
Das klassische Broadcast-Radio im Auto ist alles andere als ein Auslaufmodell – es erlebt durch den Siegeszug von DAB+ seinen zweiten Frühling. Auf der renommierten Branchenkonferenz „WorldDAB Automotive 2026“ in Frankfurt am Main wurden jetzt frische Marktdaten präsentiert, die das eindrucksvoll untermauern.
Wie beim internationalen Branchenforum WorldDAB bekannt wurde, bleibt DAB+ gefragt und auf Wachstumskurs. Laut neuen Zahlen summiert sich der Absatz in den elf zentralen Kernmärkten inzwischen auf stolze 166,6 Millionen Geräte. Dies entspricht einem rasanten Wachstum von mehr als zehn Prozent seit der vorigen Datenerhebung im Februar 2025. Zu den absoluten Wachstumstreibern in Europa gehören derzeit Frankreich und Italien. In Frankreich wurde mittlerweile eine beachtliche DAB+-Bevölkerungsabdeckung von rund 80 Prozent erreicht.
Besonders der Automotive-Sektor erweist sich als Fels in der Brandung: In fast allen neu zugelassenen Fahrzeugen in Europa gehört das Digitalradio dank strenger europäischer Richtlinien längst zur absoluten Serienausstattung. Ein regulatorischer Trend, der mittlerweile auch außerhalb Europas Nachahmer findet – so baut derzeit unter anderem Saudi-Arabien vergleichbare gesetzliche Rahmenbedingungen auf.
Auf einen Blick: Die globalen DAB+-Erfolgszahlen im Jahr 2026
Die auf der Frankfurter Konferenz vorgestellten Daten des Marktforschers Fifty5Blue sowie aktuelle Nutzungsstudien zeigen eine eindeutige Tendenz:
Indikator / MarktAktuelle Kennzahl (2026)Bedeutung & HintergrundGlobaler Geräteabsatz166,6 Millionen EmpfängerEin Plus von über 10 % im Vergleich zum Vorjahr (Februar 2025).Nutzer-Akzeptanz (Auto)85 Prozent der Autofahrer……würden das Radio im digitalen Cockpit laut Umfragen „wirklich vermissen“.DTS AutoStage (Deutschland)Knapp 90 Prozent RadionutzungIn so ausgestatteten Fahrzeugen entfällt der Löwenanteil komplett auf DAB+.Abdeckung FrankreichRund 80 Prozent der BevölkerungFrankreich zählt neben Italien zu den dynamischsten Märkten Europas.Zielvorgabe Spanien80 Prozent Abdeckung bis 2029Eine neue Regulierung sieht den Start von sechs neuen Programmen vor.
Dashboards im Wandel: Zwischen Ur-Instinkt und digitalem Zugzwang
Trotz der glänzenden Absatzzahlen ist die Stimmung auf der Konferenz von einer gewissen Dringlichkeit geprägt. WorldDAB-Präsidentin Jacqueline Bierhorst stellte in ihrer vielbeachteten Keynote klar, dass sich die Branche nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen darf:
„Wenn wir wollen, dass Broadcast-Radio im Auto stark bleibt, brauchen wir mehr als nur Überzeugung. Wir brauchen Belege, praktische Werkzeuge, eine gemeinsame Sprache und koordiniertes Handeln.“
Das gesamte Ökosystem stehe durch den rasanten Wandel der Fahrzeug-Dashboards, die zunehmend von Software, Apps und Algorithmen dominiert werden, unter massivem Zugzwang.
Unterstützung erhielt sie von Sibyle Veil, der CEO von Radio France und Vorsitzenden des EBU Radio Committee. In einer Videobotschaft betonte sie die gesellschaftliche Relevanz des Mediums: Die Kernaufgabe des linearen Radios bleibe es, den Bürgern jederzeit und überall einen einfachen, universellen und verlässlichen Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen zu garantieren – eine Resilienz, die gerade in Krisenzeiten durch kein reines IP-Streaming ersetzt werden kann.
Spartensender als Gewinner und der Ausblick auf Wien
Wie stark die digitale Transformation in Deutschland bereits fortgeschritten ist, belegen die Daten aus modern ausgestatteten Fahrzeugen. Hier zeigt sich, dass über DAB+ verbreitete Spartenprogramme extrem populär sind. So gehört das digitale Musikprogramm 80s80s hierzulande zu den meistgehörten Angeboten in vernetzten Autos. Um diese Vormachtstellung im vernetzten Auto dauerhaft politisch und technologisch abzusichern, treibt die Brancheninitiative „Radio Ready“ die engere Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern voran. Als gesetzlicher Rückenwind dient neben dem europäischen Kodex für elektronische Kommunikation (EECC) künftig auch der geplante Digital Networks Act.
Zum Abschluss der Frankfurter Konferenz richtete das Branchenforum den Blick bereits nach vorne: Die nächste Generalversammlung sowie das große WorldDAB Summit 2026 werden am 18. und 19. November in Wien stattfinden. Gastgeber Österreich glänzt aktuell mit einer DAB+-Bevölkerungsabdeckung von rund 85 Prozent und bietet über zwei nationale Multiplexe insgesamt 32 Programme an – inklusive des vielversprechenden Testbetriebs des reichweitenstarken ORF-Senders Ö3.
Warum das Digitalradio im Auto unverzichtbar bleibt:
Garantierte Brand Safety & Vertrauen: Radioprogramme unterliegen strengen journalistischen Kontrollen und Richtlinien. Für Autofahrer bleibt das verlässliche lineare Radio damit – im Gegensatz zu den unkontrollierten Desinformationswellen in sozialen Netzwerken – die Informationsquelle Nummer eins bei der Fahrt.
Kostenfrei und krisensicher: DAB+ benötigt weder teure Mobilfunk-Datenabonnements noch einen User-Login. Es funktioniert auch dann vollkommen reibungslos und stabil, wenn das Handynetz im ländlichen Raum oder bei Großereignissen komplett überlastet ist.
Perfekte Auffindbarkeit im Smart-Cockpit: Initiativen wie „Radio Ready“ sorgen dafür, dass die digitalen Logos und Programme der Sender nicht hinter den unübersichtlichen App-Kacheln der Tech-Giganten im Auto-Display verschwinden.
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