Welche wissenschaftliche Fragestellung liegt Ihrer Studie zugrunde?

Medical Research Unit in Gambia: Eines der Kinder bei der kleinen Blutabnahme während der Gelbfieber-Impfstudie. © privat | Beate Kampmann

Medical Research Unit in Gambia: Eines der Kinder bei der kleinen Blutabnahme während der Gelbfieber-Impfstudie. © privat | Beate Kampmann

Gelbfieber ist eine schwere Infektionskrankheit, gegen die es einen wirksamen Impfstoff gibt. Bei Reisen in betroffene Gebiete wird eine Impfung empfohlen. In Ländern, in denen Gelbfieber dauerhaft vorkommt, werden alle Kleinkinder im Alter von neun bis zwölf Monaten geimpft. Während ursprünglich eine Auffrischung nach zehn Jahren angeraten wurde, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Empfehlung inzwischen auf nur eine Impfung im Kindesalter reduziert. Eine Änderung, die zu Unsicherheiten geführt hat. Wir wollten daher herausfinden, ob der Impfschutz noch ausreichend ist, wenn die erste Impfung bis zu neun Jahre zurückliegt und wie Kinder verschiedenen Alters auf eine Booster-Impfung reagieren.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir führen seit vielen Jahren im westafrikanischen Gambia Impfstudien durch. Deshalb konnten wir gezielt Familien kontaktieren, bei denen wir genau wussten, wann die Kinder ihre erste Gelbfieber-Impfung erhalten hatten. 610 Kinder aus früheren Studien, die mittlerweile zwischen zwei und neun Jahre alt waren, nahmen mit Zustimmung der Familien an dieser Studie zur Auffrischungsimpfung teil. Zunächst haben wir die nach der Gelbfieber-Impfung im ersten Lebensjahr noch vorhandene Antikörperkonzentration bestimmt und verabreichten anschließend eine Booster-Impfung. Einen Monat später haben wir die Menge der Antikörper erneut überprüft.

Was haben Sie herausgefunden?

Wir wollten wissen, wie stark die Antikörperkonzentration nach einer Booster-Impfung ansteigt und ob sich der zeitliche Abstand zwischen Erstimpfung und Booster auswirkt. Tatsächlich nimmt der Schutz vor Gelbfieber ab, je länger die erste Impfung zurückliegt: Von den ältesten Kindern (6 bis 9 Jahre) waren vor der Auffrischung nur noch 65 Prozent geschützt, bei den jüngsten (2 bis 3 Jahre) waren es noch rund 82 Prozent. Nach erneuter Impfung waren nahezu alle Kinder komplett geschützt und sie haben die Booster-Impfung sehr gut vertragen.

Welches Fazit können Sie ziehen?

Da der Impfschutz gegen Gelbfieber neun Jahre nach der Erstimpfung bei einem guten Drittel der Kinder nicht mehr als optimal angesehen werden kann, sollte eine Wiedereinführung einer Gelbfieber-Auffrischung in den WHO-Empfehlungen in Betracht gezogen werden.

Quelle

Caitlin P et al. Yellow fever vaccination in healthy Gambian children of different ages to establish safety and immunogenicity of a booster dose: a open-label, non-randomised, single-site, phase 3 vaccine trial. Lancet Infect. Dis. 2026 Jun. doi: 10.1016/S1473-3099(26)00193-3