Innen: Hell, man glaubt es kaum!

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Sichtbare Holzoberflächen aus Fichten-Brettsperrholz und massive Schiffsböden aus gebürsteter Weißtanne prägen die Wohnräume und setzen einen warmen Kontrast zu den rohen Betonflächen der ehemaligen Silotürme.
© Albrecht Imanuel Schnabel

Ein weiteres zentrales Thema war die Atmosphäre im Inneren. Da die Türme selbst keine Fenster besitzen, wurde im Vorfeld häufig eine dunkle Raumwirkung befürchtet. „Jeder hat geglaubt, das wird finster. Aber das stimmt überhaupt nicht und das Gegenteil ist der Fall“, so Lechner. Durch gezielte Öffnungen in den verbindenden Bauteilen und eine offene Organisation der Hauptbereiche entstehen helle, durchlässige Räume.

Der Planungs- und Bauprozess erstreckte sich über mehrere Jahre. Erste Überlegungen begannen 2021, gefolgt von Phasen der Weiterentwicklung und schließlich einer rund einjährigen Bauzeit. „Wir haben das nicht auf Vollgas durchgezogen, sondern uns bewusst Zeit genommen, weil bei so einem Projekt immer Überraschungen kommen“, erklärt Lechner. Diese Offenheit im Prozess erwies sich als entscheidend für die Qualität des Ergebnisses. Das fertige Gebäude bleibt nach außen hin bewusst zurückhaltend. „Wenn das Holz einmal verwittert ist, soll man nicht sofort erkennen, dass da jemand wohnt“, beschreibt Lechner die gestalterische Intention. Erst im Inneren entfaltet sich die räumliche Komplexität und Qualität des Umbaus. Einzig ein auskragender Balkon im obersten Geschoß setzt einen klaren, zeitgenössischen Akzent.

Im größeren Kontext verweist das Projekt auf grundlegende Fragen des Bauens im ländlichen Raum. Für Lechner ist das klassische Einfamilienhaus zwar tief verankert, aber nicht mehr zukunftsfähig: „Vom Ressourcen- und Energiegedanken her ist diese Bauform eigentlich obsolet.“ Gleichzeitig sieht er großes Potenzial im Weiterbauen des Bestands. „Ich behaupte, dass der Großteil dessen, was wir in Zukunft brauchen, eigentlich schon gebaut ist. Wir müssen es nur richtig nutzen.“ Das Projekt in Schleedorf zeigt exemplarisch, wie sich bestehende landwirtschaftliche Strukturen durch behutsame Transformation in zeitgemäße Wohnräume überführen lassen. Zwischen Erhalt und Weiterbauen entsteht eine Architektur, die den Bestand nicht nur respektiert, sondern seine räumlichen und atmosphärischen Qualitäten gezielt weiterdenkt.