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Ukraine – Seit zwei Wochen stocken mehrere russische Offensiven in der Ukraine. Es gelingt den ukrainischen Streitkräften vor allem im Süden, Dörfer in der Grauzone – also dem nicht klar von einer der beiden Kriegsparteien kontrollierten Bereich – von russischen Soldaten zu befreien und den Vormarsch der Putin-Armee extrem zu verlangsamen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass US-Tech-Milliardär Elon Musk (54) sein Satellitenkommunikationssystem Starlink für die Russen abschaltete.
„Entscheidend sind jetzt die nächsten Tage und ob es gelingt, das Tempo zu halten. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, was passiert, wenn Russland eine Alternative zu Starlink etabliert“, erklärt Militärexperte Carlo Masala (57) im Gespräch mit BILD.
Carlo Masala (57) ist Politikwissenschaftler und Verteidigungsexperte. An der Bundeswehr-Universität München ist er Professor für internationale Politik. Er leitet dort den Studiengang Intelligence and Security Studies.
Ohne Starlink stockt Putins Angriff
Russische Militärs sehen eine Alternative vor allem in WLAN-Brücken, die Orte mit Internet mit solchen ohne Internet verbinden sollen. Russland installiert dafür zwischen dem eigenen Staatsgebiet und den besetzten Großstädten Hunderte Antennen, beispielsweise vom russischen Kommandoposten in eine vorgelagerte Frontstellung.

WLAN-Brücken müssen hoch über dem Boden befestigt werden, um einander direkt ansteuern zu können
Foto: Ukrainische Armee
Das Problem für die Russen: WLAN-Brücken werden nicht an einem beliebigen Ort gen Himmel gerichtet (wie Starlink-Antennen), sondern müssen hoch über der Erde konstruiert werden und ohne Unterbrechungen durch Bäume und Gebäude direkt aufeinander zeigen. Nur so können sie Internet von A nach B übertragen. Ein taktischer Vorteil für die Ukraine! Denn deren Kamikaze-Drohnen können jetzt ungestört die neu installierten WLAN-Brücken angreifen und den Russen damit die gerade wieder eingerichteten Kommunikationskanäle binnen weniger Stunden vernichten.

Die neu installierten russischen WLAN-Brücken sind leicht mit Drohnen angreifbar
Foto: Ukrainische Armee
Dutzende Videos zeigen: Anders als vom russischen Generalstab behauptet, scheint sich ein Großteil der eigenen Truppe auf das inzwischen von Elon Musk abgeschaltete Starlink verlassen zu haben, sitzt jetzt ohne Internet da und versucht fieberhaft, WLAN in seine Stellung zu bekommen.