch. Innerlich aufgewühlt, aber äußerlich meist unbewegt, bringt Laubisch Lores Emotionen mit Blicken und kleinen Gesten zum Ausdruck: wie sie sich in ihrer Trauer allein gelassen fühlt, überfordert von all den Entscheidungen, die sie treffen muss in einem Moment, in dem sie sich eigentlich nur zurückziehen und weinen will.
Für einen würdigen Abschied von ihrer Mutter kämpft Lore gleich an mehreren Fronten: gegen die Bestattungsbürokratie, die Bedürfnisse der Familie und auch gegen gesellschaftliche Erwartungen über den vermeintlich richtigen Umgang mit dem Tod.
– Wann soll denn die Beerdigung stattfinden?
– Es gibt keine klassische Beerdigung. Meine Mutter wurde verbrannt und wir machen jetzt eine Abschiedsfeier.
– Verbrannt? Also ich finde das menschenunwürdig. Wo wird sie beigesetzt?
– Sie wird verstreut. Im Meer verstreut.
– Ja, aber ich mache jetzt nichts Illegales, ne?
Filmszene
Filmproduktion ohne Förderung aus Spenden realisiert
Jansen siedelt den Tod von Lores Mutter wenige Tage vor Beginn des ersten Corona-Lockdowns im März 2020 an. So werden die Pandemiemaßnahmen von geschlossenen Geschäften über Abstandsregeln bis zu Plastiktrennwänden zum Sinnbild für Lores zunehmende Isolierung. Trotz seiner Traurigkeit hat der Film durchaus auch bitterkomische Momente, zum Beispiel wenn der Pfarrer sich weniger dafür interessiert, Lore Trost zu spenden als dafür, welche Möbel sie für die Gemeinde spenden könnte und bei nächster Gelegenheit auch gleich mit dem Transporter vorfährt.
Der kleine leise Film „Sechswochenamt“ rührt in seiner rohen Authentizität an. Realisiert hat ihn Jacqueline Jansen mit dem Mini-Budget von 96.000 Euro aus Spenden. Alle Filmförderungsstellen hatten ihren Antrag zuvor abgelehnt. Umso schöner, dass der Film mittlerweile mehrere Preise auf Festivals gewonnen hat und diese Woche auch endlich ins Kino kommt.

Der Kinojahrgang bietet tolle Filme – etwa einen Thriller von Steven Spielberg, die Komödie „Der Teufel trägt Prada 2“, und „Die Odyssee“ von Christopher Nolan.