Die Robotaxis sind auf dem Vormarsch! Inzwischen betreibt Waymo allein in den USA eine Flotte von circa 2.500 autonomen Fahrzeugen in fünf Metropolen. Diese Robotaxis kommen auf etwa 250.000 bezahlte Fahrten pro Woche, das sind 14 Millionen Fahrten pro Jahr. Schon ist die Rede davon, dass nicht nur weitere US-Cities erschlossen werden sollen, sondern auch London, Tokyo und einige deutsche Städte. Je mehr dieser selbstfahrenden Taxis im Einsatz sind und je häufiger sie gebucht werden, desto günstiger werden die Fahrtkosten. Somit lassen sich die beachtlichen fixen Kosten zur Erschließung einer Region auf immer mehr Fahrzeuge und Fahrten verteilen. Da Robotaxis keinen Fahrer benötigen, sind sie bei den variablen Kosten von traditionellen Taxis sowieso kaum zu schlagen. Daher gilt: Sofern es gelingt, die Robotaxis möglichst gut auszulasten, entsteht eine Kostendynamik, die diesen Service besonders attraktiv macht. Kein Wunder also, dass Waymo Gas gibt.

Auch in China findet man inzwischen in vielen Metropolen ganze Flotten von Robotaxis. Baidu, Pony.ai, WeRide und andere Tech-Firmen sind in Kooperation mit den Automobilunternehmen daran, immer größere Areale für diese selbstfahrenden Fahrdienste zu erschließen. Schon vor Jahren hat die chinesische Regierung das Ziel ausgegeben, nicht nur bei der Elektromobilität führend zu sein, sondern auch beim autonomen Fahren. Hierzu wurden Milliardensummen bereitgestellt mit der Folge, dass einige dieser chinesischen Firmen inzwischen Software und Sensorik auch für europäische Robotaxi-Projekte anbieten. So sind beispielsweise die SBB und WeRide daran, im Großraum Zürich einige Strecken von und zum Bahnhof nicht mehr mit Bussen, sondern mit Robotaxis abzudecken. In einem anderen Projekt kooperiert PostAuto Schweiz mit Baidu, um den Verkehr in einem ländlichen Raum neu zu gestalten.   

Und was macht Europa? Unseren Recherchen zufolge hat die Europäische Union bislang etwa 80 Robotaxi-Projekte mit etwa 800 Mio. Euro unterstützt, von denen 38 noch im Betrieb sind. Allerdings handelt sich dabei zumeist um einen oder bestenfalls zwei Kleinbusse, die auf einer vordefinierten Strecke hin- und herfahren. Alle diese Projekte sind mehr oder weniger auf einem ähnlichen technologischen Niveau. Dieses Vorgehen mag der Idee entspringen, diese Technologie in möglichst vielen europäischen Ländern erlebbar zu machen. Sie hilft aber nicht, um im Wettbewerb mit den USA und China bestehen zu können. Ganz im Gegenteil: Schon jetzt wird deutlich, dass es ohne amerikanisches oder chinesisches Know-how gar nicht mehr geht, bedeutende Robotaxi-Projekte in Europa auf den Weg zu bringen. Wollen wir wirklich auch bei dieser Schlüsseltechnologie den Anschluss verlieren?