Er ist kein Unbekannter in Dahn, bereits 2015 begeisterte der Pirmasenser Künstler Walter Dechant das Publikum im Alten Rathaus „mit seinen Gesichtern“, wie Bernd Koch, Vorsitzender des Kunstvereins in seiner Begrüßung sagte. Damals war die Ausstellung mit dem Slogan „A Portrait a Day“ überschrieben. Die Bilder waren das Ergebnis eines ehrgeizigen Projektes von Walter Dechant. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte der Maler: „Ich hatte mir vorgenommen, ein Jahr lang jeden Tag ein Portrait anzufertigen“. Grundlage war sein „Tagebuch“ mit Skizzen, das er bis heute akribisch weiterführt.
Damals entstanden 365 Bilder. Diese wurden ab 26. Juni 2015 gezeigt. Darunter auch das Portrait der italienischen Bloggerin Francesca, das Walter Dechant rahmen ließ und jetzt neben alten und neuen Werken zeigt. Daher auch der Titel „Then and Now“. Er will eindrucksvoll darstellen, wie sich im Lauf der Zeit seine Malweise, der Duktus, aber auch die Gesellschaft – überhaupt die ganze Welt verändert hat. Sein Wahlspruch: „Malen ist sehen“.
Verborgen in Farbtuben
Das genaue Hinsehen, das Registrieren ganz banaler Dinge wie „eine zerbeulte Coladose“ (Dechant) ist für seine Arbeiten enorm wichtig. Dann brennt der Künstler darauf, diese Eindrücke auf die Leinwand zu bannen. Dechant hat es mal so formuliert: „Wunderschöne Töne warten nur darauf – Tag für Tag aus den Tuben befreit – neu gemischt und von dem Büttenpapier aufgenommen zu werden.“ Denn die Gesichter, die er malen will, existieren schon, „aber noch verborgen in den vielen Farbtuben in meinem Atelier“.
Mit einem breiten Pinsel trägt der Maler Flächen auf. Dabei entstehen nach seinen Worten wie von selbst die „Daily Portraits“, die Gesichter erwachen zum Leben und Köpfe erscheinen wie in Bewegung. Daneben fertigt er auch Lino Printarbeiten an.
Inspiration: Edward B. Gordon
Inspiriert wurde der gelernte Rechtsanwalt, der heute nach eigenen Worten mit der Juristerei „nichts mehr am Hut hat“, von Edward B. Gordon. Er war durch seinen Blog „A Painting a Day“ bekannt geworden. Jeden Tag hatte er ein kleines Bild gemalt, das im Internet gepostet und versteigert wurde.
Walter Dechant, geboren in Pirmasens, studierte von 1972 bis 1982 Jura in Mainz, machte ein Referendariat und legte anschließend das zweite juristische Staatsexamen ab. Von 1983 bis 1984 arbeitete er in verschiedenen Kanzleien in Pirmasens und Kaiserslautern. Danach führte er seine eigene Rechtsanwaltskanzlei. Heute übernimmt er nur noch Betreuungen.
Farbe und Form
Der Pirmasenser, der schon als Kind gerne zeichnete, hat vor rund 30 Jahren die Malerei dann zu seinem kreativen Hobby erkoren, eine Tätigkeit, die ihn die Welt rundum vergessen lässt. Seine Ausbildung machte er bei Elvira Bach (Berlin), Xenia Hausner (Berlin/Salzkammergut), Hetty Krist (Frankfurt/Main) und Bogdan Pascu (Wien). Seine Arbeiten waren bereits im Hofgut Holzmühle bei Speyer sowie in München, Hamburg und Wien zu sehen.
In der aktuellen Ausstellung in Dahn sollen nach dem Willen des Künstlers Vergangenheit und Gegenwart in Farbe und Form zusammengeführt werden. Dadurch werde sichtbar, „wie sich Zeit, Erinnerung und persönliche Erfahrung in die Malerei einschreiben“. Somit werde ein stiller, eindringlicher Dialog erkennbar zwischen dem, was war und dem, was ist.
Performance bei Vernissage
Auffallend ist, dass die Motive oftmals von Emotionen geprägt sind. Drückt der Gesichtsausdruck nach Meinung des Betrachters Ärger, Niedergeschlagenheit, Angst aus. Doch davon will Walter Dechant, nach eigenen Worten ein sehr optimistischer Mensch, nichts wissen: „Man sollte nicht zu viel hineininterpretieren.“
Bei der Vernissage trat die Schweizer Künstlerin Bettina Filacanavo, Lebensgefährtin von Dechant, mit ihrer Performance „Wer bleibt Mensch?“ zum Thema „Scheiss Krieg“ vor ihrer Installation „Hope“, einem Stahlhelm mit grüner Bepflanzung auf.
Info
Die Ausstellung „Then and Now“ von Walter Dechant beim Kunstverein Dahn im Alten Rathaus, Marktstraße 7, ist bis 12. Juli donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.