
AUDIO: „Zeit für Plattform in Europa“: Soziales Netzwerk „W Social“ online (4 Min)
Stand: 19.06.2026 14:16 Uhr
Die neue Plattform „W Social“ verspricht Transparenz, Datenschutz und echte Identitäten – Eigenschaften, die wohl die wenigsten mit sozialen Netzwerken im Internet verbinden. Kann sie eine echte Antwort auf den US-amerikanischen Internet-Riesen „X“ sein?
Als der Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk im Jahr 2022 den Kurznachrichtendienst „Twitter“ kaufte und in „X“ umbenannte, änderte sich nicht nur der Name. Kritiker beklagen seither, dass kaum noch gegen Falschnachrichten und Hass im Netz vorgegangen wird. In Europa wuchs deshalb der Wunsch nach einer eigenen digitalen Plattform – unabhängig von den USA oder China.
Europas Antwort auf Vance-Rede in München
Dieses Ziel verfolgt die neue Plattform „W Social“. Der Impuls dafür kam mit der US-Kritik an Europas Demokratieverständnis Anfang 2025, sagt die Geschäftsführerin und Mitbegründerin Anna Zeiter: „Als US-Politiker JD Vance Anfang letzten Jahres seine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz gehalten hat, haben viele gedacht: Europa muss aufstehen und unabhängiger werden. Dann haben wir uns mit Gründern in Schweden und dem Rest Europas zusammengetan und gesagt: Jetzt ist es Zeit für eine große Plattform für Europa.“

US-Vizepräsident Vance musste für seine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz jede Menge Kritik einstecken.
Seit dieser Woche ist die Plattform online – allerdings noch in einer Testphase. Interessierte können sich mit ihrer E-Mail-Adresse auf einer Warteliste registrieren. Das solle die Server vor einer Überlastung schützen, begründet Geschäftsführerin Anna Zeiter.
Zeiter verspricht drei große Unterschiede zu bestehenden Plattformen
Das Versprechen der Macher lautet: „Trust your feed“ – auf Deutsch: Vertraut euren Inhalten. Damit möchte sich „W Social“ von den bestehenden Playern wie „X“, „TikTok“ & Co. abheben: „Was für Europäerinnen und Europäer aktuell wichtig ist: Die Daten sind in Europa gespeichert“, so Anna Zeiter. „Das macht einen großen Unterschied. Zweiter Unterschied ist, dass wir Nutzerinnen und Nutzer als Menschen verifizieren. Und der dritte große Punkt ist: Wir bringen die europäischen Medien auf die Plattform.“

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Compliance mit europäischen Gesetzen
Um posten, liken und kommentieren zu können, müssen sich Nutzerinnen und Nutzer mit ihrem Personalausweis verifizieren und mindestens 18 Jahre alt sein. Das Geschäftsmodell von „W Social“ ähnelt hingegen dem der traditionellen sozialen Netzwerke. In ein oder zwei Jahren würden sie wahrscheinlich anfangen, die Plattform mit ausgespielter Werbung zu monetarisieren, so Zeiter. „Was wir allerdings anders machen: Wir werden das wirklich in Compliance mit europäischen Gesetzen machen. Das heißt, eher kontextbasierte Werbung und nicht sehr hyperpersonalisiert“, fügt die Geschäftsführerin hinzu.
Hinter dem Projekt stehen erfahrene Köpfe: Anna Zeiter war früher Datenschutz-Chef bei eBay. Im Beirat sitzen unter anderem Deutschlands Ex-Vizekanzler und Wirtschaftsmanager Philipp Rösler und ein ehemaliger Google-Experte. Doch „W Social“ ist inzwischen nicht allein. Europäische Alternativen wie „Monnett“, „Wedium“ oder „Eurosky“ drängen ebenfalls auf den Markt.
Letzteres funktioniert wie ein digitaler Baukasten, erklärt Digital-Experte und Eurosky-Mitbegründer Sebastian Vogelsang: „Was früher nie möglich war, dass man zum Beispiel von Snapchat oder von TikTok mit jemandem bei Facebook kommunizieren konnte und mit ihm Inhalte teilen konnte, das geht hier mit diesen neuen Netzwerken. Man kann über App-Grenzen hinaus mit Freunden in Kontakt treten, die man vorher immer über verschiedene Apps verteilt hatte.“

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Macht dezentralisieren und verteilen
Das Stichwort lautet: Dezentralität. Das bedeutet, die Daten liegen nicht auf einem einzigen riesigen Server eines US-Konzerns. Für Sebastian Vogelsang liegt darin der größte Vorteil gegenüber den etablierten Social-Media-Plattformen: „Was ganz wichtig dabei ist: Dass diese Macht, die man über Social Media hat, auf viele verschiedene Akteure verteilt ist. Niemand alleine kann eine Sache entscheiden.“
Vogelsang glaubt, dass die europäischen Plattformen nur dann eine Chance gegen die Übermacht aus Übersee haben, wenn sie sich zusammenschließen und eine gemeinsame technische Basis nutzen. Ob sich auch das neue „W Social“ an diesen Verbund anhängt und ob die Europäer die US-Riesen wirklich ärgern können, müssen die nächsten Monate zeigen.

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